Ausstattung Offener Werkstätten (allgemein)

Offene Werkstätten für Handwerk, Kunst und Recycling sind Freiräume für die kreativ-praktische Entfaltung eigener Ideen; sie sind Orte das Austauschs, der Inspiration und verstehen sich als „Ermöglicher“ für Jung und Alt, für Laien und Profis, Frauen und Männer, Berufstätige und Erwerbslose, Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft und in der Region, Einzelne und Gruppen, für Ideen und Produkte. Offene Werkstätten sind also für alle da, die Spaß am Selbermachen haben. Unter den nachfolgend genannten Voraussetzungen haben sie gute Chancen, attraktive Orte für handwerkliche, soziale und kulturelle Eigenarbeit zu werden:

  • geeignete Räume mit entsprechenden Werkzeugen, Geräten, Maschinen und Materialien
  • kompetente MitarbeiterInnen (FachberaterInnen, KursleiterInnen, Organisation, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit), die auch Ungeübten den Zugang zu den Werkstätten und Räumen erleichtern und für einen sicheren und reibungsarmen Betrieb sorgen
  • freundliche Atmosphäre, einige wenige klare und einsichtige Regeln, Unterstützung statt Bevormundung, Aufgeschlossenheit auch für ausgefallene Ideen, Förderung von Selbstständigkeit
  • schlüssiges Finanzierungskonzept, Mut zum Risiko, Bereitschaft zum Engagement und einen langen Atem

Basierend auf einer über 20-jährigen Erfahrungen im Münchner Haus der Eigenarbeit (HEi), dem Kempodium in Kempten sowie mit vielen anderen Werkstattprojekten (siehe http://anstiftung.de/selbermachen/offene-werkstaetten) sind nachfolgend (und auf weiteren Praxisseiten) Rahmenbedingungen, Anforderungen und Vorschläge für zweckmäßige Ausstattungen von Werkstätten genannt.

Zur Lage

Ein Wohngebiet ist besser geeignet als ein entlegenes Gewerbegebiet. Die leichte Erreichbarkeit auch zu Fuß, mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln kann wichtiger sein als die Anzahl der Parkplätze. Ein problemloses Be- und Entladen sollte aber auf alle Fälle möglich sein. Um die Beeinträchtigung der Anwohner durch Lärm, Kommen und Gehen auch in den Abendstunden etc. in Grenzen zu halten, sind Rücksichtnahme und die Pflege guter nachbarschaftlicher Beziehungen wichtig. Anwohner sind potenzielle Eigenarbeiter! Auch abends, samstags und eingeschränkt sonntags ist es vorteilhaft, wenn Werkstatt- und Kursbetrieb möglich sind. Die Festlegung im Mietvertrag und/oder die Art der amtlichen Nutzungsmöglichkeiten (Allgemeines Wohngebiet, Gewerbegebiet, etc.) setzen hier die Grenzen.

Die Räume

Anzahl und Größe der Räume sind von Projektkonzept und Finanzrahmen abhängig. Neben Werkstatträumen sollte Berücksichtigung finden:

  • Eingangsbereich, Pausenraum oder Café, etwas abgeschirmt vom Werkstattlärm, zum Beraten, Plaudern, Planen, Lesen und Entspannen
  • Wasch- und Umkleidemöglichkeiten
  • Lagermöglichkeiten für Arbeitsmaterialien, Betriebsmittel (Öle, Fette, Farben bis hin zu Toilettenpapier, Getränke, Papier, Glühbirnen) und angefangene Werkstücke. Großeinkauf spart Geld und Zeit, kostet aber Lagerplatz und bindet, in größerem Umfang getätigt, Kapital. Ein Zuviel an Platz ist kaum denkbar: Warum soll nicht eine Sammelstelle für gebrauchte Möbel zum Wiederaufarbeiten, ähnlich dem Kaufhaus Allerhand im Kempodium in Kempten (www.kempodium-kaufhaus.de) oder dem Unternehmen Chance (www.unternehmen-chance.de) in Lindau, ein Schrottplatz auf dem Hof oder ein Fahrradfriedhof zum Ausschlachten entstehen.

Die Werkstätten

Werkstätten können neu eingerichtet, ganz oder teilweise von einem Vorbesitzer übernommen oder in Kooperation mit einem anderen Träger genutzt werden. Art und Umfang können sehr verschieden sein. Dies ist vor allem von den Finanzmitteln abhängig, die für die Ausstattung zur Verfügung stehen. Maschinen und Werkzeuge können neu angeschafft, aber auch gebraucht erworben werden.

Kosten

Schon beim Einrichten einer Offenen Werkstatt sind Werkzeuge und Handmaschinen im Umfang einer Hausmeisterausstattung sehr hilfreich: Elektrowerkzeug, Messgerät, Bohrhammer, Leiter, Kabeltrommel etc., Kosten ca. 600 €.

Andererseits ermöglichen bereits eingerichtete Werkstätten, wie Holz- und Metallwerkstatt, den Eigenbau von Werkbänken, Arbeitsplätzen, Regalen und anderen Teilen der Einrichtung. Dies bedeutet Kostenersparnis durch eigenes Tun. Und nicht nur das: Die Werkstatt kann so erprobt und optimiert werden. Und gute Ideen oder originelle Gestaltung wirken anregend auf die Werkstattbenutzer und eignen sich als Demonstrationsobjekte.

Jede Werkstatt benötigt Verbrauchsmaterialien, die verkauft werden können, zunächst aber angeschafft werden müssen (Leim, Dübel, Schrauben, Schleifbänder und -scheiben, Schweißgas und -draht, Glasuren etc.). Arbeitsmaterialien wie Massivholz, diverse Verbundplatten, Profileisen, Bleche oder verschiedene Tonsorten, sollten in gewissem Umfang vorhanden sein und ebenfalls zum Verkauf angeboten werden. Aber: Lagerhaltung bindet Kapital! Neben den Betriebskosten (Energieverbrauch) fallen in jeder Werkstatt unterschiedlich hohe Instandhaltungskosten an, z.B. für das Schärfen von Kreissägeblättern, Verschleiß- und Ersatzteile sowie Reparaturen.

Zur Ausstattung

Bandsäge, seit über 20 Jahren im HEi genutzt, gebraucht gekauft für 450 €Bandsäge, seit über 20 Jahren im HEi genutzt, gebraucht gekauft für 450 €Billigangebote von Werkzeugen und Maschinen in Baumärkten sind für den Einsatz in Offenen und Kurswerkstätten nicht geeignet, weil sie von einer großen Zahl wechselder NutzerInnen, mehrheitlich Laien, intensiv beansprucht werden. Mit einer Ausnahme: Tischbohrmaschinen sind qualitativ ausreichend, wenn für schwere Bohrarbeiten eine große Säulen-Bohrmaschine vorhanden ist. Gepflegtes professionelles Werkzeug macht Werkstätten attraktiv, und gerade für Laien ist schlechtes Werkzeug (Schraubzwingen, die sich lösen, Bohrer, die nicht schneiden) sehr frustrierend. Dauerbetrieb und Tempo sind zwar keine vorherrschenden Belastungen, doch die Ausrüstung muss robust genug auch für nicht ganz fachgerechte Behandlung sein,. Qualität „zahlt“ sich - über einen längeren Zeitraum gesehen –aus; sie erspart Ärger, Reparaturen und Ersatzbeschaffungen. Beim Kauf stationärer Maschinen können auch gebrauchte Geräte berücksichtigt werden. Sie sind bis zu 50% günstiger und bedeuten nicht automatisch eine Einbuße an Qualität. Im Gegenteil: Viele sind äußerst robust gebaut und nahezu unverwüstlich.
Jede Werkstatt wird geprägt durch die Fachleute, die darin arbeiten. Wenn irgend möglich, sollten die späteren FachberaterInnen an der Grundausstattung, d.h. an der Gestaltung ihres Arbeitsplatzes mitwirken.

Lagerbedarf


Die nachfolgende (unvollständige) Aufzählung von benötigten Betriebsmitteln am Beispiel einer Holzwerkstatt soll eine Orientierung für notwendigen Lagerbedarf geben: 2-3 Leimsorten, Dübel, Dübelstangen, Lamellos, Nägel, Schrauben, Scheiben, Muttern (jeweils in verschiedenen Größen), Schleifpapier und Schleifbänder in verschiedenen Körnungen, Lumpen, Öl, Fett, Petroleum, Gleitmittel (alles zur Maschinenpflege), Öl und Wachs (zur Oberflächenbehandlung), Farben, Pinsel, Reiniger, Bleistifte, Meterstäbe, Ersatzsägeblätter (für Kreis-, Band-, Stich- und Handsägen), Ersatz-Hobelmesser und -Bohrer, Feuchtigkeitsmesser, Lagerbedarf für diverse Handmaschinen, Ersatzteile, Fräser, Reserve- und Spezialwerkzeug (z.B. Schnitzeisen), Abziehsteine, Einstelllehren, Verlängerungskabel, Bügeleisen, Spänesäcke für die Absauge, Klebebänder, Demonstrationsstücke, Muster u.a.m.