Mundraub

 

Beschreibt sich selbst als Obstallmende. Mundraub ist ein typischer DIY-Hybrid: zusammengesetzt aus einer Crowd-Sourced Website, auf der eine Vielzahl von Nutzer_innen Obstbäume und -sträucher eintragen, deren Früchte geerntet werden dürfen, und einem hinter Markierung und Verzeichnung sich öffnenden Raum eigenen Typs: einem Genuss-Archipel. Das „herrenlose“ Obst wird als Schatz verstanden, den es zu finden und zu heben gilt. Mundräuber sind keine Bauern. Sie sind nicht an die Erde gebunden, sie hegen und pflegen nur begrenzt, sie bauen nicht an, um ernten zu können. Meist besteht die Mundräuberpraxis darin, die eingezeichneten Bäume oder Sträucher aufzusuchen und sie abzuernten. Etwa im Rahmen einer Fahrradtour und in Verbindung mit einem Picknick, in der Regel zusammen mit anderen. Danach wird das geerntete Obst dann eingekocht oder anderweitig konserviert.

Das klingt recht einfach. Tatsächlich aber erschließt das Mundräubern vielen Beteiligten eine komplett neue Welt. Der Bezug zu Obst und anderen Nutzpflanzen, zu Ernährung und zu Landschaft verändert sich mit der Pflück- und Ernteerfahrung. Man trachtet danach, Unwissenheit und Unbeholfenheit im Umgang mit den Früchten durch den Austausch mit anderen Mundräubern zu verringern. Auf der Facebook-Seite von Mundraub gibt es viele Statusmeldungen über Obstsorten, die identifiziert werden müssen, und über alles, was mit Einkochen und der Zubereitung von Speisen zu tun hat. Man will wissen und man will es gut machen. Man empfindet Dankbarkeit für die Obstbäume, deren Früchte man erntet. Im Gegenzug wird es zum Bedürfnis, die Obstbäume zu beschützen und zu erhalten. Aus Räubern werden Verbündete.

mundraub.org

 

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