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Aktuelle Blogeinträge in der Kategorie Urbane Gärten

Urban Gardening Sommercamp 2018 in Köln

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Das 7. bundesweite Sommercamp fand am ersten Septemberwochenende 2018 im Gemeinschaftsgarten NeuLand in Köln statt. Die besprochenen Themen waren u.a.:

 
  • Erfahrungsaustausch zum Gemeinschaftsgärtnern mit Geflüchteten / UGAIN
  • Kollegiale Beratung: Strategien gegen Verdrängung
  • Austausch zu den stadtpolitischen Entwicklungen
  • Solarstrom im Gemeinschaftsgarten
  • Alles Große kommt vom Kleinen: Fermentieren
  • Gemeinsam gärtnern - zusammen wachsen
  • Gartengeräte-Workshop & Wenn Computerfreaks zum Hacken in den Garten gehen
  • Open Space zu Hierarchien im Garten mit Input
Der Bericht vom Kölner Neuland-Garten gibt Einblicke in Inhalte und Atmosphären des Camps. Ein paar Bilder und Skripte vom Wochenende finden sich hier.

Vielen Dank nochmal ans NeuLand-Team und alle weiteren HelferInnen!

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Gartenaktivismus und kollektives Kartieren

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Der Berliner Gartenforscher Severin Halder hat sich – gemeinsam mit anderen – über Jahre hinweg die Hände dreckig gemacht – und dabei stets einen klaren Kopf bewiesen. Da sein im Sommer 2018 im transcript Verlag erschienenes Buch zugleich seine Doktorarbeit an der FU Berlin ist, bewegte sich der Geograph während seiner „Aktionsforschungen zu urbanen Gärten und kritischen Karten zwischen Berlin und Medellín“ im unscharfen Schnittstellenbereich von politischer Arbeit und wissenschaftlicher Qualifikation. Dass ihm dieser Spagat mit Hilfe des methodischen Settings der Aktionsforschung gelungen ist, zeigt das lesenswerte Buch mit vielen Fotos, Grafiken und Zeichnungen in besonderer Weise. Verwiesen sei auch auf die Buchwebsite (mit freiem Download des Werks), die nicht zuletzt das Vorgehen bei Gründung und Betreiben seines „Headquarters“ reflektiert: dem Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld, dessen Aktivitäten seit 2011 eng mit Raumstrategien unterschiedlicher Akteure aus den umliegenden Kiezen verbunden ist – und damit nicht zuletzt auch Resonanz auf Seiten der Berliner Stadtentwicklungspolitik erzeugte.

Severin Halder: Gemeinsam die Hände dreckig machen. Aktionsforschungen im aktivistischen Kontext urbaner Gärten und kollektiver Kartierungen. Bielefeld 2018

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Community Gardens and Casitas in New York

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Die New Yorker Architektin Carolin Mees untersucht in ihrem jüngst erschienenen Buch Participatory Design and Self-building in Shared Urban Open Spaces: Community Gardens and Casitas in New York City  die Entwicklung von Community Gardens mit selbstgebauten Konstruktionen, die seit den 1970er Jahren als gemeinschaftliche Landnutzung im öffentlichen Raum von New Yorks einkommensschwachen Stadtgebieten wie der South Bronx existieren. Diskutiert wird das Auftauchen von Gemeinschaftsgärten und Selbstbauten in europäischen und nordamerikanischen Städten sowie das Einwirken verschiedener Interessensvertreter auf die spezifische Entwicklung von Community Gardens in New York. Zudem werden Aspekte wie die Selbst(organisation) untersucht sowie der spezifische kulturelle Ausdruck der wohnungsnahen Selbstbauten in der South Bronx analysiert. Schließlich diskutiert die Autorin ihre eigene Erfahrung mit partizipativem Design in New Yorker Community Gardens.

Das Buch hat zwar einen saftigen Preis, empfiehlt sich aber dennoch als Anschaffung für jede öffentliche und/oder akademische Bibliothek. Es kann von Gartengruppen, PlanerInnen sowie von der Stadtverwaltung zur Unterstützung partizipativer Planungs- und Designprozesse sinnvoll verwendet werden. Carolin Mees, die an der New School in NYC lehrt, versteht ihr Buch als einen Beitrag zur internationalen Diskussion um gemeinschaftliches Gärtnern und urbane Landwirtschaft als spezifische Formen der städtischen Landnutzung.

Kontakt zur Autorin:
Carolin Mees, PhD/ Dr.Ing Architect
Adjunct Professor, Parsons School of Design/The New School, New York City
E-Mail: info@mees-architecture.com
www.mees-architecture.com
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Wende in der Ernährungswirtschaft?

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Das neue Jahrtausend brachte auch frischen Wind in die ökologischen Bewegungen im Ernährungsbereich. Dabei entstanden neue, transformative Unternehmen und Initiativen. Verändern diese die Konturen der urbanen Versorgung? In welchen Rollen treiben die transformativen Initiativen ein zukunftsfähiges Ernährungssystem voran und welche Hindernisse stellen sich ihnen in den Weg? Inwiefern wirken die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unterstützend, inwiefern hinderlich? Das vom Bundesforschungsministerium von 2015 bis 2018 geförderte Forschungsprojekt "nascent" (Uni Oldenburg, Uni Stuttgart und anstiftung) stellte im Juli in Kassel seine Ergebnisse im Gespräch mit Praxisakteuren und ExpertInnen zur Diskussion.
>> hier geht’s zur Kurzfassung der Forschungsergebnisse
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Recht auf Stadt

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Nach Jahren des Aufblühens von hunderten urbanen Gärten sind viele nun bedroht. Christa Müller schreibt in ihrer Kolumne in der Frankfurter Rundschau: "Wem an einer demokratischen Stadtgesellschaft gelegen ist, der sollte bezahlbaren Wohnraum nicht gegen grüne Freiflächen ausspielen." Auch Marco Clausen vom Prinzessinnengarten fordert in seinem Redebeitrag auf der Kundgebung "Grüne Freiräume erhalten", der Privatisierung öffentlichen Eigentums entschieden entgegenzutreten.
>> zur Kolumne von Christa Müller
>> zum Redebeitrag von Marco Clausen
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Ein besserer Ort für alle

Aus der Stadt einen besseren Ort für alle machen. Das großartige Team des BR-Kulturmagazins Capriccio besuchte Münchner Gemeinschaftsgärten und die anstiftung. Ästhetische Bilder und ein soziologischer Blick auf eine neue Bewegung in kompakten sechs Minuten.
>> zum Filmbeitrag
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Urban-Gardening-Sommercamp 2017

stadtacker
Nach dem Sommercamp hat unsere Praktikantin Anna Pilgrim diesen kleinen Erfahrungsbericht verfasst:

"Ein großartiges Wochenende liegt hinter uns! Zweieinhalb Tage gefüllt mit spannenden Workshops, inspirierenden Begegnungen, solidarischem Gemüseschnippeln, anregenden Diskussionen und gemeinsamen Anpacken.

Vom 15.9. bis zum 17.9. fanden das Urban-Gardening-Sommercamp und die Netzwerktagung der Interkulturellen Gärten erstmals gemeinsam statt. Fast 70 TeilnehmerInnen aus über 25 Projekten waren dabei. Gastgeber war das Team vom Stadtacker Wagenhallen in Stuttgart. Die Veranstaltung bot auch dieses Mal wieder Raum für Urban-Gardening-Akteure, um sich zu vernetzen, auszutauschen und dabei eine ziemlich gute Zeit zu haben.

Realisiert wurde das in einem vielfältigen Programm. Nach dem ersten Kennenlernen zwischen Lagerfeuer, vegetarischen Würstchen und Banjo-Klängen am Freitagabend, begann am Samstag die erste Workshoprunde. Es wurde über Gemeinschaft in Gemeinschaftsgärten diskutiert, die Arbeitspraxis Interkultureller Gärten – mit dem Fokus auf Involvierung von Geflüchteten – reflektiert und vieles mehr. 

diskussionsrunde2Im Anschluss daran machten wir uns, Wind und Wetter trotzend, auf den Weg, um Gartenprojekte mit unterschiedlichen Konzepten in Stuttgart zu besichtigen. Regenschirm-Zweckgemeinschaften trugen dabei nochmal mehr zum gegenseitigen Austausch bei.  Zurück im Stadtacker – aufgewärmt und gestärkt von Spätzle und Kräutertee – war in einem „Workshop-Wrap-Up“ Raum für Präsentation der Ergebnisse, Feedback und weitere Ergänzungen.

Den Abend ließen wir in gemütlicher und warmer(!) Atmosphäre mit dem Film „Eine andere Welt ist pflanzbar“ von Ella von der Haide ausklingen.

Auch die Workshoprunde am Sonntag bot eine bunte Mischung aus Diskussionsrunden und praktischer Wissensvermittlung. Nach einer thematischen Einordnung der Interkulturellen und Gemeinschaftsgärten beschäftigte sich beispielsweise eine Gruppe mit dem Umgang von Gemeinschaftsgärten mit GärtnerInnen rechter Gesinnung, während nebenan auf dem Acker die Herstellung und das Ausbringen von Biokohle erprobt wurde.

menschenzwischenhochbeetenAbgebaut wurde nach dem Mittagessen gemeinsam. Belohnt mit einer ordentlichen Portion Spätsommersonne wurden die letzten Reste des Buffets vertilgt und zu guter Letzt Saatgut, Kontaktdaten und herzliche Umarmungen ausgetauscht. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an das engagierte Team des Stadtackers Wagenhallen, die WorkshopleiterInnen, die mit ihren Beiträgen das Programm bereichert haben und an alle TeilnehmerInnen, die aus allen Teilen Deutschlands nach Stuttgart gereist sind.

Wir freuen uns auf nächstes Jahr – vielleicht ja bei euch im Garten? Weitere Impressionen des Wochenendes gibt's auf unserer Facebook-Seite und hier haben wir ein paar Skripte online gestellt."

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Transformative Initiativen der Ernährungswirtschaft

nascent-logo


Das Forschungsprojekt nascent-transformativ, das die anstiftung  mit den Universitäten Oldenburg und Stuttgart seit 2015 durchführt, hat einen Film produziert, der Einblicke in die Forschungspraxis gibt. Auch drei Praxispartner (Kartoffelkombinat, BRUCKER LAND und Mundraub) werden mit ihren Projekten vorgestellt.

http://www.nascent-transformativ.de
http://www.kartoffelkombinat.de
http://www.unserland.info
http://www.mundraub.org
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International Urban Farming Conference

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Am 11.09. und 12.09.2017 treffen sich ForscherInnen und Praxisakteure urbaner Landwirtschaft aus dem Globalen Süden und Norden in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, um sich über die Themenfelder Ernährungssicherheit & Ernährungssouveränität, Klima & Umwelt, Recht auf Stadt & Zugang zu Ressourcen, Lokales Wirtschaften sowie Bildung und Empowerment auszutauschen.

Die anstiftung ist Mitveranstalterin der von der Grünen Liga Berlin organisierten Tagung mit Teilnehmenden aus vier Kontinenten.
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Offener Brief für die Zukunft der Landwirtschaft

landwirtschaft
An:
Frau Maybrit Illner, Frau Sandra Maischberger, Herrn Peter Kloeppel, Herrn Claus Strunz

29. August 2017

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
liebe Journalistinnen und Journalisten,

in wenigen Tagen werden Sie Angela Merkel und Martin Schulz in der Debatte der Spitzenkandidaten mit den drängendsten Fragen konfrontieren, die sich stellen, wenn man politische Verantwortung für eine der größten Volkswirtschaften der Welt übernimmt.

Die unterzeichnenden Personen und Organisationen fordern Sie mit diesem Brief dazu auf, dabei ein Thema aufzugreifen, das für die Zukunft unseres Landes und die aller Menschen weltweit zentrale Bedeutung besitzt: der Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen, insbesondere mit der Ressource Boden.

Weltweit gehen fruchtbare Böden im Umfang von ca. 10 Millionen Hektar jährlich durch eine falsche landwirtschaftliche Nutzung und durch die Folgen des Klimawandels verloren. Das entspricht fast der gesamten Fläche, die in Deutschland als Ackerland genutzt wird. Nicht nur für die unmittelbar betroffenen Menschen ist dies katastrophal. Zugleich ist dieser Verlust Ausgangspunkt für politische Spannungen und Migrationsbewegungen, die längst begonnen haben, auch uns einzuholen.

Auch hier in Deutschland wird die Fruchtbarkeit der Böden durch eine nach industriellen Prinzipien organisierte Landbewirtschaftung abgebaut. Dies geschieht durch einseitige Fruchtfolgen mit hohen Anteilen derselben Anbaukulturen, sowie durch die Anwendung chemisch-synthetischer Stoffe zur Düngung, durch Biozide, wie Insektizide und Herbizide, die die biologische Vielfalt, und damit die unersetzbaren Funktionen des Bodenlebens, beeinträchtigen. Auf diese Weise werden die natürliche ökologische Widerstandsfähigkeit unserer Agrarlandschaften und ihre Ertragsfähigkeit gravierend geschwächt. Zusammen mit der weiter fortschreitenden Flächenversiegelung durch Überbauung gefährden wir so langfristig unsere Fähigkeit, ausreichend Agrarprodukte und Nahrungsmittel zu erzeugen.

Dagegen könnte eine regenerative, Humus und biologische Vielfalt aufbauende Landwirtschaft enorme positive Wirkung entfalten. Sie erhöht nicht nur die Fruchtbarkeit und Produktivität der Böden, sowie ihre Widerstandskraft gegen extremer werdende Umweltereignisse. Mittels des Aufbaus biologischer Vielfalt und organischer Masse können Böden in erheblichem Maß Kohlenstoff binden und für die landwirtschaftliche Produktivität nutzbar machen. Eine zukunftsfähige Bodenbewirtschaftung kann der Atmosphäre große Mengen CO2 entziehen – was angesichts der bereits deutlich sichtbar werdenden Folgen des Klimawandels von zentraler Bedeutung ist.

Um die Bedingungen für eine zukunftsorientierte Wirtschaft zu schaffen, benötigt es politische Unterstützung und einen förderlichen wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmen. Die politischen und regulativen Rahmenbedingungen beeinflussen maßgeblich die unternehmerischen Erfolgsfaktoren und gestalten so Wirtschaftspraxis und die marktliche Entwicklung. Bislang befördert die Politik ein Wirtschaftshandeln, das unsere gesellschaftliche und ökonomische Zukunftsfähigkeit gefährdet und die natürlichen Lebensgrundlagen schädigt. Nicht nachhaltige Wirtschaftsweisen, die Lebensgrundlagen abbauen und die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen, sind bislang profitabler und somit wettbewerbsstärker. Dabei werden jedoch langfristig und global Ressourcen vernichtet, die zukünftig weder den Menschen, noch für Wirtschaftsaktivitäten und -unternehmen zur Verfügung stehen. Die Folgen davon tragen alle.

Unsere KanzlerkandidatInnen müssen Antwort auf die Fragen danach geben, wie sie die politischen Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Marktwirtschaft gestalten wollen, damit regenerative Landwirtschaft und ein weltweiter Schutz von Böden und ihrer Fruchtbarkeit stattfinden.

Sie werden am 3. September 2017 diese Antwort aber nur geben, wenn Sie Ihnen dazu die erforderlichen Fragen stellen!

Wir, die wir in großer Sorge um die Wichtigste unserer natürlichen Lebensgrundlagen sind, wollen Sie dazu ermutigen. Denn hier geht es nicht um ein idealistisches „nice to have“- Thema, sondern um ein Überlebensthema für die Menschheit.

Die Böden und Landschaften, die wir nutzen, bilden das Fundament unserer Wirtschaft, sie sind Lebensgrundlagen als auch Produktionsgrundlagen in einem. Ihr Erhalt und ihr Aufbau ist eine Bedingung für unsere gemeinsame Zukunft – das ist unser aller Angelegenheit.

Mit besten Wünschen

Dr. J. Daniel Dahm
Vize Direktor, European Centre for Sustainability Research ECS, Zeppelin Universität
Deutsche Gesellschaft Club of Rome DCoR 
Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. VDW

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein
Vorstandvorsitzender, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW e.V.)

Alexandra Wandel
Direktorin und Stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Stiftung World Future Council

anstiftung
Daniel Überall, Vorstand

Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller e.V.
Dr. Alexander Beck, Geschäftsführender Vorstand

Biokreis e.V. – Verband für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung
Franz Strobl, Vorstandsvorsitzender

Bioland e.V.
Jan Plagge, Präsident

Biopark e.V.
Jens Rasim, Vorstandsvorsitzender

Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V.
Elke Röder, Geschäftsführerin

ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.
Andreas Hattemer, Vorsitzender

European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER) e.V.
Dr. Hartmut Meyer, Vorsitzender des Vorstandes
Dr. Angelika Hilbeck, Mitglied des Vorstandes

Demeter e.V.
Dr. Alexander Gerber, Vorstandssprecher

Gäa e.V. – Vereinigung ökologischer Landbau
Kornelie Blumenschein, 1. Vorsitzende

Germanwatch e.V.
Klaus Milke, Vorsitzender

Kartoffelkombinat eG
Daniel Überall, Vorstand

Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V.
Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V.

Naturland e.V.
Hubert Heigl, Präsident

Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Olaf Tschimpke, Präsident

Verbund Ökohöfe e.V.
Jürgen Hartmann, Vorstand

Josef Braun
Biolandbauer Präsidium, Bioland e.V.

Nikolai Fuchs
Vorstand, GLS Treuhand
Stiftungsrat Zukunftsstiftung Landwirtschaft

Prof. Dr. Klaus Gabriel
Geschäftsführer des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) e.V.
Gastprofessor für Wirtschafts- und Unternehmensehtik an der Universität Kassel

Prof. Dr. Maximilian Gege
Vorsitzender, B.A.U.M. e.V.

Dr. Jörg Geistlinger
Hochschule Anhalt
Fachbereich 1: Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung Institut für Bioanalytische Wissenschaften
Leiter der Arbeitsgruppe „Nachhaltige Düngung und alternativer Pflanzenschutz“

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald
Vorstand, Schweisfurth Stiftung

Prof. Dr.-Ing. Susanne Hartard
Umwelt-Campus Birkenfeld/Hochschule Trier Industrial Ecology

Hermann Graf Hatzfeldt

Prof. Dr.em. Eva Lang
Vorstand der Vereinigung für Ökologische Ökonomie
Mitglied und ehem. Vorstand des Netzwerks Vorsorgendes Wirtschaften

Prof. Dr. Rudolf Prinz zur Lippe
Präsident, Forum der Kulturen zu Fragen der Zeit

Prof. Dr. Dirk Löhr
Professor für Steuerlehre und Ökologische Ökonomik

Prof. Dr. Konrad Ott
Philosophisches Seminar der CAU zu Kiel

Dr. Manuel Schneider
Redaktionsleitung „Der kritische Agrarbericht“
Geschäftsführer oekom e.V.

Karl Ludwig Schweisfurth
Schweisfurth Stiftung

Prof. Dr. Irmi Seidl
Eidg. Forschungsanstalt WSL

Prof. em. Dr. Michael Succow
Vorstandsvorsitzender der Michael Succow Stiftung
Träger des alternativen Nobelpreises

Beate Weber-Schuerholz
Oberbürgermeisterin a.D. MdEP a.D.

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Ko-Präsident des Club of Rome

Prof. Dr. Hubert Wiggering
Institut für Erd- und Umweltwissensschaften der Universität Potsdam
Vorstandsmitglied der Deutschen AgrarForschungsallianz (DAFA)
Mitglied der Kommissionen Landwirtschaft (KLU) sowie Bodenschutz (KBU) beim Umweltbundesamt

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Urbane Grünräume

Das Bayerische Fernsehen erkundete Ende Mai 2017 urbane Grünräume in München. Im unten verlinkten Filmbeitrag geht es ab Minute 20:00 mit Christa Müller in den Gemeinschaftsgarten "o’pflanzt is".
>> zum Filmbeitrag
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Ein Garten am Museum. Für alle!

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2012 startete das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am Rhein ein Experiment: Es lud zum Gärtnern ein. Aus dem "hack-museumsgARTen" wurde eine Erfolgsgeschichte. Auf dem Platz hinter dem Museum betreiben Bürgerinnen und Bürger seitdem mit anhaltender Begeisterung Urban Gardening. Mit Pflanzen in Kisten und anderen Behältern haben sie die versiegelte Fläche in eine grüne Oase verwandelt. Ganz nebenbei wurde der "hack-museumsgARTen" zu einem Ort der interkulturellen Begegnung – und zu einer Schnittstelle zwischen Bevölkerung und Museum. Die Publikation beleuchtet die unterschiedlichen Facetten des Projekts und regt an zum Nachdenken darüber, wie Museumsarbeit zukünftig aussehen kann.
Bestellmöglichkeit (18 EUR) und mehr Infos zum Buch mit Beiträgen u.a. von Wulf Kramer und Christa Müller gibt es auf der Verlagsseite: www.orange-press.com/programm/alle-titel/hack-museumsgarten.html
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Umkämpftes Grün. Eine Buchbesprechung

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Ein spannendes Buch, das die Finger in manche Wunde legt. Andrea Baier bespricht "Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten".

Es sei ein schmaler Grat zwischen gesellschaftlicher Veränderung und Vereinnahmung für das System, urteilt Mitherausgeberin Marit Rosol in ihrem einleitenden Beitrag "Gemeinschaftlich gärtnern in der neoliberalen Stadt?" Urbane Gemeinschaftsgärten könnten auch als Teil einer neuen urbanen Governance fungieren, sie seien nicht eindeutig entweder neoliberaler oder progressiver Stadtpolitik zuzuordnen. Zwar gehe es den einzelnen Projekten durchaus um die Dekommodifizierung öffentlichen Raums, dabei spielten sie aber nicht selten unwillentlich über kommunal angetriebene Gentrifizierung und Imagepolitiken neoliberaler Stadtentwicklung in die Hände (15).
Der jüngst im transcript Verlag erschienene Sammelband "Umkämpftes Grün" geht auf ein Forschungsprojekt am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien und eine Konferenz im Oktober 2015 unter dem Titel "Grüne städtische Gemeingüter? Grüne urbane Aktivitäten im öffentlichen Raum – zwischen Aufwertung, Privatisierung, sozialökologischer Transformation und Recht auf Stadt" (ebenfalls in Wien) zurück. Die Perspektive richtet sich entsprechend schwerpunktmäßig, aber nicht ausschließlich, auf Gartenprojekte im deutschsprachigen Raum.
In ihrem kurzen Vorwort umreißen die Herausgeberinnen Sarah Kumnig, Marit Rosol und Andrea*s Exner ihr Anliegen, mit dem Buch zu einer Auseinandersetzung um die widersprüchliche Rolle urbaner Gemeinschaftsgärten in der Neoliberalisierung des Städtischen beitragen zu wollen. Die Beiträge diskutieren "urbanes Gärtnern im Kontext von Kommodifizierung, Aufwertung und Privatisierung städtischer Räume" ebenso "wie im Zusammenhang von Befriedung und Kanalisation politischer Unzufriedenheit, der Aktivierung unbezahlter ehrenamtlicher Arbeit sowie in Bezug auf Ausschlüsse und Exklusivität innerhalb der Gartenprojekte selbst." (8)
Auch die Vereinnahmung ehrenamtlicher Arbeit und die Auslagerung traditionell staatlicher Verantwortungsbereiche auf zivilgesellschaftliche Organisationen gehört zum Werkzeugkasten neoliberaler Strategie (17). Gemeinschaftsgärten können defizitäre Sozialleistungen auffangen und zu Befriedung wie Einbindung des Dritten Sektors beitragen (18), auch wenn dies im nordamerikanischen Raum sehr viel stärker der Fall ist. Zudem sei zivilgesellschaftliches Engagement mit bestimmten gesellschaftlichen Gruppen und Werten verbunden. In Partizipationsprozessen gewinne eher die Mittelschicht, während die Unterschicht verliere. Die Unterfinanzierung von Gebieten, wo das Engagement fehlt, nimmt womöglich noch zu.
Zur neoliberalen Stadt gehört zudem das Regieren über Gemeinschaft und Technologien des Selbst (19): Gemeinschaft kompensiere dabei nicht (nur) neoliberales Versagen, sondern sei sogar die notwendige Verbindung von einer Regierung des Selbst mit einer Regierung der Bevölkerung (20).

Deutlich optimistischer schätzt Efrat Eizenberg in ihrem Aufsatz "Real existierende Commons: Drei Momente von Raum in Gemeinschaftsgärten in New York City" die Rolle urbaner Landwirtschaft ein. Bezugnehmend auf Henri Lefebvre betont sie, dass jede Transformation des vorherrschenden sozialen Systems mit dem Abbau der Entfremdung des Alltagslebens beginnen muss bzw. mit der Konstituierung einer alternativen gelebten Erfahrung, die vom Gebrauchswert (mehr als vom Tauschwert) bestimmt wird (47).
Und Gemeinschaftsgärten, so ihre Überzeugung, gewähren eine alternative gelebte Erfahrung innerhalb einer modernen urbanen Umwelt: Schon die bloße Idee einer gemeinschaftlichen Hoheit über Raum fordere den gegenwärtigen Alltagsverstand heraus (39). Praktische und diskursive Wissensbestände werden dabei zu kollektiven Ressourcen.
Eizenberg versteht Gemeinschaftsgärten als gegen-hegemoniale Räume, in denen bestehende staatliche und kapitalistische Normen in Frage gestellt und mögliche Gesellschaftskonstellationen erprobt werden.
In Bezug auf die von spanischsprechenden Einwanderinnen geprägten Community Gardens in der South Bronx schildert sie, dass die Reintegration sozio-kultureller Veranstaltungen in das Alltagsleben eine Dekolonisierung und einen Abbau der Entfremdung des Alltagslebens mit sich bringt.
Sie zeigt sich überzeugt, dass die Repräsentationen der Gärten eben keiner neoliberalen Rationalität folgen. Vielmehr entstehe in Gemeinschaftsgärten "kritisches Wissen, … das sich weigert, die Macht anzuerkennen" (48).

Margaret Haderer wiederum fragt in ihrem Beitrag "Recht auf Stadt! Lefebvre, urbaner Aktivismus und kritische Stadtforschung. Eine Rekonstruktion, Interpretation und Kritik" skeptisch nach, ob "Selbstbestimmung" angesichts spätmoderner Subjektivität immer noch als politische Triebkraft (zur politischen Transformation) gelten könne.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Subjekttheorien meint sie, sei Eizenbergs bzw. Lefebvres implizite Grundannahme, dass sich Subjekte über Partizipation, Selbstverwaltung und räumliche Aneignung ihrer jeweiligen Entfremdungen durch institutionalisierte Stadtpolitik und neoliberale Logiken zumindest teilweise entledigen, kritisch zu hinterfragen.
Statt "alternative urbane Erfahrung" zu ermöglichen und Ausgangspunkt zu sein von im Kollektiv verankerten gesellschaftlichen Gegenentwürfen, könnten urbane Gärten genauso gut als lose verbundene Archipele der Selbstversorgung und der Selbsterfahrung betrachtet werden, die den real existierenden Neoliberalismus nicht herausfordern, sondern dessen integraler Bestandteil sind. Angesichts "flüssiger" (Baumann) oder sich von ihrer Mündigkeit befreienden Subjektivitäten (Blühdorn) gerate "Selbstbestimmung" allzu leicht zu Fremdbestimmung.
Gerade wenn das politisch Mögliche im Sichtfeld bleiben soll, betont Haderer, bedarf es "messerscharfer Analysen" heutiger Bedingungen von gesellschaftlicher Transformation, die insbesondere die Barrieren in den Blick nimmt (74).

Barbara van Dyck, Chiara Tornaghi, Severin Halder, Ella von der Haide und Emma Saunders beobachten in ihrem Aufsatz "Der Aufbau einer Strategieplattform: vom Politisieren urbaner Ernährungsbewegungen zu urbaner politischer Agrarökologie", dass die Gärten zunehmend Teil des herrschenden Umweltdiskurses der Nachhaltigkeit werden. Sie problematisieren, dass eine gemeinsame Diskussion über Kämpfe urbaner Landwirtschaft, die historisch im »environmentalism of the poor« verankert sind, und ihre Verknüpfung mit politischen Kämpfen wie Recht auf Stadt oder Degrowth in manchen Gärten gerade erst beginnt und vermuten, dass urbane Gärten deshalb leicht "von Mainstream-Diskussionen vereinnahmt und in einen Bestandteil der aufkommenden, herrschenden urbanen ‘grünen‘ kapitalistischen Entwicklung verwandelt" werden können. (89). Den Gärten fehle es an einer kollektiven Identität bzw. an einem gemeinsamen Ziel, sie funktionierten vielmehr oft als Plattform für verschiedene Themen, wie etwa öffentlicher Raum, Migration, Commons, Gemeinschaftsbildung, Therapie und Bildung. Ernährung und Landwirtschaft seien in vielen Fällen nur ein Aspekt in einer Reihe von Themen und es mangele an gemeinsamen Ideen für städtische Veränderung.
Aber lassen sich nicht Vieldeutigkeit und Vielstimmigkeit auch als eine Stärke der Gärten verstehen, die eben nicht auf ein Thema stillzustellen sind? Über die pauschalisierende Einschätzung, dass sich zwischen älteren Interkulturellen und den neuen "stylischen" Gemeinschaftsgärten eine wachsende Spaltung auftut, mag man sich wundern. Empirisch ist nämlich auch das genaue Gegenteil zu beobachten: Urbane Gemeinschaftsgärten werden immer interkultureller bzw. öffnen sich für Menschen im Kontext von Flucht und Migration.
Summa summarum sorgen sich die Autor_innen, die Gärten könnten Opfer ihres eigenen Ruhms werden. Denn das große mediale und wissenschaftliche Interesse, das die Gärten erregen, führte auch dazu, dass sich auch Auto-, Zigaretten- oder Möbelwerbung etc. für sie interessieren. Die Gefahr der Vereinnahmung der Garteninitiativen für Greenwashing-Kampagnen ist allenthalben spürbar. Die Autor_innen meinen, dass der Aufbau einer "wirklichen" organisatorischen Struktur oder kollektiven Identität hier Abhilfe schaffen könnte (92).

Sarah Kumnig befasst sich in ihrem Aufsatz "Zwischen grüner Imageproduktion, partizipativer Politik und Wachstumszwang: urbane Landwirtschaft und Gärten im Kontext neoliberaler Stadtentwicklung in Wien" mit den Auseinandersetzungen um das Donaufeld, einem traditionellen Ort städtischer Gemüseproduktion, der nach dem Willen der politischen Entscheidungsträger einem Wohnprojekt weichen soll. Dabei werden Gemeinschaftsgärten gegen landwirtschaftliche Produktion in Stellung gebracht. Kumnig zeichnet detailliert nach, wie die Einbindung nicht-staatlicher Akteur_innen in (lokal)staatliche Entscheidungsprozesse und Verantwortungsbereiche vor dem Hintergrund der Neoliberalisierung des Städtischen, d.h. einer zunehmend unternehmerischen Stadtpolitik, weniger auf die Stärkung partizipativer Rechte der Bevölkerung hinausläuft als vielmehr auf die Auslagerung staatlicher Verantwortungsbereiche an zivilgesellschaftliche Organisationen. Im konkreten Fall gab es Mitspracherechte, aber keine Entscheidungsbefugnisse. Mitspracherechte ohne Entscheidungsbefugnisse sind letztlich schlechter als keine Mitspracherechte, weil die scheinbare Partizipation fragwürdige politische Entscheidungen legitimiert.

Andrea*s Exner und Isabelle Schützenberger legen in ihrem Beitrag "Der Geschmack am Gärtnern. Gemeinschaftsgärten und soziale Diversität in Wien" den Finger auf einen kritischen Punkt innerhalb der Gärten selbst. Diskurs und Praxis des Gemeinschaftsgartens sind klassenspezifisch. Urbane Gärten, so die Autorinnen, erweisen sich bei näherem Hinsehen als Mittel der Distinktion für Mittelklassen und Gemeinschaftsgärtnern als Ausdruck von (Klassen-)Habitus: Die Identifikation des politisch Richtigen mit dem eigenen Lebensstil bestärke das Gefühl kultureller Überlegenheit derer, die ohnehin schon privilegiert seien (180).
Entsprechend kritisieren sie Urban Gardening als "Politik der Lebensstile", die eben nicht auf gesellschaftliche Veränderungen in Richtung eines Abbaus sozialer Ungleichheit ziele. Anhand der Untersuchung von sechs Gemeinschaftsgärten in Wien kommen sie zu der Einschätzung: Gartenprojekte sind wenig(er) divers als gedacht (161). Sie neigen zu sozialer Schließung. Sie diskursiv herzustellen, sei "die Angelegenheit von Intellektuellen" oder jedenfalls von Personen mit dem entsprechenden kulturellen Kapital. Gemeinschaftsgärten, so der Befund der Untersuchung, werden von Angehörigen der Mittelschicht dominiert. Das sei nicht das Ergebnis formeller oder sichtbarer Ausschlussmechanismen. Vielmehr funktioniere die Politik der Lebensstile bzw. die klassenspezifische Aneignung von öffentlichem Raum über den Aufbau symbolischer Schwellen.
Dass gemeinhin mit niedrigem Status assoziierte Subsistenzpraktiken in Gemeinschaftsgärten zu neuen Ehren kommen, deuten die Autor_innen als weiteren Beweis für ihre These, dass in den Gärten diejenigen über die Diskursmacht verfügen, die sie in der Gesellschaft auch ansonsten innehaben, denn: Die hohe Statusposition erweise sich gerade in der Macht zu definieren, was zu einem gegebenen Zeitpunkt als richtig oder falsch bzw. als guter Geschmack gelte (178).
Exner/Schützenberger lassen letztlich offen, ob man es bei den Gemeinschaftsgärten mit politischen Rationalitäten in Hinblick auf gesamtgesellschaftliche Verbesserungen zu tun hat oder mit einer Politik des Lebensstils (in Hinblick auf Distinktionsgewinne beispielsweise durch Aneignung von öffentlichem Raum).
Auch wenn man sich ein genaueres Hinsehen auf die inklusiv wirkende Subsistenzpraxis in den Gärten durch den Austausch von Fähigkeiten, Produkten und Kenntnissen gewünscht hätte: Der Befund ist unbedingt ernst zu nehmen und im Übrigen nicht zu bezweifeln. Was sie bemängeln, betrifft dabei allerdings nicht die Politik der urbanen Gärten allein. Vielmehr weisen Sozialwissenschaftler_innen seit geraumer Zeit darauf hin, dass sich durch die Ausbreitung von Partizipation (zumal als Governance-Strategie) eine deutliche Verschiebung zugunsten der politischen Einflussnahme bürgerlicher Schichten ergeben hat. Dass sich in den Gemeinschaftsgärten die gesellschaftlichen Machtverhältnisse spiegeln, ist insofern kaum erstaunlich. Erstaunlicher ist, dass sie hier auch oft unterlaufen werden, auch dafür lassen sich vielfältig Beispiele anführen. Letztlich sind die Hemmschwellen, an einem urbanen Garten zu partizipieren, eben doch geringer, als sich z.B. an der Planung eines Stadtquartiers zu beteiligen. Im Berliner Allmende-Kontor sind jedenfalls auch nicht-deutschstämmige Anwohner_innen des Tempelhofer Felds mit von der Partie.

Eine weitere bedenkliche Entwicklung beschreibt Marion Ernwein in ihrem Aufsatz "Gemeinschaftsgärten und freiwillige Umweltarbeit – Die Aushandlung von Stellenwert und Bedeutung der Bürger_innenbeteiligung in der Herstellung von Grünraum". Sie stellt dar, wie die Aufnahme von urbanem Gärtnern in kommunale Programme in Genf erstens zu Verdrängung von sogenannten Familiengärten (vergleichbar mit deutschen Schrebergärten) sowie zweitens zur Ausdünnung staatlicher Verantwortung und Aktivierung von "Freiwilligenarbeit" führt. Gemeinschaftsgärten werden inzwischen bevorzugt gefördert, weil sie platzsparender sind. Dabei werden verschiedene, gerne auch ökologische, Kritiken an den Familiengärten mobilisiert, um den politischen Schwenk zu legitimieren. Dass auch bei dieser Politik die Mittelklasse gegenüber der Arbeiterklasse gewinnt, liegt auf der Hand. Während die Sozialabteilung zunehmend also Gemeinschaftsgärten favorisiert, hat die Grünraumabteilung weiter Vorbehalte und sinnt auf andere Formen der Bürger_innenbeteiligung. Das Engagement im Gemeinschaftsgarten könne nicht als Freiwilligenarbeit gewertet werden: Die machten nur was für sich, heißt es im Amt, nicht für die Allgemeinheit. Hier setzt man eher auf die Aktivierung freiwilligen Engagements bei der Parkpflege. Die zugehörigen Diskurse denunzieren Bürger_innen als "Nur-Komsumierende", deren Einstellung zu staatlichen Leistungen sich verändern müsse.
Ernwein zeigt, wie sich sukzessive eine neue Auffassung im Verhältnis Staat/Bürger über nationale Grenzen hinweg (hier: durch den Austausch Schweizer Beamten mit ihren Kollegen in den USA) etabliert. Insofern fasst die Autorin Freiwilligenarbeit als eine Technologie von Regierung, die Bürger_innen dazu bringt, ihre Rollen und Beziehungen mit dem Staat neu zu definieren.
Mit der Transformation von Bürger_innen zu Parkpflegenden geht die Produktion neuer Subjektivitäten entsprechend neoliberaler Ideale von Selbstverantwortung einher: Die Bürger dürfen sich an der Arbeit, aber nicht an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Martin Sondermann entwickelt in seinem Beitrag "Gemeinschaftsgärten, Gemeinwohl und Gerechtigkeit im Spiegel lokaler Planungskulturen" einen weniger pessimistischen Blick auf die Zusammenarbeit von Aktivist_innen mit lokalen Behörden. Ihn beschäftigt die Frage, inwieweit urbane Gärten als grüne Gemeinschaftsgüter fungieren und dem Gemeinwohl dienen können. Es geht um das Problem der eingeschränkten Zugänglichkeit und Nutzbarkeit (211) bei Club- und  Gemeingütern, das auch urbane Gartenprojekte betrifft. Gemeinschaftsgärten seien, so Sondermann, als Kontinuum zwischen privat und öffentlich, marktwirtschaftlich und staatlich zu sehen (212). Bezugnehmend auf Düsseldorf und Hannover, beides Städte, in denen die zuständigen politischen Gremien und Verwaltungen Gemeinschaftsgärten gegenüber positiv eingestellt sind und sich grundsätzlich in offenen und unterstützenden Haltungen üben, schildert er, wie städtische Beamt_innen darüber wachen, dass keine Vertreibung unliebsamer Nutzergruppen erfolgt – der Klassiker sind hier Konflikte mit Alkoholikern und/oder Obdachlosen – und sich dafür zuständig fühlen, »verbindliche Regelungen über die Befristung« auszuhandeln, um eine Privatisierung öffentlicher Räume zu vermeiden (220).
Sein Beitrag regt dazu an, die Frage um den öffentlichen Raum auch von Seiten der urbanen Gärtner_innen noch gründlicher zu durchdenken.

Alexander Follmann und Valérie Viehoff berichten in ihrem Beitrag "Das Politische eines Gemeinschaftsgartens – NeuLand in Köln als Experimentierort für urban commoning?" sowohl aus der Innenperspektive (Alexander Follmann) als auch aus der Außenperspektive (Valérie Viehoff) von fünf Jahren Gemeinschaftsgartenprojekt NeuLand in Köln.
Es geht um die Rekapitulation der Ausgangslage des Projekts und die Reflexion, an welchem Punkt man heute steht.
NeuLand verstand sich von Anfang an als »political gardening«. Mit dem Garten sollte sowohl ein politischer Akteur geschaffen werden, der sich in die Stadtpolitik einzumischen gedachte, als auch eine "real existierende Allmende". Dabei sahen sich die Aktivist_innen gleich mit dem Konflikt konfrontiert, zwar einen offenen und integrativen Raum schaffen zu wollen, aber auch Eingrenzungen vornehmen zu müssen. Darüber hinaus, so die Autorinnen, ergeben sich Konflikte aus den vielfältigen Berührungspunkten der real existierenden Allmende NeuLand mit den nach neoliberalen Prinzipien organisierten rechtlichen, sozialen und stadtplanerischen Rahmenbedingungen (244).
Die soziale bzw. die Klassenfrage begegnete den Neuländern schließlich bei der Vergabe der Beete: Angetreten waren sie mit dem Anspruch, alle Beete des Gartens gemeinsam bewirtschaften zu wollen, gemäß ihres politischen Statements, dass eine andere Stadt, dass eine Allmende möglich sei. Nachdem die Pflege der Beete jedoch gemeinschaftlich nicht mehr zu bewerkstelligen war, votierten sie nach heftigen Debatten für die Vergabe von "Privatbeeten", allerdings unter der Maßgabe, dass jede Beetbetreiberin sich zusätzlich zu ihrem eigenen um ein Gemeinschaftsbeet kümmern müsste. Es zeigte sich, dass diese Regelung dem Gemeinschaftsgarten ganz neue Mitglieder bescherte. Plötzlich beteiligen sich mehr Anwohner_innen und mehr Menschen mit Migrationshintergrund an der Gartengemeinschaft. Das Commoning-Prinzip hatte vorher also unbemerkt und unbeabsichtigt zu Ausschluss geführt, es hatte sich den – nicht dem Bildungsbürgertum zugehörigen – Anwohner_innen nicht vermittelt. Die Aufgabe eines hehren Prinzips – und Abstriche an der Allmende zu machen – führte in der Realität zu mehr Beteiligung und also in gewissem Sinne zu mehr Allmende. Dieses verblüffende Ergebnis gibt in der Tat zu denken.
Wie sie ihre Kritik an der kapitalistisch-neoliberalen Verwertungslogik (in Form von Grundstücksspekulation), die der Ausgangspunkt für die Gartengründung war, in die Planung eines Stadtentwicklungsprojekts einbringen, ist eine andere spannende Geschichte, die im Buch erzählt, hier aber nicht verraten wird.
Trotz der im Beitrag beschriebenen Widersprüche – in die man gerät, wenn man eine "realexistierende Allmende" in der neoliberalen Stadt schaffen will – kommen die Autor_innen insgesamt zu einem positiven Fazit: Da sich die Allmende jenseits von Markt und Staat verorte, biete sie eine neue Perspektive für ein Raumverständnis und die Organisation städtischer Räume jenseits der Dichotomie öffentlich/privat (236).
Und: Explizit politische Urban Gardening-Initiativen könnten die für post-demokratische Gesellschaften als typisch beschriebenen informellen Arrangements zwischen (Stadt-)Regierungen und wirtschaftlichen und politischen Eliten konterkarieren und kreativ neue Akteure schaffen, die versuchen, existierende Hegemonien zu demontieren und eine neue, gegen-hegemoniale Vorstellung von Stadt zu entwickeln (254).
Und: Gartenprojekte wie NeuLand zeigten, dass es möglich und notwendig sei, Commons als Alternative zur derzeitigen hegemonialen, neoliberalen, post-demokratischen Stadt(-Planung) zu denken und mit ihnen zu experimentieren, um eine gerechtere, grünere und nachhaltigere Stadt zu schaffen (255).

Fazit
Insbesondere der letzte Beitrag, wie das Buch insgesamt, bietet einen spannenden Einblick in die Gegenwart des Phänomens Urban Gardening. Die Bewegung wächst aus ihren Kinderschuhen heraus und wagt selbstbewusst selbstkritische Blicke auf die eigene Praxis. Die Diskussionen, der kritische Blick auf sich selbst, macht deutlich, hier reflektieren Aktivist_innen ihre Praxis. Sie thematisieren die Schwierigkeiten, widerständig zu bleiben in einer Umgebung, die sich jeden Widerstand sofort anzueignen sucht; und zwar nicht dadurch, dass sie ihn zerstört, sondern indem sie ihn schlicht verdreht. Sie blicken auf die eigenen blinden Flecke, wie sich unversehens Ausschlüsse entlang der sozialen Lage einschleichen, die man nicht bemerkt (NeuLand) oder auch billigend in Kauf nimmt, weil die Auseinandersetzungen mit Randgruppen auch anstrengend sind. Die Perspektive aus der Innensicht einer Bewegung bzw. aus interessierter und informierter Perspektive kommt erfahrungsgesättigt daher. Die Autor_innen sind fast alle nah an ihrem Gegenstand, sie wissen, wovon sie sprechen, sie sprechen aus Erfahrung, verstehen es aber auch, immer wieder Abstand zu gewinnen. Sie thematisieren die Ambivalenzen, um besser mit ihnen umgehen zu können. Sie ringen um Wege, sich nicht vereinnahmen zu lassen von der neoliberalen Stadt. Sie wissen, dass die Gefahr der Vereinnahmung groß ist und versuchen sie zu bannen, indem sie sie offenlegen, sie reden sie nicht klein. Sie thematisieren die Widersprüche ihrer Praxis, die Widersprüche, mit denen sie umgehen müssen, in denen sie sich bewegen. Es ist ein spannendes Buch, das die Finger in manche Wunde legt. Insbesondere ist spannend, wie die einzelnen Beiträge explizit oder implizit aufeinander Bezug nehmen, aufeinander antworten, sich mitunter auch widersprechen. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass hier verschiedene Perspektiven versammelt wurden. Dass man in diesem Buch verhältnismäßig wenig von den Potentialen urbaner Gemeinschaftsgärten erfährt, verdankt sich der erklärten Absicht der Herausgeber_innen, einen kritischen Blick auf die Projekte und ihre Umgebungen werfen zu wollen. Eine genaue Analyse der Prozesse neoliberaler Vereinnahmung als ein notwendig ambivalentes Geschehen im Kapitalismus, und damit eine Antwort auf die Frage, wie nicht-kapitalistische Formen verteidigt werden können, halten jedoch auch sie nicht bereit.
Manche Dinge hätte man gerne noch genauer gewusst, beispielsweise welche Projekte wohl gemeint sind, wenn von "stylischen Gärten" die Rede ist, die eine Vereinnahmung leichter ermöglichen als andere. Oder inwiefern sich die Spaltung zwischen den älteren Interkulturellen Gärten einerseits und neuen "stylischen" Gärten verschärft? Sollte diese Spaltung tatsächlich existieren, wäre sie einer genaueren Betrachtung doch eigentlich wert gewesen.
Alles in allem: ein spannendes Buch, ein wichtiges Buch, zum Lesen unbedingt zu empfehlen!

Sarah Kumnig / Marit Rosol / Andrea*s Exner (Hg.) (2017):
Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten.
268 Seiten, kart., zahlr. Abb., erschienen in der Reihe Urban Studies, transcript Verlag
ISBN 978-3-8376-3589-8, EUR 29,99
http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3589-8/umkaempftes-gruen
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Boden dem Markt entziehen

news_boden
Weil es so wichtig ist, Grund und Boden dem reinen Marktstreben zu entziehen und ihn für gemeinnützige Aktivitäten der Zivilgesellschaft vorzuhalten, ist die anstiftung Erstunterzeichnerin der Schwerter Erklärung der Stiftung trias. Die Erklärung warnt u.a. vor den Folgen zunehmender Spekulation mit Grund und Boden für den sozialen Frieden und plädiert für eine kommunale Liegenschaftspolitik, die den Zugang und das Nutzungsrecht an Boden auch für die Zivilgesellschaft sicherstellt.
>> zur Schwerter Erklärung
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Greenwashing

Greenwashing
Wenn ein Konzern Widerstandspraxen der Zivilgesellschaft nachahmt und in sein Marketingsystem integriert: Christa Müllers Kolumne in der Frankfurter Rundschau zum Thema Greenwashing.

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