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An dieser Stelle berichten wir in unregelmäßigen Abständen über Themen aus unseren Arbeitsbereichen, von Veranstaltungen und Veröffentlichungen oder über alles, was wir darüber hinaus als Erkenntnisgewinn betrachten.


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Die Ökofeministin Maria Mies wird 90

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Vermutlich, weil sie lange in Indien geforscht und gelebt hatte, besaß die Kölner Soziologin Maria Mies von Anfang an einen Blick für die globalen Zusammenhänge. Sie ist eine der wenigen Frauenforscherinnen hierzulande, die auch die internationale (öko-)feministische Debatte immer wieder maßgeblich beeinflusst hat.

Maria Mies war „die Erste [  ], die eine Perspektive der ‚Weltsysteme‘ auf die soziale Reproduktion entwickelt hat“, anerkennt die US-amerikanische Philosophin Nancy Fraser: „Ihre Darstellung der Verbindung zwischen der europäischen ‚Hausfrauisierung‘ und der Kolonisierung der Dritten Welt bleibt ein wichtiger Beitrag und eine unübertroffene Erkenntnis.“ (in: Nancy Fraser/Rahel Jaeggi: Kapitalismus. Ein Gespräch über kritische Theorie, Berlin 2020)


Zeit ihres Lebens war Maria Mies nicht nur Wissenschaftlerin, sondern auch Aktivistin – zu Beginn der Neuen Frauenbewegung eine nicht ungewöhnliche Konstellation –, sie war Mitgründerin des ersten autonomen Frauenhauses in Köln, des Vereins zur feministischen Theorie und Praxis, des Instituts für Theorie und Praxis der Subsistenz, sie stand in der ersten Reihe, als es erstmals (1998) darum ging, ein multilaterales Abkommen über Investitionen zu verhindern, sie kämpfte entschieden gegen Gen- und Reproduktionstechnologien.

Vor allen Dingen warnte Maria Mies früh und immer wieder eindringlich vor den sich anbahnenden ökologischen Katastrophen, die sie als Ausdruck eines zutiefst patriarchalen Naturverhältnisses verstand, und veröffentlichte gemeinsam mit Vandana Shiva, der indischen Physikerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises, die ökofeministische Streitschrift Ecofeminism.

Maria Mies' wissenschaftliches und praktisches Wirken ist eng verbunden mit dem sogenannten Bielefelder Subsistenzansatz, den sie mit einigen Mitstreiterinnen, u.a. Veronika Bennholdt-Thomsen, seit den frühen 1980er Jahren entwickelte, und der, wie Barbara Holland-Cunz einordnet, als eine „frühe Variante postkolonialer feministischer Theorie“ zu verstehen ist. (in: Holland-Cunz: Die Natur der Neuzeit. Berlin 2014).

Postkoloniale, intersektionale und ökologische Zugänge werden von einer jüngeren Generation feministischer Aktivist*innen und Forschenden inzwischen ganz selbstverständlich gewählt, Maria Mies aber war eine Wegbereiterin.

Angesichts der andauernden und weiter zunehmenden sozialen und ökologischen Verwerfungen, plädiert Maria Mies für eine gesellschaftliche Subsistenzperspektive, das heißt für sie in erster Linie eine Orientierung an der Wertschätzung des Lebendigen, der Produktion des Lebens und nicht zuletzt der Produzent*innen des Lebens, um eine Beendigung bzw. Abwicklung der gegenwärtigen Natur, Frauen und globalen Süden ausbeutenden bzw. zerstörenden Lebens- und Wirtschaftsweise zu erreichen.

Maria Mies hat auch uns in der anstiftung immer wieder inspiriert, z.B. mit ihren Debattenbeiträgen zu Ernährungssicherheit und Saatgutsouveränität, aber eben insbesondere mit ihrem Blick auf Subsistenz.

Wir bedanken uns sehr herzlich und wünschen einen fröhlichen Geburtstag in Köln und einen schönen weiteren Lebensweg!

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