Beitrag erschienen auf repanet.at: Re-Use- und Reparaturnetzwerk Österreich

In einer neu erschienen Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung werden aktuelle Anreiz- und Fördermöglichkeiten des österreichischen Reparatursektors analysiert. Fazit: Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf alle Arten von Reparaturen von Gebrauchsgütern wäre die sinnvollste Maßnahme.

Die AutorInnen Angela Köppl, Simon Loretz, Ina Meyer und Margit Schratzenstaller werfen in der vor kurzem erschienen Studie „Effekte eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Reparaturdienstleistungen“ einen genauen Blick auf den österreichischen Reparatursektor. Hier zeigt sich recht schnell, dass noch Luft nach oben ist – einerseits fehlt es auf KonsumentInnenseite oft an Wissen über Reparaturangebote – andererseits gibt es oft einfach nicht genug Angebot.

Doch Reparatur, so wie auch Re-Use, ist ein zentrales Standbein der Kreislaufwirtschaft, da sie die Produktlebensdauer verlängert und somit Ressourcen schont. Nun stellt sich also die Frage, wie sich die Situation langfristig ändern lässt – mit welchen Anreizen können KonsumentInnen dafür gewonnen werden, Reparaturen in Anspruch zu nehmen? Mit welchen Mitteln kann der Reparatursektor gestärkt werden? Ideen dazu gibt es schon seit längerem, auch von RepaNet. Deshalb war es für uns besonders spannend, die Ergebnisse der vorliegenden Studie zu erhalten – denn hier werden die Möglichkeiten speziell für Österreich erstmals wissenschaftlich analysiert.

Die AutorInnen gehen dabei Schritt für Schritt vor. Zunächst wird die Rolle des Reparatursektors innerhalb der Kreislaufwirtschaft näher untersucht, dabei wird auch Re-Use betrachtet. Unter den herangezogenen Daten findet sich auch die RepaNet-Markterhebung von 2017.

Proportional zur Zunahme von unserem Konsum müssten auch Reparaturen zunehmen – doch das Gegenteil ist der Fall: Die Leistungen des Reparatursektors nahmen im Zeitraum von 2008 bis 2016 vielmehr ab. Abgelesen wird dies an drei Kennzahlen – Anzahl Betriebe, Umsatz und Anzahl Beschäftigte -, die allesamt einen Abwärtstrend verzeichnen, der aktuell sogar noch verstärkt wird.

Hier können Best Practice Beispiele helfen – deshalb werfen die AutorInnen einen Blick auf aktuelle Fördermodelle der Stadt Graz, des Landes Oberösterreich und des Landes Steiermark (Hinweis: mittlerweile gibt es auch in Niederösterreich einen Reparaturbonus). Ausgehend davon werden vier mögliche Maßnahmen zur Förderung genauer analysiert:

  • > Einführung eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes für kleine Reparaturdienstleistungen (Fahrräder, Schuhe, Änderungsschneidereien)
  • > reduzierter Mehrwertsteuersatz für Reparaturen von Gebrauchsgütern (inkl. Elektro- und Elektronikgeräte)
  • > Ausweitung des Reparaturschecks auf ganz Österreich
  • > indirekte Förderung durch Absetzbarkeit der Reparaturkosten von der Einkommenssteuer analog zum schwedischen Vorbild

Von den genannten Optionen wird die Reduktion der Mehrwertsteuer auf alle Arten der Reparaturen von Gebrauchsgütern von den AutorInnen als direkteste und somit vielversprechendste Maßnahme identifiziert. Das entspricht der Position von RepaNet: Betriebe könnten auf diese Weise dauerhaft gestärkt werden, Reparaturen würden attraktiver und die Kreislaufwirtschaft würde angekurbelt. Deshalb setzen wir uns auch dafür ein. In unserer Parteienumfrage vor den Nationalratswahlen haben sich auch die meisten Parteien zu derartigen Maßnahmen bekannt – zumindest sind sich alle einig, dass Reparatur attraktiver gestaltet werden müsse. Auf österreichischer Ebene könnte zumindest der bundesweite Reparaturbonus direkt eingeführt werden. An dieser Stelle wollen wir auf die Parlamentarische Petition des R.U.S.Z hinweisen, in der unter anderem das gefordert wird.

Was die Mehrwertsteuersenkung betrifft, so muss zunächst auf der EU-Ebene angesetzt werden – hier wird die Mehrwertsteuer-Richtlinie aktuell überarbeitet. RepaNet setzt sich gemeinsam mit seinem europäischen Dachverband RREUSE bereits seit Längerem für eine MWSt-Reduktion auf Re-Use- und Reparaturprodukte bzw. -dienstleistungen ein (siehe RREUSE-Positionspapier).

Weitere Links zur Studie und ursprünglicher Artikel auf repanet.at

» Zum Artikel