Gartendinner

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In New York sind Produkte aus urbaner Landwirtschaft hip, im Leipziger Garten Annalinde kochten ambitionierte Köche Mehrgängemenüs unter freiem Himmel zu 99 % aus Gemeinschaftsgartenanbau, und in Berlin lädt der Prinzessinnengarten zu „Wildkräutersalat aus der Wilden Gärtnerei mit warmem Ziegenkäse und Pain Perdu, gebratenen Pilzen mit warmen Bohnen, Hokkaido-Kürbis und französischem Estragon aus dem Garten, dazu die erste Kartoffelernte aus den Sorten Blauer St. Galler und Adretta“.

Essen und Kochen sind mehr denn je Mittel gesellschaftlicher Distinktion: Tafeln in weißer Kleidung vor Opernhäusern, Foodraves, Supper Clubs und Gastrohypes mit exquisiten Zutaten aus der Region demonstrieren öffentlich Kennerschaft und Savoir-vivre. Das Zelebrieren der Genießer-Esskultur und das fortwährende Sprechen darüber hat bereits die Gegenbewegung der Anti-Foodisten auf den Plan gerufen. Sie fordern die Rückkehr zu Bodenständigkeit und „Authentizität“.

Gibt es das Echte bei den Locavore-Menüs in den urbanen Gärten? Die Gartendinner schließen durchaus an den Habitus des Genießens an (wie obige Speisefolge belegt), aber zugleich spielen sie mit dieser Attitüde. Auch steht das Bekenntnis zum Unperfekten saturiertem und raffiniertem Kennertum im Weg. Bei einer Geburtstagsfeier im Prinzessinnengarten musste man sich z.B. infolge fehlender Suppenlöffel mit Strohhalmen behelfen. Die eingeladenen Gäste trugen es mit Fassung.

 

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