Performativität

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Im Mittelpunkt des DIY steht die gemeinsame Hervorbringung. Es geht nicht darum, zielstrebig die eigene Absicht umzusetzen, sondern darum, sich mitnehmen zu lassen, sich mit anderen in einen Fluss von Ereignissen zu begeben, dessen Wechselfälle, Wendungen und Abfolgen weder vorhersehbar noch steuerbar sind. Man wagt den Sprung ins Offene und wird Teil einer basisdemokratischen Kultur, die sich letztlich selber dynamisch herstellt. Man vertraut dem Potenzial der Vielen. Die Praxis versteht sich als Antidot zu den hegemonialen Strukturen des Techno-Perfektionismus.

Praktisch erfordert dies eine Fähigkeit zur Interaktion, in der die Beteiligten sich gegenseitig respektieren und Differenz tolerieren. Man wird ständig mit neuen Anforderungen und Problemen traktiert, doch muss dies die Einzelnen nicht unbedingt überfordern, denn jede/r trägt ja nur einen Teil der Last. Es wird nicht endlos viel Zeit mit Brainstormings verbracht, vielmehr drängt man ins praktische Versuchen und Tun. Man bastelt sich an die Lösungen der jeweiligen Probleme heran. Etwas Neues, Interessantes, möglicherweise nie zuvor Gesehenes liegt ständig in der Luft. Mal übernimmt die eine, dann die andere die Initiative und den weiterführenden Part. Man wirft sich gegenseitig die Bälle zu.

Doch nicht nur beim Basteln, Bauen und Gärtnern, sondern auch bei der Nutzung ist das DIY eine performative Kultur, in der mehrere Spieler aufeinander bezogen sind: indem die selbst gebauten Dinge zum Gegenstand kleiner Inszenierungen gemacht werden. DIY enthält mehr als ein Quäntchen Theatralik.

> Gartenumzug

Fischer-Lichte, Erika (2012): Performativität. Eine Einführung. Bielefeld: transcript.

 

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