Commons

 

Bis in die Gegenwart hinein verfügten vielerorts Allmenden über Land und natürliche Ressourcen und war die Nutzung von Ressourcen Gegenstand vielfältiger sozialer Aushandlungen, in der kapitalistischen Moderne erfolgte dann zunehmend ihre Einhegung mittels juristischer Interventionen. Die Folgen sind bekannt: Natürliche Ressourcen wurden zum Gegenstand grenzenloser Ausbeutung. Man spekuliert in großem Stil mit Rohstoffen, man vermarktet Wasser global. Boden, ganz gleich ob über dem Meeresspiegel > Landraub oder unter Wasser, wird zur begehrten Ware und im großen Stil und ohne jede Rücksicht auf die dort existierenden Lebensformen „abgeräumt“. Beklemmend ist die Machtlosigkeit angesichts der überwältigenden Phalanx aus Kapital, Politik, Wissenschaft und Technik, die dies ermöglicht.

Gegen diese Machtkonzentration wendet sich die Commons-Bewegung und sucht nach Wegen aus der Marktideologie und ihrem Denken. Commons, Gemeingüter, Allmenden – all diese Begriffe bezeichnen den kollektiven Versuch, den Marktliberalismus und die damit verbundene Handlungsrationaliät des Homo oeconomicus zu dezentrieren und durch demokratische Praxen in Gesellschaft und Ökonomie zu konterkarieren: Ressourcen werden gemeinsam bewirtschaftet, öffentliche Flächen für gemeinwohlorientierte Nutzungen reklamiert, Wissen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Commons-Praxen suchen nach Formen der Kollaboration jenseits des exkludierenden Ökonomismus einer Stadt der Investoren.

„Commons fördern Sozialbeziehungen und Gemeinschaftlichkeit. Sie sind jene vielfältigen Formen gemeinsamen Sorgetragens, die für die am Homo oeconomicus orientierten Marktökonomen weithin unverständlich bleiben.“ (Helfrich/Bollier 2012, S. 21) Die Commonisten betonen die kooperative Kapazität, die sich im Sozialen immer wieder zeigt, und suchen nicht im Individuum, sondern im Sozialen nach Auswegen aus dem derzeitigen Dilemma.

Helfrich, Silke/ Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.) (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, Bielefeld: transcript.
Ostrom, Elinor (1990): Governing the Commons. The Evolution of Institutions for Collective Action. Cambridge: Cambridge University Press.

 

> zurück zur Übersicht