Improvisieren

 improvisieren

DIY-Projekte sind nicht in erster Linie durch Planung, Institutionalisierung und Routinisierung bestimmt. Vielmehr werden Antworten auf Unbestimmtheit in der Improvisation gesucht. Den großen Plan und oft auch die klare dauerhafte Zuständigkeit gibt es hier nicht automatisch und Hierarchie nur begrenzt. Auftauchende Probleme setzen ein Ausprobieren in Gang. Man weiß im Vorhinein nicht, wohin der eingeschlagene Pfad führt, man erfährt es unterwegs. Fehler werden toleriert, Scheitern ist erlaubt. Irgendwie wird es schon. Genauso auch die Architektur der Dinge, mit denen ebenfalls improvisiert wird. Sie sind hier aus dem Zwangskorsett der Eindeutigkeit entlassen. Man traut ihnen vieles zu. Je nach Bedarf und Wunsch werden sie zusammengesucht, zusammengebaut und genutzt, mit eigenem ästhetischem Gespür. Dinge dienen hier nicht nur einem bestimmten Zweck, sondern es verändert sich je nach Situation der Blick auf sie und das Spiel mit ihnen. Man sieht sie in einem anderen Licht und verbaut sie neu.

Ähnlich verhält es sich mit den personalen Zuschreibungen. Sie variieren nach Bedarf. Vieles wird situativ ausgehandelt und entschieden. Grobe Zuschreibungen gibt es, die Feinheiten finden sich. Für viele der anfallenden Arbeiten akquiriert man geschickt helfende Hände. So wird z.B. periodisch zu Pflanzaktionen aufgerufen. Was während dieser Aktionen mitunter chaotisch anmutet, ordnet sich immer wieder und funktioniert irgendwie. Niemand wüsste die Grenze der DIY-Projekte klar zu bestimmen. Sie dehnen sich aus und schrumpfen dann wieder, fast könnte man sagen, sie atmen.

Dell, Christopher (2012): Die improvisierende Organisation. Management nach dem Ende der Planbarkeit. Bielefeld: transcript.

 

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