Ein Frühjahr ohne Spaten

Anfang Januar 2018 ist der Lucie-Flechtmann-Platz

kahl und leer und erinnert an seinen urprünglichen Zustand in 2013, noch bevor Anwohner*innen aus der Grünenstraße begonnen hatten, einen Garten anzulegen. Die Minustemperaturen sorgen für einen verzögerten Beginn der Umgestaltung. Erst im März rollen die Bagger an um endlich die Pflastersteine zu entfernen...


Die Lucie bekommt Zuwachs


… aber den Lucies ist in der Wartezeit nicht langweilig geworden. Die im September 2017 bewilligte Förderung durch das Bundesministerium für Umwelt, Bau und nukleare Sicherheit hat es ermöglicht, im Januar einen nachbarschaftlichen Bildungsraum mit zwei Teilzeitstellen direkt gegenüber des Stadtgartens zu eröffnen: Die KlimaWerkStadt. Zusätzlich gab es dank einer weiteren Förderung mit Nicole Meyer auch personellen Zuwachs für Umweltbildungangebote auf der Lucie. Der kleine, organisch gewachsene Verein KulturPflanzen, der Träger für sowohl Lucie als auch KlimaWerkStadt ist, ist plötzlich gewaltig gewachsen!

In einem moderierten Planungstreffen Anfang Januar beginnen wir, die ehrenamtlichen und neu entstanden hauptamtlichen Strukturen des Vereins zusammenzubringen. Die KlimaWerkStadt dient hierfür als neuer Treffpunkt für die Lucies in der kalten Jahreszeit. Als ein Veranstaltungs-, Bildungs- und Vernetzungspunkt für klimagerechtes Alltagshandeln mit dem wöchentlichen Repair-Café, passt sie perfekt zu den Ideen und Zielen der Stadtgärtner*innen. Schon im Februar findet mit der 5. Bremer Saatgut Tauschbörse für sortenechtes, regionales Saatgut die erste Lucie-Veranstaltung in der KlimaWerkStadt statt. Und die riesigen Fenster der Räume eignen sich bestens für die Jungpflanzenanzucht für den Lucie-Garten.

Die KlimaWerkStadt erreicht durch ihre große Themenvielfalt ein noch breiteres Publikum im Stadtteil, als die Lucie, und so finden 2018 einige neue ehrenamtliche Gesichter ihren Weg über die KlimaWerkStadt in den Garten!



Der Garten


Die Entsiegelung der Lucie dauert bis Ende Mai an. Derweil sprießen und gedeihen die Jungpflanzen auf dem Fensterbrett der KlimaWerkStadt – sie müssen dringend in die Erde. Am 30.05. ist dann endlich „Platzübergabe“: Wir erhalten die Schlüssel für den neu verlegten Stromanschluss – der Wasseranschluss wird noch bis Ende Juli auf sich warten lassen. Der Platz ist dem Entwurf gemäß hergerichtet und auf Teilflächen des noch brachliegenden Bodens ist Rasensaat ausgesät. Bis Ende Juni soll noch der Bauzaun stehen bleiben, um den frisch ausgesäten Rasen zu schützen. Bisher war die Stadtgemeinde Bremen für die Umgestaltung verantwortlich. Ab jetzt sind wir ganz offiziell für den Lucie zuständig und die gesamte rechtliche wie finanzielle Verantwortung für die Pflege des öffentliches Platzes liegt bei uns.

Die neue Lucie – jetzt gehört sie uns! Aber wir bremsen uns, die zahlreichen Jungpflanzen endlich in die Erde zu bringen, als uns die Bodenqualität bewusst wird. Der Boden der entsiegelten Fläche ist sehr sandig und gespickt mit Plastikmüll und Scherben. Das sind keine guten Voraussetzungen für Gemüse und Gärtner*innenhände! Wir organisieren zunächst 6 Tonnen Kompost aus dem Bremer Umland, arbeiten diese mühevoll in den vorhandenen Sand ein und befreien den Boden vom gröbsten Müll. Endlich dürfen die Pflanzen in die Erde! Inzwischen ist es Mitte Juni und wir beginnen, zu wässern.




Am Bremer Himmel zeichnet sich 2018 kein Wölkchen ab und kein Tropfen Regen fällt, sodass wir täglich gießen müssen. Bis Ende Juli auch der Wasseranschluss funktionsfähig ist, kommt wie gewohnt das aufwendige Prozedere mit Standrohr und Hydrant zum Einsatz. Langsam beginnt auch der Rasen zu wachsen!







Circa 200 qm Gemüsebeet haben wir im hinteren Platzbereich umgegraben und dazu das große Sichelbeet. Knapp 30 Gemüsekulturen und Gründüngung gedeihen nun auf der Lucie. Dank der intensiven Pflege durch das tägliche Gießen und sonntägliche Gärtnern, kann unsere Ernte sich sehen lassen! Zum Abschluss jeden Sonntagsgärtnerns wird gemeinsam geerntet. Alle, die mitgegärtnert haben, sind eingeladen von der Ernte auch etwas mitzunehmen. Oft essen wir noch gemeinsam vor Ort. Wir beginnen nun auch, die noch vorhandenen Hochbeete umzusetzen und ohne Palettenuntersatz, dafür endlich mit Erdkontakt, als Beetbegrenzungen um den Platz herum aufzustellen. Drei Hochbeete gehen an unsere Freund*innen vom Papp, sodass das Kneipenpublikum an der Westerstraße/Friedrich-Ebert-Straße nun auch ein bisschen Stadtgrün genießen kann.






Umweltbildungsangebote für Kinder und Jugendliche


Mit der Platzübergabe Ende Mai konnte Nicole ihre eigentliche Arbeit beginnen. In zahlreichen Nachmittags- und Ferienangeboten hat sie mit Kindern und Jugendlichen aus dem Stadtteil den zunächst noch kargen Platz begrünt und Stadtentwicklung von unten auch für die Jüngsten erlebbar gemacht: Ihre unkommerziellen Umweltbildungsangebote (auf Spendenbasis) umfassten die Anlage eines Kräuterbeets, den Einzug der Färberpflanzen wie Färberwaid, Schwarze Stockrose, Scharfgarbe und Färbermeister, das Herstellen von Farben aus den Färberpflanzen, Äpfel sammeln und Apfelsaftpressen und eine Herbstferienwoche rund um Vögel, bei der Nist- und Futterhilfen für die Lucie und den eigenen Garten gebaut wurden.



Kulturelle Veranstaltungen


Das erste große Fest feiern wir 2018 erst nach dem Sommerferien: Die Lucie ist inzwischen über und über grün, aus der Gründüngung hat sich ein Sonnenblumenfeld entwickelt und in unserem Kürbisfeld zählen wir über 30 Früchte! Am 25.08. ist die Wiedereröffnung. Der Bausenator Joachim Lohse kommt das erste Mal persönlich auf die Lucie im den umgestalteten Platz einzuweihen. Der Anlass dient auch für eine Preisübergabe: Unser Engagement wird als offizielles Projekt der UN Dekade Biologische Vielfalt im Rahmen des Sonderwettbewerbs Soziale Natur ausgezeichnet. Ausgerechnet an diesem Tag wird uns auch der lang ersehnte Regen geschenkt, der diese Feier im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen lässt. Kurzerhand feiern wir in der KlimaWerkStadt weiter!




Im September veranstalten wir wie jedes Jahr ein Draußen-Kino und zeigen den Film „Das Gegenteil von Grau“, der bunte und selbstgemachte Stadtteilprojekte aus dem Ruhrgebiet vorstellt. Beim einzigen, sehr gut besuchten Lucie Flohmarkt entschließen wir uns kurzerhand für eine Soli-Aktion mit den widerständigen Naturschützer*innen im Hambacher Wald und hängen viele kleine Baumhäuser und ein Banner auf der Lucie auf.




Den Abschluss der dieses Jahr kurzen Veranstaltungssaison bildet am 14.10. das Herbstfest, bei dem Nicole mit Kindern und Eltern eine Suppe aus eigener Ernte zubereitet, wir uns von einer Feuershow in der Dämmerung beeindrucken lassen und anschließend noch lange mit Stockbrot am Lagerfeuer zusammen sitzen.




Besonderes


Als wäre das Gartenjahr 2018 noch nicht ereignisreich genug, gab es einige Besonderheiten:
  • Die Innere Mission hat – auch Dank des Einsatzes des Neustädter Beirats – im September für zunächst ein Jahr den Sozialarbeiter Christian als aufsuchenden Streetworker eingestellt, der den Dialog mit den suchtkranken Stammgästen auf der Lucie und Umzu gestalten wird. Nachdem der benachbarte Aldi im Juni wegen Umbauarbeiten vorübergehend geschlossen hatte, sind die Stammgäste in die Wallanlagen ausgewichen und waren 2018 insgesamt wenig auf der Lucie präsent. Für uns war dies eine spürbare Erleichterung. Zum Einem gab es erstmalig seit 5 Jahren keine Konflikte oder Krankenwageneinsätze auf dem Platz, zum Anderen mussten wir deutlich weniger Müll aufräumen. Wir freuen uns über die eingerichtete Stelle und hoffen, dass das neue Gartenjahr mit dem inzwischen wiedereröffnetem Aldi und zurückgekehrten Stammgästen ebenfalls konflikt- und müllfreier verläuft.
  • Seit 2014 wurden wir Stadtgärtner*innen regelmäßig filmisch von Dirk Meißner und Orhan Calisir begleitet. Nun haben die Filmemacher eine 30-minütiger Dokumentation über den Umgestaltungsprozess fertig gestellt. Wir werden den Film 2019 im Draußen Kino zeigen und haben zudem etwa 100 DVDs zu vergeben – sprecht uns bei Interesse gerne an!
  • Eine größere Förderung durch die Postcodelotterie, vermittelt über die anstiftung, hat uns ermöglicht Ende des Jahres mit dem Bau einer Plattform auf den beiden Containerdächern zu beginnen. Nach Fertigstellung des Geländers sollen hier die Bienen einen geschützten Standort finden und endlich auf die Lucie zurückkehren. Die Plattform wird auch ermöglichen, gemeinsam und sicher in Workshops auf der Lucie zu imkern.


Ausblick & Mitmachen!


Ein wirklich ereignisreiches Jahr liegt hinter uns! Wir freuen uns sehr auf die Zukunft der neuen Lucie und nutzen die Winterpause um Pläne zu schmieden. Du bist herzlich eingeladen mitzumachen, uns je nach Lust und Laune mit deiner Tatkraft oder deiner Neugier zu bereichern und 2019 mit uns zu gärtnern und die Stadt von morgen zukunftsfähig zu gestalten! Komm gerne zum Plenum jeden 2. Montag um 18:30 Uhr oder ab dem Saisonstart am 6. April 2019 zum wöchentlichen Sonntagsgärtnern ab 16 Uhr.

Der Verein KulturPflanzen e.V. ist weiterhin auf Spenden angewiesen, um das Stadtgarten-Projekt „Ab geht die Lucie“ zu stemmen. Für Versicherung, Wasserkosten, Müllentsorgung, Instandhaltung, Anschaffungen etc. benötigen wir monatlich etwa 500 Euro (mehr Infos dazu auf www.lucie-bremen.de). Hiervon werden bisher erst etwa 100 Euro durch monatliche Dauerspenden gedeckt. Daher fließt viel Zeit und Energie der Ehrenamtlichen in die Finanzakquise, anstatt in den Garten. Bitte unterstütze uns dabei, die Lucie zu finanzieren und den Garten für alle zu erhalten!

Richte deine Spende an:
KulturPflanzen e.V., Ab geht die Lucie
IBAN DE61 4306 0967 2047 9258 00 bei der GLS Gemeinschaftsbank

Zum Schluss ein herzliches Dankeschönan alle Lucie-Unterstützer*innen!!

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