Demokratie

 

DIY ist verbunden mit einem neuen demokratischen Stil, der dem Lebensgefühl der jungen Städter_innen entspricht:. Man geht davon aus, dass nichts bleiben muss, wie es ist, man richtet seine Lebenspraxis bewusst aufs Teilen und Tauschen von Ressourcen und > Commoning aus. Man hat keinen Vertrag mit politischer Repräsentation und steht einer hierarchischen Struktur von politischer Machtausübung skeptisch gegenüber. Stattdessen sucht und generiert man demokratische Zusammenhänge im Alltag. Der Ansatz ist konstruktiv: Die Akteure erkennen keinen Sinn darin, sich übermäßig in Kritik und Opposition zu erschöpfen und legen stattdessen ein frisches und respektloses Verhältnis zu allem Bestehenden an den Tag. Sie begeben sich in ein Feld überschaubarer Sozialität und intervenieren. Der Gestus ist freundlich, neugierig und verspielt, aber auch nüchtern, realistisch und sowohl technisch als auch sozial versiert.

Die Demokratie, an der hier gebastelt wird, ist eine alle Naturen einschließende Ökologie und Ökonomie: Menschen, Tiere und Pflanzen. Im Mittelpunkt des Demokratieverständnisses stehen die Normen der Gleichheit und der Teilhabe. Besonders letztere steht im Fokus. Als Teil der Open Source-Bewegung ist es selbstverständlich, ja verpflichtend, das eigene Wissen und die eigenen Dinge soweit möglich zu teilen oder mit anderen zu tauschen. Im Gegenzug reklamiert man Zugang zum Wissen und zu den Kapazitäten der anderen.

Das neue Demokratieverständnis schließt Praxen des Protests nicht aus. Es gibt auffällige Parallelen zwischen DIY und Occupy. Das strategische Kalkül der Wirkung hat vor dem kollektiven, auch körperleiblichen Prozess eines guten Miteinanders zurückzutreten. Es formt sich eine Parade, es formt sich ein Dorf, es formt sich, man weiß es nicht. Man muss es auch nicht wissen. Das wäre Old School und übermäßig viel Kontrolle. Kontrolle, die womöglich auf Kosten der Demokratie gehen könnte.

Es verwundert nicht, dass – nicht nur diesen Punkt betreffend – die Kommunisten und Sozialisten die verspielten Commonisten belächeln. Es handelt sich eben um grundverschiedene politische Kulturen. Die Commonisten entlasten sich vom Anspruch, die Gesellschaft insgesamt revolutionär umgestalten zu wollen.

 

> zurück zur Übersicht