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Aktuelle Blogeinträge in der Kategorie Selbermachen

Die Materialisierung einer Vision

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65.000 qm Leerstand im Zentrum der Hauptstadt? Mit der künstlerischen Aneignung des leerstehenden „Haus der Statistik“ vor fünf Jahren stieß eine Gruppe von Kulturaktivist*innen die Diskussion um den Umgang mit der Liegenschaft an und forderte eine gemeinwohlorientierte Entwicklung des Geländes, statt die Gebäude an Investoren zu verkaufen. Nach Jahren zähen Ringens arbeiten die daraus hervorgegangene Genossenschaft Zusammenkunft Berlin e.G. in Kooperation mit vier weiteren Akteuren (genannt Koop 5
), in der auch der Berliner Senat vertreten ist, an der Verwirklichung dieser Vision. Entstehen sollen Raum für Kunst, Kultur, Soziales und Bildung, bezahlbarer Wohnraum und ein neues Rathaus für den Bezirk Mitte, sowie weitere Nutzungen für Verwaltung vorgesehen sind. Während der Planungs- und Bauphase sollen mit der Unterstützung von Pioniernutzungen gemeinwohlorientierte Konzepte erarbeitet werden.

Im September öffnete nun das von 18 verschiedenen Initiativen getragene „Haus der Materialisierung“ seine Pforten für die Öffentlichkeit. Eine Mischung aus Zero-Waste-Markt für Gebrauchtwaren- und Materialien, Offenen Werkstätten und Bildungsort für nachhaltige Entwicklung mit Kursen, Workshops und Vorträgen. Das Konzept des Hauses ist mobil, d.h. die Pioniernutzung soll nach dem für 2022 geplanten Abriss in auf dem Areal umziehen. Anderer Umgang mit Ressourcen und Infrastrukturen für Eigenproduktion ist als dauerhafte Komponente des neuen Quartiers konzipiert und nicht als Zwischennutzung, denn es sei Zeit für die Umsetzung positiver Visionen, so die Initiator*innen.

Mehr Information: www.hausdermaterialisierung.org

RBB-Beitrag hier

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Zukunft für alle

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Wie wollen wir 2048 leben? Wie werden wir wohnen, arbeiten, essen, uns fortbewegen? Wer sorgt für uns und wie stehen wir in Beziehung zueinander? Wie können wir eine Zukunft gestalten, die gerecht und ökologisch ist?

Der Kongress „Zukunft für alle – gerecht, ökologisch, machbar“ lädt vom 25.-30.08.2020 zur Diskussion der großen Fragestellungen ein und organisiert dafür einen vielfältigen niedrigschwelligen Austausch mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungsformaten. Bereits im Vorfeld wurde eine Organisationsstruktur geschaffen, die basisdemokratisch die Inhalte vorbereitet. Und pandemiebedingt findet die Veranstaltung nun nicht wie geplant in der Universität Leipzig statt, sondern es wurde eigens ein digitales Konferenzgelände erschaffen.

Spannend zu sehen, wie Form und Inhalt des Kongresses miteinander in Verbindung treten werden.

Insgesamt werden über 250 Sprecher*innen und Referent*innen das sechstägige Programm mitgestalten, das nun online gegangen ist.

Ab sofort ist es möglich, sich für den Kongress anzumelden. Alle Informationen rund um die Anmeldung sind hier zu finden.

Im Vorfeld zum Kongress gibt es mehrere Termine, um sich mit der digitalen Veranstaltungsplattform vertraut zu machen – ein Angebot sowohl für die WorkshopleiterInnen wie auch die TeilnehmerInnen. Alle weiteren Informationen dazu hier.

Die anstiftung fördert den Zukunftskongress.

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Online-Ausstellung: zusammen schrauben

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Reparieren im Alltag, Gemeinsam Schrauben, Repair is care, Lieblingsgegenstände und das richtige Werkzeug: In diese fünf Themenbereiche gliedert sich die Online-Ausstellung "zusammen schrauben - a culture of repair and making".

Was bewegt Menschen zum Reparieren und Selbermachen und was erleben sie dabei? In persönlichen Geschichten, mit Bildern und Zeichnungen und anhand von Erfahrungsberichten werden in jedem Themenbereich der Ausstellung die vielfältigen Motivationen und Praxen aufgezeigt.

>> Hier geht’s zur Ausstellung <<

Die Ausstellung ist eines der Ergebnisse des transdisziplinären Projekts Repara/kul/tur. Bei diesem arbeitet die Technische Universität Berlin (Zentrum Technik und Gesellschaft sowie Fachgebiet Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung) mit dem Verbund Offener Werkstätten e.V. (VOW), dem BUND Berlin und dem Institut für Sozialinnovation e.V. (ISInova) zusammen. Die anstiftung berät und begleitet das Projekt und die Ausstellung.

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Die DIY-Community in Zeiten von Corona

corona-gesellschaft
Auch die Post-Corona-Gesellschaft wird eine Krisengesellschaft sein. Es ist von daher sinnvoll, auch „danach“ auf die subsistenzorientierte DIY-Community zu setzen und mit ihr, speziell was die kommunale Ausstattung mit Flächen und offenen Werkstätten betrifft, sehr viel stärker zu kooperieren. Diese gekürzte Vorabveröffentlichung (das Buch erscheint im Sommer) diskutiert die umsichtige Care-Haltung als eine Antwort auf die komplexen Fragen der Zeit. https://blog.transcript-verlag.de/die-diy-community-in-zeiten-von-corona/
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Die Kunst der Reparatur

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Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer stellte bereits in den 1970er Jahren die Konsumgesellschaft aus ökologisch-psychologischer Sicht infrage. Mit seinem 2020 erschienenen Buch „Die Kunst der Reparatur“ knüpft er an diese frühe Sichtweise an – und schreibt ein Plädoyer für das Reparieren. Dabei konstatiert er, dass das gängige Modell von Ex-und-hopp nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Innenwelt lädiere.

Schmidbauers Essay umfasst 16 Kapitel, in denen er die vielfältigen Anregungen zur Entwicklung einer Reparaturgesellschaft um psychologische Aspekte ergänzt. Insbesondere die fast meditativen Detailbeschreibungen der jahrzehntelang andauernden und nie endenden Reparaturarbeiten in seinem norditalienischen Ferienhaus verweisen auf die Analogie von der Reparatur von Dingen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Sein Schreibstil wechselt zwischen persönlichen Erzählungen und gesellschaftlichen Beobachtungen. Hier einzutauchen macht Freude.

Anhand von vielen Beispielen gelingt es dem Bestsellerautor seine LeserInnen direkt anzusprechen. Jede/r kann sich in seinen Geschichten wiederfinden. Diese bieten Identifikation und reflektieren unser Handeln, bringen es mit unseren emotionalen Beziehungen in Verbindung. So schreibt er in der Einleitung: „Der geistige Nutzen der Reparatur liegt darin, dass sie es uns ermöglicht, die Geschichte einer Störung zu lesen und daraus Schlüsse zu ziehen, wie wir sie beheben oder ihr vorbeugen können.“ (S. 11)

Und dies bezieht sich ganz sicher nicht nur auf die Reparatur von Gegenständen, sondern auch und vor allem auf das reparaturbedürftige Verhältnis von uns Menschen zur Natur.

Wolfgang Schmidbauer (2020): Die Kunst der Reparatur. Ein Essay, München: oekom Verlag

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Open-Source-Hardware und Corona

fablab Dingfabrik Köln

Das Coronavirus Sars Cov-2 breitet sich schnell aus. Bestimmte medizinische Geräte und Hilfsmittel drohen knapp zu werden. Offene Werkstätten, die mit digitalen Fertigungsmaschinen arbeiten, können dabei helfen, dezentral und vor Ort Nachschub zu produzieren. Sogar die Europäische Kommission wandte sich mit einem Hilfegesuch gezielt an Fab Labs und Makerspaces. Was sich im Verbund Offener Werkstätten in der Corona-Krise tut, ist hier auf seiner Plattform zu lesen.

Auch an anderen Stellen entstehen neue Ideen, Strukturen und Anleitungen, um gemeinsam auf die Herausforderungen, die die momentane Pandemie mit sich bringt, zu reagieren:  

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DIY: Urheberrechte in Krisenzeiten

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Ein Maschinenbauingenieur baut Teile lebensrettender Technik für ein Krankenhaus in Brescia/Italien nach und fertigt diese dann lokal, weil die Herstellerfirma die dringend erforderlichen Ventile nicht liefern kann und die Konstruktionsdaten des Bauteils nicht freigibt. Ein Ereignis, das im Zuge der Corona-Krise Wellen schlug. Gibt es Ausnahmeregelungen für Rechte des geistigen Eigentums, wenn es um die Rettung von Menschenleben geht, d.h. dürfen in einem solchen Fall proprietäre Designs kopiert und hergestellt werden? Wie kann Kollaboration konkret aussehen, wenn Unternehmen oder gemeinnützige Akteure Technik gemeinsam entwickeln, die dem Gemeinwohl dient, aber auch kommerzielle Verwertung nicht ausschließt? Fragen zu patentrechtlichen und urheberrechtlichen Aspekten der Erstellung von Open Hardware für Mangelprodukte in der Corona-Krise aus Open-Source-Hardware-Communities (z.B. Projekt Carola) haben wir dem Fachanwalt Dr. Till Jäger vorgelegt.

Hier seine Antworten.

Bild von Génesis Gabriella auf Pixabay
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Verkehrswende selbermachen

FFL2020 cropped

Zum Form Freie Lastenräder kamen auch 2020 wieder AktivistInnen aus 35 von derzeit über 90 Freien Lastenrad-Initiativen zum mittlerweile sechsten Mal zusammen. Das Vernetzungstreffen dient dem Austausch zu praxisrelevanten Themen. Gastgeberin Hilde-Lastenradverleih in Hildesheim bot Raum für eine breite Vielfalt von Themen: von Freien Lastenrädern in Kindertagesstätten, zu Open-Source-Buchungssoftware Commons-Booking, Schwarmlogistik à la Schokofahrt , bis zur Welturaufführung der ersten Creative-Commons-lizensierten Musik speziell für Freie Lastenräder. Die Dokumentation der Veranstaltung ist hier zu finden. Über 500 Lastenräder stellen die Initiativen kostenfrei zur Verfügung. Die Veranstaltung machte erneut deutlich, dass nicht-kommerzielles, commonsbasiertes Lastenrad-Sharing längst „erwachsen“ geworden und für Stadt und Land als Baustein zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte tragfähig ist. Künftig will das Forum die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit verstärken, insbesondre für die zentrale politische Forderung, dass Freie Lastenräder als Teil kommunaler Daseinsvorsoge für alle ermöglicht werden soll.

Beitrag Radio Tonkuhle zum FFL2020

Podcast "Von Rädern" - NRWISION

Youtube

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Digitalisierung für alle, keine Zeit für niemand?

marvin-meyer-SYTO3xs06fU-unsplash

Wie verändert sich Subsistenz- und Sorgearbeit im Prozess der Digitalisierung von Gesellschaft? Was bedeutet die Umwandlung unbezahlter Care-Arbeit in bezahlte, aber prekäre Arbeitsverhältnisse? Wer "befreit" sich, wer bezahlt? Radio Corax sprach anlässlich einer Podiumsdiskussion in Leipzig mit der Soziologin Andrea Baier von der anstiftung über Wechselwirkungen und Widersprüche. Hier das zwölfminütige Interview online hören.

Foto: Marvin Meyer, unsplash.com

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Dinge, Materialien, Bildung

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Zum Vernetzungstreffen Offener Werkstätten 2019 im Sandershaus in Kassel kamen im November rund 100 Macher*innen. Ein Wochenende lang Vorträge und Präsentationen, Workshops und Diskussionsrunden, in denen unterschiedlichste Themen theoretisch und praktisch behandelt wurden: Soft- und Hardware-Entwicklungen von High- bis Low-Tech, Weiterbildung, Kooperationsideen und konkrete Projekte verschiedener Organisationen. Ein Höhepunkt war – neben der Auftaktveranstaltung mit Filmscreening und öffentlicher Podiumsdiskussion – die Abschlussveranstaltung  des experimentellen Förderprogramms „explore-Offene Werkstatt für ALLE!“, das der Verbund Offener Werkstätten e.V. in Kooperation mit der Drosos-Stiftung und der anstiftung verwirklichte. In kompakten, kurzweiligen Präsentationen schilderten die Projektemacher*innen ihre „lessons learned“. Anschließend wurden je ein Jury- und ein Publikumspreis für die überzeugendsten Präsentationen vergeben.

Erstmalig kamen während des Vernetzungstreffens auf Initiative von Bettina Weber, Vorständin im VOW e.V. wie auch im Dresdner Konglomerat e.V., verschiedene Materialvermittler-Organisationen aus Deutschland und der Schweiz zusammen, die sich mit der Nachnutzung von Restmaterialien befassen. In einem Visioning-Prozess versuchten sie Hintergrund, Motivationen und Ziele ihres jeweiligen Nachhaltigkeitsengagements in eine kommunizierbare Form zu bringen. Das Vernetzungstreffen 2020 wird im Eigenbaukombinat in Halle stattfinden.

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She*Fix: Reparieren in Bewegung

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Die Suche nach Reparatur- und Technikanleitungen im Internet liefert zumeist solche Ergebnisse, in denen männliche Personen erklären, wie’s geht. Aber – stimmt dieses Bild eigentlich? Und wenn ja, soll das immer so bleiben?

Mit dem Ziel, dem entschieden etwas entgegenzusetzen, haben sich 2018 Mitwirkende von KanTe, dem Kollektiv für angepasste Technik, und TINT, einem feministischen Filmkollektiv, zusammengetan und das Projekt „She*Fix“ gestartet. Vor allem geht es darum, Videos  von F*L*I*N*T*-Personen beizusteuern, die auf dem She*Fix-YouTube-Kanal veröffentlicht werden. *F*L*I*N*T* steht für Frauen*Lesben*Intersexuelle*Nicht-Binäre Geschlechtsidentitäten*Trans-Personen.

Erster She*Fix-Techaton

Im August 2019 kamen 30-40 Teilnehmerinnen* zum ersten She*Fix-Techaton auf einer ehemaligen Mühle in Brandenburg zusammen, um an vier Tagen gemeinsam an neuen Anleitungen zu arbeiten und Wissen zu teilen. Die Metall- und Holzwerkstatt und ein Elektrobastelraum der Mühle boten eine perfekte Kulisse für die Videodrehs, aber auch der Gemüsegarten wurde für Aufnahmen genutzt. Die Themen für die Anleitungen ergaben sich schnell, so dass schon am ersten Abend in kleinen Gruppen Drehpläne geschrieben wurden.

Die Tage vergingen wie im Fluge und waren geprägt von konzentriertem Arbeiten und offenem Austausch. Hier wurde ein Video über die Grundfunktionalitäten einer Bohrmaschine gedreht, dort gemeinsam Mittagessen gekocht. Hier eine Anleitung erstellt über das Abdichten eines Wasserhahns, dort ein Bad in der „Plane“ genommen. Hier schon im Zelt auf der Wiese geschlafen, dort noch bis spät in die Nacht das gedrehte Material geschnitten.

Zum Abschluss des Techaton gab es eine kleine Werkschau. Die Videos werden in den nächsten Wochen auf dem She*Fix-YouTube-Kanal hochgeladen. Am 29. November 2019 fand in Berlin eine Release-Screening-Party statt.

Wie geht’s weiter?

Wer also was technisch Hilfreiches kann und sich als Frau*Lesbe*Intersexuell*Nicht-Binär*Trans-Person definiert, ist aufgerufen, vorhandenes Know-how zu teilen. Auf dem feministischen Channel gibt’s auch eine Anleitung, wie man ein brauchbares Tutorial erstellt.

Im nächsten Jahr soll wieder ein Techaton stattfinden – alle F*L*I*N*T*s werden willkommen sein.

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Fotos: Linn Quante

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Technik, Textilien, Treibhausgase - Fixfest 2019

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#repairforfuture - unter diesem Motto startete das Fixfest 2019 bereits am Freitagmittag, als sich eine Gruppe TeilnehmerInnen dem weltweiten Klimastreik anschloss und mit tausenden Streikenden auf den Straßen von Berlin für Klimaschutz demonstrierte. Dass das Reparieren einen wichtigen Beitrag zu länger lebenden Produkten, aber auch zur Wiederaneignung von Konsumgütern sowie zu sozialem wie emotionalem "Heilemachen" leistet, zog sich durch das gesamte Programm des Wochenendes.

Vielfältige Perspektiven und produktive Kontraste prägten das Reparaturfestival: 250 Teilnehmende von allen fünf Kontinenten tauschten sich aus zur Zukunft der Reparatur, planten die Fortführung der right-to-repair-Kampagne, philosophierten über die geistesgeschichtlichen Entwicklungen des Reparierens und diskutierten möglichen Synerigen und Kooperationen (Reparaturbewegung + Hackerszene/Re-Use/Wertstoffhöfe). Workshops behandelten u.a. Reparaturen mit dem 3D-Drucker, von Sneakers und Turnschuhen, thematisierten kritische Rohstoffe in Smartphones. Stricktextilien konnten vor Ort repariert und Nähmaschinen in Stand gesetzt werden.
Hier trafen lokal agierende OrganisatorInnen und ReparaturhelferInnen aus Reparatur-Initiativen auf KampagnenmacherInnen und LobbyistInnen, die sich in Brüssel für das Recht auf Reparatur stark machen.

Videoaufzeichnungen der Beiträge, Präsentationen aus den Workshops etc. stehen in den nächsten Tagen auf der Seite vom Netzwerk Reparatur-Initiativen zur Verfügung Weitere Bilder sind hier zu finden.

Foto: Mark Phillips CC BY-NC-SA
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Von Dingbibliotheken und Leihläden

Zu Urbanen Gärten, Offenen Werkstätten und Reparatur-Initiativen gesellen sich in den letzten Jahren weitere Orte alternativer, nicht-kommerzieller Kultur des Teilens: die Leihläden. Anlässlich der Global Sharing Week werden diese von der Verfasserin näher vorgestellt.

Knjiznica Reci Ljubljana leihladen bochum

Foto: Autorin (links:KnjiznicaReci,Ljubljana rechts:Leihladen,Bochum)

Auf die beiden Pioniere Leila Berlin und The Sharing Depot in Toronto (beide *2012) gehen zahlreiche Ableger in inzwischen mindestens 14 europäischen Ländern und Israel zurück. Während der Berliner Laden aus einem Umsonstladen hervorging, orientiert sich das kanadische Modell an den bis dahin im US-amerikanischen Raum vereinzelt verbreiteten Tool Libraries. In ca. 170 Städten, davon ein Dutzend in Deutschland, können Menschen wie bislang in Bibliotheken oder beim Carsharing kollaborativ nutzen. Bereitgestellt wird dieses Angebot dabei meist unkommerziell von ehrenamtlich Tätigen, die überwiegend den Verein als Rechtsform für sich gewählt haben; genutzt von je bis zu 700 Mitgliedern. Wer nicht ständig eine Bohrmaschine braucht, kann diese so - außer im Bekanntenkreis - kostengünstig ausleihen, da das Sortiment der Dingbibliotheken, wie Leihläden (auf der Karte blau gekennzeichnet) auch genannt werden, einen umfangreichen Fundus vergleichsweise selten benutzter Alltagsgegenstände umfasst: Von Küchengeräten wie dem Waffeleisen über Zelt und Isomatte bis hin zum Werkzeug stellen sie oft mehrere hundert Dinge häufig aus zweiter Hand ihren NutzerInnen zum Verleih zur Verfügung. Weit verbreitet ist auch die Spezialisierung auf Werkzeug (gelb) oder Sportartikel in Form der schwedischen „Fritidsbanken“ (grün).

2019 05 Leihläden und Co ohne Stadtbibliotheken in Europa Jaik klein

Karte mit freundlicher Unterstützung von stepmap

Neben skandinavischen öffentlichen Bibliotheken, in denen der Werkzeugverleih nichts Ungewöhnliches mehr ist, öffnen sich auch immer mehr deutsche Stadtbüchereien für das Angebot solcher „Güter“.[1] Außer Berlin und Hamburg warten v.a. kleinere Städte damit auf. Wie in herkömmlichen Bibliotheken wird durch die Anerkennung der Nutzungsbedingungen und gegen Spende in selbstgewählter oder vorgegebener Höhe von ca. 1-5 Euro/Pfund pro Ding oder eine gestaffelte Jahresmitgliedschaft zwischen durchschnittlich 20 und 40 Euro die Ausleihe möglich.

Sie bringt für die Nutzenden, die sich den Kauf oder eine Anmietung im Baumarkt evtl. nicht leisten können, mehr als nur finanzielle Vorteile. Weiterhin werden durch die Nutzungsdauerverlängerung der Gegenstände Umwelt, Ressourcen und damit letztlich das Klima geschont, weil Neuproduktionen und damit Abfallberge reduziert werden können, wenngleich ein Restrisiko für Reboundeffekte bestehen bleibt. Zu Hause wird weniger Stauraum benötigt und die Wartungsverantwortung für solche Staubfänger entfällt. Einige Leihläden entwickelten sich zudem auch zu sozialen Treffpunkten ohne Konsumzwang und fördern so nachbarschaftliche Begegnungen, wenn nicht, wie im Falle Bolognas, zwei Leila-„Filialen“ bereits in Bars integriert sind. Außer dieser gastronomischen Anbindung finden sich zahlreiche weitere räumliche Kooperationen mit Nachbarschafts- und Mehrgenerationenhäusern, Co-Working-Spaces und Stadtteilzentren, Werkstätten, Radverleihstationen, herkömmlichen Bibliotheken usw. Das Leihladenangebot reicht mit Umsonstbereichen, Ausstellungen, Vorträgen, Filmvorführungen, Upcyclingworkshops, Lebensmittelfairteilern und Tauschbörsen über den reinen Leihvorgang hinaus. Letztendlich fallen ihre Ausgestaltungen so vielfältig aus, wie es die Vorstellungen der Betreibenden und die jeweiligen Bedingungen vor Ort ermöglichen; dabei sind noch nicht alle Möglichkeiten erschöpft.

Spullenier Utrecht leila leipzig

Foto: Autorin (links:Spullenier,Utrechtrechts:Leila,Leipzig)

Leihläden stiften auch zum Selbermachen an - nicht nur materiell, sondern auch auf der sozialen Ebene. Redistribuieren, Reparieren und Konstruieren statt Konsumieren lauten die Losungen. Ein Gemeinschaftsgarten, der bereits in Ansätzen als Leihladen fungiert, ist die Gartenwerkstadt Ehrenfeld in Köln. Wenige der Dingbibliotheken haben wiederum angrenzende Werkstätten, in denen die Maschinen benutzt werden können und Wissen geteilt wird: Zukunftsweisende Zusammenschlüsse, von denen es ruhig mehr geben dürfte. Warum nicht auch in deinem Viertel?

Weiterführende Links


Selbermachen?!


Links zu englischsprachigen Leitfäden

https://www.leila.wien/wp-content/uploads/2019/02/LoT-Starter-Kit.pdf

https://sharestarter.org/tools/

Link zu Open-Source-Software:

https://github.com/achimbo/leila

https://cosum.de/ (in Erprobung)

Weiterlesen:

· Jaik, A. (2018): Nutzen statt Besitzen lokal gestalten, in: Franz, H.-W./Kaletka, C. (Hg). Soziale Innovationen lokal gestalten. Band 1 der Reihe Sozialwissenschaften und Berufspraxis, hrsg. vom BDS; Wiesbaden: Springer VS, S. 119-134.

· Jaik, A. (2018): Teile(n) in Leihläden. Eine kleine Genealogie der Bibliothek der Dinge, in: soziologie heute (58), S. 31-34.


Über die Autorin:

Foto Jaik klein
Studium der Europa-, Migrations- und Soziokulturellen Studien in Eichstätt, Malmö und Frankfurt (Oder). Erforscht seit 2013 Leihläden in Europa im Kontext von Nachhaltigkeit und sozialen Innovationen, schrieb ihre Ergebnisse in zwei Abschlussarbeiten (Masterarbeit und Dissertation) sowie Artikeln nieder. Ein deutschsprachiger Leitfaden ist geplant.


2018 hat Alexandra Jaik einen Leihladen in Bochum eröffnet und dazu den Botopia e.V. als Vorstand gegründet (www.leihladen-bochum.de und www.botopia.org), aus dem u.a. ein Nähcafé, die Radwerkstatt velotopia hervorgegangen sind und wo inzwischen auch 3D gedruckt werden kann. Ihr Wissen teilt sie in Vorträgen, Workshops und Beratungen.

Kontakt: alexandra.jaik@tu-dortmund.de

[1] Für weitere Länder wurde dies nicht betrachtet.

 

 

 

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Zukunftsschutzgebiet Stadtraum

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Dresden war vom 17.-23.6.2019 Aktionsraum für die Stadt von morgen. Die Vision: die koproduzierte Stadt. Was das ist und wie das gehen kann, wird gemeinsam vor Ort, im öffentlichen Raum, in der Dresdner Innenstadt eine Woche lang diskutiert und erarbeitet.

Die Themenschwerpunkte der Raumkonferenz sind:

-          Lebensqualität & Gemeinwohl

-          Engagement & Mitgestaltung

-          Boden & Eigentum

-          Planen & Bauen

TeilnehmerInnen können sich ihr Konferenzprogramm selber zusammenstellen und in verschiedenen Veranstaltungsformaten wie Vorträgen, Seminaren, Ausstellungen, Workshops und Spaziergängen entsteht im Laufe der Woche ein Bild für die Zukunft unserer Städte.

Auf in die Stadt von morgen!

Zur Raumkonferenz-Website

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Fixfest_Reparatur-Festival 2019

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Vom 20.-22. September 2019 findet in Berlin das internationale Fixfest statt, veranstaltet vom Runden Tisch Reparatur, in dem sich auch das Netzwerk Reparatur-Initiativen engagiert.

Das Fixfest ist eine Veranstaltung, wo Reparierende auf Produktdesigner und Hersteller treffen, wo ForscherInnen, Maker und PraktikerInnen ihr Wissen und ihre Ideen mit Politik und EntscheiderInnen teilen, wo Unternehmen neue Technologien präsentieren – und wo man kaputte Sachen gemeinschaftlich reparieren kann.

Was es dabei zu erleben, zu hören und zu sehen geben wird, hängt auch von Euch ab: Macht mit und gestaltet dieses Event rund ums Reparieren!

Weitere Infos rund um die Veranstaltung sowie den aktuellen Call for Participation findet ihr unter diesem Link.
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