Tätigkeitsbereiche und Steuersätze

Trägervereine von Offenen Werkstätten und anderen Eigenarbeits- oder Qualifizierungsprojekten sollten vom zuständigen Finanzamt für Körperschaften als gemeinnützig anerkannt sein. Bei einigen Leistungen und Einnahmearten wie z.B. Werkstattnutzung mit und ohne fachliche Beratung empfiehlt es sich, mit dem Finanzamt die Zuordnung zu Tätigkeitsbereichen abzusprechen sowie die entsprechenden Mehrwertsteuersätze festzulegen. Entscheidend ist immer der in der Satzung festgelegte Zweck. Deshalb können gleiche Leistungen in verschiedenen Vereinen bei unterschiedlichen Zwecksetzungen unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen zugeordnet werden sowie verschiedene Mehrwertsteuersätze zur Anwendung kommen.

Folgende Tätigkeitsbereiche sind zu unterscheiden:

  1. Der Ideelle Bereich
    Hierzu zählen Mitgliedsbeiträge, Spenden, Aufnahmegebühren, staatliche und andere Zuschüsse

  2. Die Vermögensverwaltung
    Hierzu zählen Miet- und Pachterträge aus langfristiger Vermietung (Zinseinnahmen, sonstige Kapitalerträge, etc.)

  3. Die wirtschaftliche Betätigung
    Selbständige, nachhaltige Tätigkeiten, durch die Einnahmen erzielt werden

    3.1.    Der Zweckbetrieb (steuerbegünstigt)
    Beispiele für wirtschaftliche Tätigkeiten im Rahmen eines Zweckbetriebs einschließlich Mehrwertsteuersatz
Einnahmen aus

MwSt-Satz

Kurstätigkeiten (Vereinszweck Bildung)

0 %

Werkstattnutzung mit und ohne fachliche Beratung

7 %

Reparaturen (Qualifizierungsbetrieb)

7 %

Kindertheater

7%


        3.2.    Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb (steuerpflichtig)

Einnahmen aus

MwSt-Satz

Materialverkauf

19 %

Cafébetrieb

19 %

Vermietungen (Räume, Werkzeuge, Kfz., etc.)

19 %

Kulturellen Veranstaltungen

19 %

Vereinsfesten, geselligen Veranstaltungen

19 %

Die Umsatzfreigrenze für den steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (§ 64/3 AO) beträgt 35.000 € p.a. Wirtschaftliche Aktivitäten, die diese Grenze nicht übersteigen, werden wie Zweckbetriebe behandelt und sind damit steuerbegünstigt.

Umsatzsteuer

Nach § 19 UStG wird eine Umsatzsteuer nicht erhoben, wenn
  • der Umsatz des Vorjahres 17.500 € (inkl. MwSt) nicht überschritten hat und
  • der Umsatz des laufenden Jahres 50.000 € (inkl. MwSt) voraussichtlich nicht überschreiten wird

Der Verein muss in diesen Fällen keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen, darf natürlich auch keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen; entsprechend entfällt auch der Vorsteuerabzug (Kleinunternehmerregelung).

Werden diese Umsatzgrenzen nicht überschritten, kann dennoch die Regelbesteuerung gewählt werden. Dies kann sinnvoll sein, wenn

  • die Vorsteuererstattung für die nächsten fünf Jahre voraussichtlich höher sein wird als die abzuführende Umsatzsteuer (z.B. bei größeren Anschaffungen in der Startphase eines Projektes, MwSt-Anteil in der Miete)
  • der Zweckbetrieb nur dem ermäßigten Umsatzsteuersatz unterliegt und deshalb eher von einer Steuererstattung ausgegangen werden kann.
Der Verein wäre fünf Jahre an diese Option gebunden. Deshalb sollte in jedem Fall vorher genau geprüft werden, ob die Option ein finanzieller Vorteil für den gesamten Zeitraum sein kann.

Achtung: Die oben gemachten Angaben sind rechtlich unverbindliche Hinweise! Eine Gewähr für die Richtigkeit kann nicht übernommen werden.