Ab 2021 erhalten VerbraucherInnen in Frankreich beim Kauf eines Elektro- oder Elektronikgeräts über einen Reparatur-Index Auskunft darüber, wie einfach das Produkt sich im Schadensfall reparieren lässt. Das vorliegende Factsheet analysiert den politischen wie technischen Rahmen des Reparatur-Index in Frankreich und identifiziert seine Stärken und Schwächen. Es leitet Empfehlungen für die europäische wie deutsche Politikebene ab und verortet das Reparatur-Scoring im Kontext eines notwendigen Maßnahmen-Mixes zur Stärkung der Reparatur.

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1994 hat sich Deutschland die Kreislaufwirtschaft als Ziel gesetzlich festgeschrieben. Von einer konsequenten Umsetzungsstrategie mit systemischen und tiefgreifenden Maßnahmen ist der ‘Recyclingweltmeister’ Deutschland jedoch noch weit entfernt. Bisherige Maßnahmen konzentrieren sich im Wesentlichen auf Recycling und Rohstoffeffizienz, während die wirkmächtigen Strategien der Konsistenz und Suffizienz kaum Anwendung finden. Oberste Priorität müssen in einer Kreislaufwirtschaft jedoch Strategien der Abfallvermeidung und der Reduktion des Rohstoffverbrauchs erhalten. Die Elektro- und Elektronikbranche kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, wenn politische Rahmenbedingungen reparaturfähige und langlebige Produkte fördern.

Zivilgesellschaftliche Bewegungen, wie die ‘Right to Repair’ Bewegung, und nicht zuletzt der neue Aktionsplan Kreislaufwirtschaft der EU-Kommission haben Reparatur auf die politische Agenda gesetzt und sie als wichtige Stellschraube für eine nachhaltige Rohstoffnutzung identifiziert. Einzelne Maßnahmen zur Stärkung der Reparatur wurden in einigen EU-Ländern bereits umgesetzt. Darunter Schweden und Belgien, die den Mehrwertsteuersatz für Reparaturdienstleistungen gesenkt haben.

Auch Frankreich hat im Rahmen seines 2018 verabschiedeten Fahrplans Kreislaufwirtschaft ein breites Maßnahmenbündel vorgestellt. Darunter den Reparatur-Index, welcher VerbraucherInnen durch ein einfaches Label Auskunft über die Reparierbarkeit eines Geräts geben soll. Die neue Kennzeichnungspflicht wird 2021 in Kraft treten. Der Index wird KäuferInnen dann eine einfache und schnelle Einschätzung über die Reparierbarkeit von Elektronikgeräten ermöglichen und zu einer informierten Kaufentscheidung beitragen. Ein solches Informationsinstrument ist auch im Aktionsplan Kreislaufwirtschaft der EU-Kommission von Anfang März 2020 aufgeführt.

Die Initiative unseres Nachbarlandes sowie die Verankerung des Reparatur-Index im Aktionsplan Kreislaufwirtschaft der EU muss ein Signal an die Bundesregierung sein: Die Stärkung der Reparatur ist eine entscheidende Maßnahme für die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft und als solche ein unverzichtbares Instrument, um unseren Rohstoffverbrauch zu senken. Auch soziale und wirtschaftliche Gründe sprechen für eine Stärkung der Reparatur. Verbessern sich die Rahmenbedingungen für die Reparatur, werden in vielen Wirtschaftsbereichen neue qualifizierte Arbeitsplätze entstehen.

Im weiteren Verlauf werden wir zuerst den französischen Fahrplan für Kreislaufwirtschaft vorstellen, eine Analyse des politischen und technischen Rahmens des Reparatur-Index vornehmen sowie Empfehlungen für die europäische und deutsche Politikebene ableiten.

Weiterlesen: RTR-Factsheet zum französischen Reparatur-Index

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