Outdoorküche

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Der Trend zum Draußensein ist ungebrochen; die Grenzen zwischen Innen und Außen sind längst fluide und bürgerliche Vorstellungen von Privatheit zunehmend im Verschwinden begriffen. Immer mehr Lebensraum wird von drinnen nach draußen verlegt; Gartenbesitzer tragen ihre Wohnmöbel ins Freie, harren dort auch bei niedrigen Temperaturen mit Decken auf dem Schoß aus und bauen sich aufwändige Outdoorküchen in den Terrassenbereich. „Im Garten halten's die Leute wie in der Küche: Bei der Technik klotzen, beim Grünzeug sparen“ kommentierte brand eins (12/2008) den Outdoortrend, und dieser Befund trifft auf weite Teile der distinktiven Ausweitung des Innenraums zu Zwecken der Selbstinszenierung zu: ausladende Plastiksofas und teure Küchenelemente, aber billiges Grillfleisch.

In den Outdoorküchen der urbanen Gärten ist es umgekehrt: In den ausgemusterten Hafencontainern und Bretterkonstruktionen aus recycelten Altmaterialien und geschenkten Resthölzern werden frisch geerntete Pflanzen aus lokalem Anbau zusammen gekocht und verspeist. Gemeinsam ist beiden Formen die Nähe zu Camping und Picknick, die Vorliebe für weniger beengte und mit Konventionen belegte Wohnverhältnisse. Draußen galten immer schon andere Regeln als drinnen.

> Gartendinner

Kirchhoff, Thomas/ Vicenzotti, Vera/ Voigt, Annette (Hg.) (2012): Sehnsucht nach Natur. Über den Drang nach draußen in der heutigen Freizeitkultur. Bielefeld: transcript.

 

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