Aktuelle Blogeinträge in der Kategorie Urbane Gärten

Urbane Grünräume

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Das Bayerische Fernsehen erkundete Ende Mai 2017 urbane Grünräume in München. Im unten verlinkten Filmbeitrag geht es ab Minute 20:00 mit Christa Müller in den Gemeinschaftsgarten "o’pflanzt is".
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Ein Garten am Museum. Für alle!

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2012 startete das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am Rhein ein Experiment: Es lud zum Gärtnern ein. Aus dem "hack-museumsgARTen" wurde eine Erfolgsgeschichte. Auf dem Platz hinter dem Museum betreiben Bürgerinnen und Bürger seitdem mit anhaltender Begeisterung Urban Gardening. Mit Pflanzen in Kisten und anderen Behältern haben sie die versiegelte Fläche in eine grüne Oase verwandelt. Ganz nebenbei wurde der "hack-museumsgARTen" zu einem Ort der interkulturellen Begegnung – und zu einer Schnittstelle zwischen Bevölkerung und Museum. Die Publikation beleuchtet die unterschiedlichen Facetten des Projekts und regt an zum Nachdenken darüber, wie Museumsarbeit zukünftig aussehen kann.
Bestellmöglichkeit (18 EUR) und mehr Infos zum Buch mit Beiträgen u.a. von Wulf Kramer und Christa Müller gibt es auf der Verlagsseite: www.orange-press.com/programm/alle-titel/hack-museumsgarten.html
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Umkämpftes Grün. Eine Buchbesprechung

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Ein spannendes Buch, das die Finger in manche Wunde legt. Andrea Baier bespricht "Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten".

Es sei ein schmaler Grat zwischen gesellschaftlicher Veränderung und Vereinnahmung für das System, urteilt Mitherausgeberin Marit Rosol in ihrem einleitenden Beitrag "Gemeinschaftlich gärtnern in der neoliberalen Stadt?" Urbane Gemeinschaftsgärten könnten auch als Teil einer neuen urbanen Governance fungieren, sie seien nicht eindeutig entweder neoliberaler oder progressiver Stadtpolitik zuzuordnen. Zwar gehe es den einzelnen Projekten durchaus um die Dekommodifizierung öffentlichen Raums, dabei spielten sie aber nicht selten unwillentlich über kommunal angetriebene Gentrifizierung und Imagepolitiken neoliberaler Stadtentwicklung in die Hände (15).
Der jüngst im transcript Verlag erschienene Sammelband "Umkämpftes Grün" geht auf ein Forschungsprojekt am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien und eine Konferenz im Oktober 2015 unter dem Titel "Grüne städtische Gemeingüter? Grüne urbane Aktivitäten im öffentlichen Raum – zwischen Aufwertung, Privatisierung, sozialökologischer Transformation und Recht auf Stadt" (ebenfalls in Wien) zurück. Die Perspektive richtet sich entsprechend schwerpunktmäßig, aber nicht ausschließlich, auf Gartenprojekte im deutschsprachigen Raum.
In ihrem kurzen Vorwort umreißen die Herausgeberinnen Sarah Kumnig, Marit Rosol und Andrea*s Exner ihr Anliegen, mit dem Buch zu einer Auseinandersetzung um die widersprüchliche Rolle urbaner Gemeinschaftsgärten in der Neoliberalisierung des Städtischen beitragen zu wollen. Die Beiträge diskutieren "urbanes Gärtnern im Kontext von Kommodifizierung, Aufwertung und Privatisierung städtischer Räume" ebenso "wie im Zusammenhang von Befriedung und Kanalisation politischer Unzufriedenheit, der Aktivierung unbezahlter ehrenamtlicher Arbeit sowie in Bezug auf Ausschlüsse und Exklusivität innerhalb der Gartenprojekte selbst." (8)
Auch die Vereinnahmung ehrenamtlicher Arbeit und die Auslagerung traditionell staatlicher Verantwortungsbereiche auf zivilgesellschaftliche Organisationen gehört zum Werkzeugkasten neoliberaler Strategie (17). Gemeinschaftsgärten können defizitäre Sozialleistungen auffangen und zu Befriedung wie Einbindung des Dritten Sektors beitragen (18), auch wenn dies im nordamerikanischen Raum sehr viel stärker der Fall ist. Zudem sei zivilgesellschaftliches Engagement mit bestimmten gesellschaftlichen Gruppen und Werten verbunden. In Partizipationsprozessen gewinne eher die Mittelschicht, während die Unterschicht verliere. Die Unterfinanzierung von Gebieten, wo das Engagement fehlt, nimmt womöglich noch zu.
Zur neoliberalen Stadt gehört zudem das Regieren über Gemeinschaft und Technologien des Selbst (19): Gemeinschaft kompensiere dabei nicht (nur) neoliberales Versagen, sondern sei sogar die notwendige Verbindung von einer Regierung des Selbst mit einer Regierung der Bevölkerung (20).

Deutlich optimistischer schätzt Efrat Eizenberg in ihrem Aufsatz "Real existierende Commons: Drei Momente von Raum in Gemeinschaftsgärten in New York City" die Rolle urbaner Landwirtschaft ein. Bezugnehmend auf Henri Lefebvre betont sie, dass jede Transformation des vorherrschenden sozialen Systems mit dem Abbau der Entfremdung des Alltagslebens beginnen muss bzw. mit der Konstituierung einer alternativen gelebten Erfahrung, die vom Gebrauchswert (mehr als vom Tauschwert) bestimmt wird (47).
Und Gemeinschaftsgärten, so ihre Überzeugung, gewähren eine alternative gelebte Erfahrung innerhalb einer modernen urbanen Umwelt: Schon die bloße Idee einer gemeinschaftlichen Hoheit über Raum fordere den gegenwärtigen Alltagsverstand heraus (39). Praktische und diskursive Wissensbestände werden dabei zu kollektiven Ressourcen.
Eizenberg versteht Gemeinschaftsgärten als gegen-hegemoniale Räume, in denen bestehende staatliche und kapitalistische Normen in Frage gestellt und mögliche Gesellschaftskonstellationen erprobt werden.
In Bezug auf die von spanischsprechenden Einwanderinnen geprägten Community Gardens in der South Bronx schildert sie, dass die Reintegration sozio-kultureller Veranstaltungen in das Alltagsleben eine Dekolonisierung und einen Abbau der Entfremdung des Alltagslebens mit sich bringt.
Sie zeigt sich überzeugt, dass die Repräsentationen der Gärten eben keiner neoliberalen Rationalität folgen. Vielmehr entstehe in Gemeinschaftsgärten "kritisches Wissen, … das sich weigert, die Macht anzuerkennen" (48).

Margaret Haderer wiederum fragt in ihrem Beitrag "Recht auf Stadt! Lefebvre, urbaner Aktivismus und kritische Stadtforschung. Eine Rekonstruktion, Interpretation und Kritik" skeptisch nach, ob "Selbstbestimmung" angesichts spätmoderner Subjektivität immer noch als politische Triebkraft (zur politischen Transformation) gelten könne.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Subjekttheorien meint sie, sei Eizenbergs bzw. Lefebvres implizite Grundannahme, dass sich Subjekte über Partizipation, Selbstverwaltung und räumliche Aneignung ihrer jeweiligen Entfremdungen durch institutionalisierte Stadtpolitik und neoliberale Logiken zumindest teilweise entledigen, kritisch zu hinterfragen.
Statt "alternative urbane Erfahrung" zu ermöglichen und Ausgangspunkt zu sein von im Kollektiv verankerten gesellschaftlichen Gegenentwürfen, könnten urbane Gärten genauso gut als lose verbundene Archipele der Selbstversorgung und der Selbsterfahrung betrachtet werden, die den real existierenden Neoliberalismus nicht herausfordern, sondern dessen integraler Bestandteil sind. Angesichts "flüssiger" (Baumann) oder sich von ihrer Mündigkeit befreienden Subjektivitäten (Blühdorn) gerate "Selbstbestimmung" allzu leicht zu Fremdbestimmung.
Gerade wenn das politisch Mögliche im Sichtfeld bleiben soll, betont Haderer, bedarf es "messerscharfer Analysen" heutiger Bedingungen von gesellschaftlicher Transformation, die insbesondere die Barrieren in den Blick nimmt (74).

Barbara van Dyck, Chiara Tornaghi, Severin Halder, Ella von der Haide und Emma Saunders beobachten in ihrem Aufsatz "Der Aufbau einer Strategieplattform: vom Politisieren urbaner Ernährungsbewegungen zu urbaner politischer Agrarökologie", dass die Gärten zunehmend Teil des herrschenden Umweltdiskurses der Nachhaltigkeit werden. Sie problematisieren, dass eine gemeinsame Diskussion über Kämpfe urbaner Landwirtschaft, die historisch im »environmentalism of the poor« verankert sind, und ihre Verknüpfung mit politischen Kämpfen wie Recht auf Stadt oder Degrowth in manchen Gärten gerade erst beginnt und vermuten, dass urbane Gärten deshalb leicht "von Mainstream-Diskussionen vereinnahmt und in einen Bestandteil der aufkommenden, herrschenden urbanen ‘grünen‘ kapitalistischen Entwicklung verwandelt" werden können. (89). Den Gärten fehle es an einer kollektiven Identität bzw. an einem gemeinsamen Ziel, sie funktionierten vielmehr oft als Plattform für verschiedene Themen, wie etwa öffentlicher Raum, Migration, Commons, Gemeinschaftsbildung, Therapie und Bildung. Ernährung und Landwirtschaft seien in vielen Fällen nur ein Aspekt in einer Reihe von Themen und es mangele an gemeinsamen Ideen für städtische Veränderung.
Aber lassen sich nicht Vieldeutigkeit und Vielstimmigkeit auch als eine Stärke der Gärten verstehen, die eben nicht auf ein Thema stillzustellen sind? Über die pauschalisierende Einschätzung, dass sich zwischen älteren Interkulturellen und den neuen "stylischen" Gemeinschaftsgärten eine wachsende Spaltung auftut, mag man sich wundern. Empirisch ist nämlich auch das genaue Gegenteil zu beobachten: Urbane Gemeinschaftsgärten werden immer interkultureller bzw. öffnen sich für Menschen im Kontext von Flucht und Migration.
Summa summarum sorgen sich die Autor_innen, die Gärten könnten Opfer ihres eigenen Ruhms werden. Denn das große mediale und wissenschaftliche Interesse, das die Gärten erregen, führte auch dazu, dass sich auch Auto-, Zigaretten- oder Möbelwerbung etc. für sie interessieren. Die Gefahr der Vereinnahmung der Garteninitiativen für Greenwashing-Kampagnen ist allenthalben spürbar. Die Autor_innen meinen, dass der Aufbau einer "wirklichen" organisatorischen Struktur oder kollektiven Identität hier Abhilfe schaffen könnte (92).

Sarah Kumnig befasst sich in ihrem Aufsatz "Zwischen grüner Imageproduktion, partizipativer Politik und Wachstumszwang: urbane Landwirtschaft und Gärten im Kontext neoliberaler Stadtentwicklung in Wien" mit den Auseinandersetzungen um das Donaufeld, einem traditionellen Ort städtischer Gemüseproduktion, der nach dem Willen der politischen Entscheidungsträger einem Wohnprojekt weichen soll. Dabei werden Gemeinschaftsgärten gegen landwirtschaftliche Produktion in Stellung gebracht. Kumnig zeichnet detailliert nach, wie die Einbindung nicht-staatlicher Akteur_innen in (lokal)staatliche Entscheidungsprozesse und Verantwortungsbereiche vor dem Hintergrund der Neoliberalisierung des Städtischen, d.h. einer zunehmend unternehmerischen Stadtpolitik, weniger auf die Stärkung partizipativer Rechte der Bevölkerung hinausläuft als vielmehr auf die Auslagerung staatlicher Verantwortungsbereiche an zivilgesellschaftliche Organisationen. Im konkreten Fall gab es Mitspracherechte, aber keine Entscheidungsbefugnisse. Mitspracherechte ohne Entscheidungsbefugnisse sind letztlich schlechter als keine Mitspracherechte, weil die scheinbare Partizipation fragwürdige politische Entscheidungen legitimiert.

Andrea*s Exner und Isabelle Schützenberger legen in ihrem Beitrag "Der Geschmack am Gärtnern. Gemeinschaftsgärten und soziale Diversität in Wien" den Finger auf einen kritischen Punkt innerhalb der Gärten selbst. Diskurs und Praxis des Gemeinschaftsgartens sind klassenspezifisch. Urbane Gärten, so die Autorinnen, erweisen sich bei näherem Hinsehen als Mittel der Distinktion für Mittelklassen und Gemeinschaftsgärtnern als Ausdruck von (Klassen-)Habitus: Die Identifikation des politisch Richtigen mit dem eigenen Lebensstil bestärke das Gefühl kultureller Überlegenheit derer, die ohnehin schon privilegiert seien (180).
Entsprechend kritisieren sie Urban Gardening als "Politik der Lebensstile", die eben nicht auf gesellschaftliche Veränderungen in Richtung eines Abbaus sozialer Ungleichheit ziele. Anhand der Untersuchung von sechs Gemeinschaftsgärten in Wien kommen sie zu der Einschätzung: Gartenprojekte sind wenig(er) divers als gedacht (161). Sie neigen zu sozialer Schließung. Sie diskursiv herzustellen, sei "die Angelegenheit von Intellektuellen" oder jedenfalls von Personen mit dem entsprechenden kulturellen Kapital. Gemeinschaftsgärten, so der Befund der Untersuchung, werden von Angehörigen der Mittelschicht dominiert. Das sei nicht das Ergebnis formeller oder sichtbarer Ausschlussmechanismen. Vielmehr funktioniere die Politik der Lebensstile bzw. die klassenspezifische Aneignung von öffentlichem Raum über den Aufbau symbolischer Schwellen.
Dass gemeinhin mit niedrigem Status assoziierte Subsistenzpraktiken in Gemeinschaftsgärten zu neuen Ehren kommen, deuten die Autor_innen als weiteren Beweis für ihre These, dass in den Gärten diejenigen über die Diskursmacht verfügen, die sie in der Gesellschaft auch ansonsten innehaben, denn: Die hohe Statusposition erweise sich gerade in der Macht zu definieren, was zu einem gegebenen Zeitpunkt als richtig oder falsch bzw. als guter Geschmack gelte (178).
Exner/Schützenberger lassen letztlich offen, ob man es bei den Gemeinschaftsgärten mit politischen Rationalitäten in Hinblick auf gesamtgesellschaftliche Verbesserungen zu tun hat oder mit einer Politik des Lebensstils (in Hinblick auf Distinktionsgewinne beispielsweise durch Aneignung von öffentlichem Raum).
Auch wenn man sich ein genaueres Hinsehen auf die inklusiv wirkende Subsistenzpraxis in den Gärten durch den Austausch von Fähigkeiten, Produkten und Kenntnissen gewünscht hätte: Der Befund ist unbedingt ernst zu nehmen und im Übrigen nicht zu bezweifeln. Was sie bemängeln, betrifft dabei allerdings nicht die Politik der urbanen Gärten allein. Vielmehr weisen Sozialwissenschaftler_innen seit geraumer Zeit darauf hin, dass sich durch die Ausbreitung von Partizipation (zumal als Governance-Strategie) eine deutliche Verschiebung zugunsten der politischen Einflussnahme bürgerlicher Schichten ergeben hat. Dass sich in den Gemeinschaftsgärten die gesellschaftlichen Machtverhältnisse spiegeln, ist insofern kaum erstaunlich. Erstaunlicher ist, dass sie hier auch oft unterlaufen werden, auch dafür lassen sich vielfältig Beispiele anführen. Letztlich sind die Hemmschwellen, an einem urbanen Garten zu partizipieren, eben doch geringer, als sich z.B. an der Planung eines Stadtquartiers zu beteiligen. Im Berliner Allmende-Kontor sind jedenfalls auch nicht-deutschstämmige Anwohner_innen des Tempelhofer Felds mit von der Partie.

Eine weitere bedenkliche Entwicklung beschreibt Marion Ernwein in ihrem Aufsatz "Gemeinschaftsgärten und freiwillige Umweltarbeit – Die Aushandlung von Stellenwert und Bedeutung der Bürger_innenbeteiligung in der Herstellung von Grünraum". Sie stellt dar, wie die Aufnahme von urbanem Gärtnern in kommunale Programme in Genf erstens zu Verdrängung von sogenannten Familiengärten (vergleichbar mit deutschen Schrebergärten) sowie zweitens zur Ausdünnung staatlicher Verantwortung und Aktivierung von "Freiwilligenarbeit" führt. Gemeinschaftsgärten werden inzwischen bevorzugt gefördert, weil sie platzsparender sind. Dabei werden verschiedene, gerne auch ökologische, Kritiken an den Familiengärten mobilisiert, um den politischen Schwenk zu legitimieren. Dass auch bei dieser Politik die Mittelklasse gegenüber der Arbeiterklasse gewinnt, liegt auf der Hand. Während die Sozialabteilung zunehmend also Gemeinschaftsgärten favorisiert, hat die Grünraumabteilung weiter Vorbehalte und sinnt auf andere Formen der Bürger_innenbeteiligung. Das Engagement im Gemeinschaftsgarten könne nicht als Freiwilligenarbeit gewertet werden: Die machten nur was für sich, heißt es im Amt, nicht für die Allgemeinheit. Hier setzt man eher auf die Aktivierung freiwilligen Engagements bei der Parkpflege. Die zugehörigen Diskurse denunzieren Bürger_innen als "Nur-Komsumierende", deren Einstellung zu staatlichen Leistungen sich verändern müsse.
Ernwein zeigt, wie sich sukzessive eine neue Auffassung im Verhältnis Staat/Bürger über nationale Grenzen hinweg (hier: durch den Austausch Schweizer Beamten mit ihren Kollegen in den USA) etabliert. Insofern fasst die Autorin Freiwilligenarbeit als eine Technologie von Regierung, die Bürger_innen dazu bringt, ihre Rollen und Beziehungen mit dem Staat neu zu definieren.
Mit der Transformation von Bürger_innen zu Parkpflegenden geht die Produktion neuer Subjektivitäten entsprechend neoliberaler Ideale von Selbstverantwortung einher: Die Bürger dürfen sich an der Arbeit, aber nicht an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Martin Sondermann entwickelt in seinem Beitrag "Gemeinschaftsgärten, Gemeinwohl und Gerechtigkeit im Spiegel lokaler Planungskulturen" einen weniger pessimistischen Blick auf die Zusammenarbeit von Aktivist_innen mit lokalen Behörden. Ihn beschäftigt die Frage, inwieweit urbane Gärten als grüne Gemeinschaftsgüter fungieren und dem Gemeinwohl dienen können. Es geht um das Problem der eingeschränkten Zugänglichkeit und Nutzbarkeit (211) bei Club- und  Gemeingütern, das auch urbane Gartenprojekte betrifft. Gemeinschaftsgärten seien, so Sondermann, als Kontinuum zwischen privat und öffentlich, marktwirtschaftlich und staatlich zu sehen (212). Bezugnehmend auf Düsseldorf und Hannover, beides Städte, in denen die zuständigen politischen Gremien und Verwaltungen Gemeinschaftsgärten gegenüber positiv eingestellt sind und sich grundsätzlich in offenen und unterstützenden Haltungen üben, schildert er, wie städtische Beamt_innen darüber wachen, dass keine Vertreibung unliebsamer Nutzergruppen erfolgt – der Klassiker sind hier Konflikte mit Alkoholikern und/oder Obdachlosen – und sich dafür zuständig fühlen, »verbindliche Regelungen über die Befristung« auszuhandeln, um eine Privatisierung öffentlicher Räume zu vermeiden (220).
Sein Beitrag regt dazu an, die Frage um den öffentlichen Raum auch von Seiten der urbanen Gärtner_innen noch gründlicher zu durchdenken.

Alexander Follmann und Valérie Viehoff berichten in ihrem Beitrag "Das Politische eines Gemeinschaftsgartens – NeuLand in Köln als Experimentierort für urban commoning?" sowohl aus der Innenperspektive (Alexander Follmann) als auch aus der Außenperspektive (Valérie Viehoff) von fünf Jahren Gemeinschaftsgartenprojekt NeuLand in Köln.
Es geht um die Rekapitulation der Ausgangslage des Projekts und die Reflexion, an welchem Punkt man heute steht.
NeuLand verstand sich von Anfang an als »political gardening«. Mit dem Garten sollte sowohl ein politischer Akteur geschaffen werden, der sich in die Stadtpolitik einzumischen gedachte, als auch eine "real existierende Allmende". Dabei sahen sich die Aktivist_innen gleich mit dem Konflikt konfrontiert, zwar einen offenen und integrativen Raum schaffen zu wollen, aber auch Eingrenzungen vornehmen zu müssen. Darüber hinaus, so die Autorinnen, ergeben sich Konflikte aus den vielfältigen Berührungspunkten der real existierenden Allmende NeuLand mit den nach neoliberalen Prinzipien organisierten rechtlichen, sozialen und stadtplanerischen Rahmenbedingungen (244).
Die soziale bzw. die Klassenfrage begegnete den Neuländern schließlich bei der Vergabe der Beete: Angetreten waren sie mit dem Anspruch, alle Beete des Gartens gemeinsam bewirtschaften zu wollen, gemäß ihres politischen Statements, dass eine andere Stadt, dass eine Allmende möglich sei. Nachdem die Pflege der Beete jedoch gemeinschaftlich nicht mehr zu bewerkstelligen war, votierten sie nach heftigen Debatten für die Vergabe von "Privatbeeten", allerdings unter der Maßgabe, dass jede Beetbetreiberin sich zusätzlich zu ihrem eigenen um ein Gemeinschaftsbeet kümmern müsste. Es zeigte sich, dass diese Regelung dem Gemeinschaftsgarten ganz neue Mitglieder bescherte. Plötzlich beteiligen sich mehr Anwohner_innen und mehr Menschen mit Migrationshintergrund an der Gartengemeinschaft. Das Commoning-Prinzip hatte vorher also unbemerkt und unbeabsichtigt zu Ausschluss geführt, es hatte sich den – nicht dem Bildungsbürgertum zugehörigen – Anwohner_innen nicht vermittelt. Die Aufgabe eines hehren Prinzips – und Abstriche an der Allmende zu machen – führte in der Realität zu mehr Beteiligung und also in gewissem Sinne zu mehr Allmende. Dieses verblüffende Ergebnis gibt in der Tat zu denken.
Wie sie ihre Kritik an der kapitalistisch-neoliberalen Verwertungslogik (in Form von Grundstücksspekulation), die der Ausgangspunkt für die Gartengründung war, in die Planung eines Stadtentwicklungsprojekts einbringen, ist eine andere spannende Geschichte, die im Buch erzählt, hier aber nicht verraten wird.
Trotz der im Beitrag beschriebenen Widersprüche – in die man gerät, wenn man eine "realexistierende Allmende" in der neoliberalen Stadt schaffen will – kommen die Autor_innen insgesamt zu einem positiven Fazit: Da sich die Allmende jenseits von Markt und Staat verorte, biete sie eine neue Perspektive für ein Raumverständnis und die Organisation städtischer Räume jenseits der Dichotomie öffentlich/privat (236).
Und: Explizit politische Urban Gardening-Initiativen könnten die für post-demokratische Gesellschaften als typisch beschriebenen informellen Arrangements zwischen (Stadt-)Regierungen und wirtschaftlichen und politischen Eliten konterkarieren und kreativ neue Akteure schaffen, die versuchen, existierende Hegemonien zu demontieren und eine neue, gegen-hegemoniale Vorstellung von Stadt zu entwickeln (254).
Und: Gartenprojekte wie NeuLand zeigten, dass es möglich und notwendig sei, Commons als Alternative zur derzeitigen hegemonialen, neoliberalen, post-demokratischen Stadt(-Planung) zu denken und mit ihnen zu experimentieren, um eine gerechtere, grünere und nachhaltigere Stadt zu schaffen (255).

Fazit
Insbesondere der letzte Beitrag, wie das Buch insgesamt, bietet einen spannenden Einblick in die Gegenwart des Phänomens Urban Gardening. Die Bewegung wächst aus ihren Kinderschuhen heraus und wagt selbstbewusst selbstkritische Blicke auf die eigene Praxis. Die Diskussionen, der kritische Blick auf sich selbst, macht deutlich, hier reflektieren Aktivist_innen ihre Praxis. Sie thematisieren die Schwierigkeiten, widerständig zu bleiben in einer Umgebung, die sich jeden Widerstand sofort anzueignen sucht; und zwar nicht dadurch, dass sie ihn zerstört, sondern indem sie ihn schlicht verdreht. Sie blicken auf die eigenen blinden Flecke, wie sich unversehens Ausschlüsse entlang der sozialen Lage einschleichen, die man nicht bemerkt (NeuLand) oder auch billigend in Kauf nimmt, weil die Auseinandersetzungen mit Randgruppen auch anstrengend sind. Die Perspektive aus der Innensicht einer Bewegung bzw. aus interessierter und informierter Perspektive kommt erfahrungsgesättigt daher. Die Autor_innen sind fast alle nah an ihrem Gegenstand, sie wissen, wovon sie sprechen, sie sprechen aus Erfahrung, verstehen es aber auch, immer wieder Abstand zu gewinnen. Sie thematisieren die Ambivalenzen, um besser mit ihnen umgehen zu können. Sie ringen um Wege, sich nicht vereinnahmen zu lassen von der neoliberalen Stadt. Sie wissen, dass die Gefahr der Vereinnahmung groß ist und versuchen sie zu bannen, indem sie sie offenlegen, sie reden sie nicht klein. Sie thematisieren die Widersprüche ihrer Praxis, die Widersprüche, mit denen sie umgehen müssen, in denen sie sich bewegen. Es ist ein spannendes Buch, das die Finger in manche Wunde legt. Insbesondere ist spannend, wie die einzelnen Beiträge explizit oder implizit aufeinander Bezug nehmen, aufeinander antworten, sich mitunter auch widersprechen. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass hier verschiedene Perspektiven versammelt wurden. Dass man in diesem Buch verhältnismäßig wenig von den Potentialen urbaner Gemeinschaftsgärten erfährt, verdankt sich der erklärten Absicht der Herausgeber_innen, einen kritischen Blick auf die Projekte und ihre Umgebungen werfen zu wollen. Eine genaue Analyse der Prozesse neoliberaler Vereinnahmung als ein notwendig ambivalentes Geschehen im Kapitalismus, und damit eine Antwort auf die Frage, wie nicht-kapitalistische Formen verteidigt werden können, halten jedoch auch sie nicht bereit.
Manche Dinge hätte man gerne noch genauer gewusst, beispielsweise welche Projekte wohl gemeint sind, wenn von "stylischen Gärten" die Rede ist, die eine Vereinnahmung leichter ermöglichen als andere. Oder inwiefern sich die Spaltung zwischen den älteren Interkulturellen Gärten einerseits und neuen "stylischen" Gärten verschärft? Sollte diese Spaltung tatsächlich existieren, wäre sie einer genaueren Betrachtung doch eigentlich wert gewesen.
Alles in allem: ein spannendes Buch, ein wichtiges Buch, zum Lesen unbedingt zu empfehlen!

Sarah Kumnig / Marit Rosol / Andrea*s Exner (Hg.) (2017):
Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten.
268 Seiten, kart., zahlr. Abb., erschienen in der Reihe Urban Studies, transcript Verlag
ISBN 978-3-8376-3589-8, EUR 29,99
http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3589-8/umkaempftes-gruen
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Boden dem Markt entziehen

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Weil es so wichtig ist, Grund und Boden dem reinen Marktstreben zu entziehen und ihn für gemeinnützige Aktivitäten der Zivilgesellschaft vorzuhalten, ist die anstiftung Erstunterzeichnerin der Schwerter Erklärung der Stiftung trias. Die Erklärung warnt u.a. vor den Folgen zunehmender Spekulation mit Grund und Boden für den sozialen Frieden und plädiert für eine kommunale Liegenschaftspolitik, die den Zugang und das Nutzungsrecht an Boden auch für die Zivilgesellschaft sicherstellt.
http://www.stiftung-trias.de/fileadmin/user_upload/Schwerter_Erkla%CC%88rung.pdf
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Greenwashing

Greenwashing
Wenn ein Konzern Widerstandspraxen der Zivilgesellschaft nachahmt und in sein Marketingsystem integriert: Christa Müllers Kolumne in der Frankfurter Rundschau zum Thema Greenwashing.

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Gerda Münnich ist tot

Gerda Münnich ist tot
Am Mittwoch vor Ostern ist Berlins älteste Gartenaktivistin gestorben. Die Mitgründerin des Allmende-Kontor und des Interkulturellen Wuhlegartens wurde 78 Jahre alt. Wir veröffentlichen den Abschiedsbrief eines Berliner Gartenaktivisten und danken Gerda für ihren unermüdlichen Einsatz für die Bewegung der Gemeinschaftsgärten:

Liebe Gerda,

ich muss mich bei Dir bedanken. Leider ist es zu spät, es Dir persönlich zu sagen, denn Du bist heute von uns gegangen. Dennoch möchte ich nicht stumm bleiben.

Ich habe Gärten in mein Herz geschlossen, da ich dort Menschen wie Dich getroffen habe, die mich in ihrem Glauben an ein solidarisches, ökologisches und friedliches Miteinander und ihrem Engagement dafür inspiriert haben. Und so werde ich mich mit Dir immer tief verbunden fühlen. Du bist zweifellos meine Berliner Garten-Großmutter. Und von der möchte ich mich gebührend verabschieden.

Du hast mir geholfen, in Berlin anzukommen und mein „Garten-Zuhause“ zu finden. Du hast es mir ermöglicht, Berlin in seinen historischen, politischen und sozialen Dimensionen besser zu verstehen. Du hast mir und aberhunderten anderen geholfen, die Berliner Gärten kennenzulernen und uns eingeladen mitzumachen. Du warst eine der tragenden Persönlichkeiten, die es ermöglicht hat, dass das Allmende-Kontor Wirklichkeit wurde. Niemand hat wie Du, mit Deinem schier unendlichen Elan für Gemeinschaftsgärten zu kämpfen, für mich die Vernetzungsidee des Allmende-Kontors so stark verkörpert. Dir war das Wohl und das Gedeihen einer interkulturellen Gemeinschaft von Jung und Alt sowie Arm und Reich immer wichtig. Deshalb war Dir der Dorfplatz des Gartens stets am Herzen gelegen und er erscheint mir jetzt wie ein Monument für Dein Lebenswerk. Doch ich habe Hoffnung, wir werden es schaffen, Dir zu Ehren und in Erinnerung an die „Grande Dame der Berliner Gärten“ auf dem Tempelhofer Feld auch noch „Deine“ Tanzlinde zu pflanzen.

Keiner kennt die Berliner Gärten so gut wie Du, denn Du hast sie immer begleitet, viele Interkulturellen Gärten und auch die Berliner Gartenkarte sind mit Deiner Hilfe entstanden. Du hast unermüdlich alle Chancen genutzt, von der Bedeutung und der Kraft der Gärten zu erzählen. Dein Idealismus kannte keine Grenzen und gleichzeitig hast Du immer Weitblick bewiesen.

Einen Satz von Dir werde ich nie vergessen: „Gärten sind Überlebensorte“. Du wolltest mir damit sagen, wie überlebensnotwendig Gärten für Menschen sein können, insbesondere dann, wenn sie mit Krankheit, Flucht oder anderen Schicksalsschlägen zu kämpfen haben. Dein treuer Einsatz für die Gartenbewegung lässt erahnen, was Dir die Gärten bedeutet haben. 

Wir haben damals am ersten Tag des Allmende-Kontor Gemeinschaftsgartens wegen Dir eine Bank an unser Beet gebaut. So, wie die Beete und Bänke sich massenhaft verbreitet haben, so gedeiht Dein Wunsch nach mehr Gärten in der Stadt. Du bist heute gestorben, aber Deine Vision „Ganz Berlin ein Garten“, die lebt weiter.

Ruhe in Frieden.

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Neuland gewinnen

Neuland gewinnen
Wer Neuland gewinnt, verändert die Gesellschaft. Das geschieht, indem das gesellschaftliche Miteinander neu begründet oder die Lebensqualität vor Ort verbessert wird. Dabei sind es nicht immer die großen Entwürfe in die Zukunft, um die es geht, sondern es ist die mühsame Arbeit, ein leeres Gebäude wieder mit Leben zu füllen, einen alten Bahnhof in Gang zu bringen oder die Nachbarn zu einer Fahrgemeinschaft zu bewegen. Nach mehr als zwei Jahren ziehen die ersten von der Robert Bosch Stiftung geförderten „Neulandgewinner“ Bilanz. Ihre MentorInnen haben in dem schön gestalteten Buch ihre Erfahrungen ausgewertet, um auch andere zum Neuland gewinnen anzustiften. Hier geht’s zum Buch.
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DUH sucht "Gärten der Integration"

DUH sucht "Gärten der Integration"
Der Wettbewerb „Gärten der Integration“ der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sucht Projekte und Initiativen des urbanen Gärtnerns, die geflüchtete Menschen einbeziehen oder von Geflüchteten initiiert wurden. Dazu gehören Gartenprojekte aller Art, wie z.B. Kleingärtnervereine, Gemeinschaftsgärten mit Flüchtlingsarbeit, Interkulturelle Gärten oder Gärten auf dem Gelände von Flüchtlingsunterkünften.
Weitere Infos unter: www.duh.de/gaerten-der-integration
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Jetzt online ansehen: Eine andere Welt ist pflanzbar (Teil 5)

Jetzt online ansehen: Eine andere Welt ist pflanzbar (Teil 5)
Der neue Film von Ella von der Haide ist eine Reise zu sieben Gemeinschaftsgärten in Deutschland: Gemeinschaftsgarten Annalinde Leipzig, Keimzelle und Hof vorm Deich Hamburg, Interkultureller Frauengarten OberhausenExperimentier- und Wabengarten des Ökologischen Bildungszentrums München, Interkultureller Garten Aalen.

Wir lernen die Projekte in ihrer städtischen Umgebung kennen und begleiten sie über ein Jahr hinweg durch die vier Jahreszeiten: vom Säen über das Ernten bis zur Winterarbeit. Der größte Gemeinschaftsgarten umfasst zwei Hektar und der kleinste gerade einmal 150 Quadratmeter.


In den Gärten treffen sich Menschen aus verschiedenen Generationen und aus den unterschiedlichsten Milieus der Gesellschaft – vom Kindergartenkind bis zur Rentnerin, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Sie gärtnern als Hobby, um sich selbst zu ernähren oder um Wissen weiterzugeben. Für einige ist es eine Form des politischen Protests oder der Stadtgestaltung, für andere ist es die Therapie, die sie am Leben hält, wieder andere verdienen hier ihren Lebensunterhalt. Geflüchtete berichten selber, warum Interkulturelle Gärten für sie auf so vielfältige Weise wichtige Orte des Ankommens in ihrem neuen Leben sind.

In den Gemeinschaftsgärten werden viele Themen konkret umgesetzt: der Erhalt traditioneller Nutzpflanzen und die Weitergabe alter Handwerkstechniken, Ernährungssouveränität, partizipative Stadtgestaltung, therapeutische Heilung durch das Gärtnern, Gestaltung von Allmenden oder Commons, Inklusion von Migrant*innen, Unterstützung von Flüchtlingen, Erproben neuer alternativer und kollektiver Ökonomien und noch vieles mehr.

Die Gemeinschaftsgärten sind Orte gesellschaftlicher Transformation und der Visionen, in denen eine sozial gerechte, basisdemokratische, inklusive und ökologische Gesellschaft experimentell erprobt wird. 
Dieser Film inspiriert wie die Gärten selber!

Regie: Ella von der Haide
Kamera: Sanne Kurz
Produktion 2016: anstiftung und Eine andere Welt ist pflanzbar! 

Die Vorführung und Vorführungsrechte sind kostenfrei für soziale Projekte. Bei Interesse bei uns melden, dann schicken wir einen Downloadlink zu einer hochauflösenderen Version oder eine DVD bzw. Blu-Ray.

> mehr Infos zum Film und Ella von der Haide
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Von rotem Meier und gutem Heinrich

Von rotem Meier und gutem Heinrich

Wer diese Kerle sind und was sie mit dem Gärtnern am Hut haben, erklärt Diplom-Biologe Eike Wulfmeyer in einer zweiteiligen Webinarreihe über alte und neue Nutzpflanzen. Eike beschäftigt sich seit seiner Jugend mit naturnahem Gartenbau. Zur Zeit hält er für das Gartennetzwerk Urbanes Grün Köln Vorträge und Vor-Ort-Sprechstunden zu gärtnerischen Problemen und betreut die Saatgutsammlung des CampusGartens an der Universität zu Köln.

Im ersten Teil des Webinars stellt er verschiedene Nutzpflanzen vor, die in den letzten Jahren zunehmend angebaut wurden, und erklärt ihre Ansprüche, Mischkulturmöglichkeiten und Saatgutgewinnung. Wo Informationen zu Anbau, Verwendung und Vermehrung bei alten Sorten wie Roter Meier, Guter Heinrich, Speisechrysantheme, Choi Sum, Zitronengras, Lupine und Co rar gesät sind, bringt Eike Licht ins Dunkel. Im zweiten Teil geht es speziell um Kürbisgewächse. Hier stellt der Referent Wissenswertes über Kalebasse, Minigürkchen, Trompetenzucchini, Feigenblattkürbis, Wassermelonen, Luffa und Verwandte vor. Neben Vorkultur- und Verwendungstipps liegt diesmal ein besonderer Schwerpunkt auf der sortenreinen Vermehrung der in dieser Hinsicht oft problematischen Familie.

 

Zum Webinar-Video sowie zur Präsentation bitte hier entlang.

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Neue Bauernregeln und alte Fronten

Neue Bauernregeln und alte Fronten
Das Bundesumweltministerium startete neulich eine Kampagne mit neuen Bauernregeln - u.a. "Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt." oder „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.“

Ministerin Barbara Hendricks betont dabei (Rede als Text), wie wichtig die breite Diskussion über eine soziale und ökologische Landwirtschaft ist: 
 

Es ist erschreckend, wie Hendricks seitdem angegangen wurde. Die Verfechter der chemisch-synthetischen Landwirtschaft sehen rot. Ganz vorne dran der Bauernverband ("Schließt der Bauer Hof und Stall, brachten Umweltauflagen ihn zu Fall.") und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt: "Eine steuerfinanzierte Kampagne, die die Diffamierung eines gesamten Berufsstandes mindestens in Kauf nimmt, gehört meiner Ansicht nach nicht in den Instrumentenkasten guter Regierungskommunikation. Ich fordere Sie auf, die Kampagne sofort zu beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen." - hier die Antwort von Hendricks.

In den sozialen Medien haben sich die Trolle der Agrarlobby in Stellung gebracht. Und wir Naivlinge hatten schon fast geglaubt, es gäbe ein Umdenken hin zu zukunftsfähiger Landwirtschaft. Aber eines muss man der Bundesumweltministerin lassen: Die Diskussion ist in Gang gekommen.
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Bambis Beet stirbt

Bambis Beet stirbt
Der Gemeinschaftsgarten vor dem Freiburger Stadttheater war eines der inspirierendsten Beispiele für das Zusammenspiel von urbaner Subsistenz und künstlerischer Produktion. Das gemeinsame Tätigsein im Schatten des monumentalen Theaterbaus mitten in der Innenstadt hat in den vergangenen vier Jahren viele Grenzen überwunden und Türen geöffnet. Mit dem Wechsel in der Intendanz muss der Garten nun weichen. Graham Smith, Initiator und Leiter von Bambis Beet, erläutert die Hintergründe.
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Ökofeminismus

Ökofeminismus
Das Buch erschien erstmals vor mehr als 25 Jahren. Maria Mies und Vandana Shiva analysierten in ihren Studien systematisch und faktenreich den Zusammenhang (post)kolonialer, naturzerstörender und frauenmissachtender Gewalt und bewiesen eine erstaunliche analytische Weitsicht. Denn die dargestellten Probleme sind seither nicht verschwunden, sondern haben sich im Gegenteil weiter verschärft. Die weltweit bekannten Vertreterinnen des Subsistenzansatzes schildern aber auch, wie sich Frauen, besonders im Globalen Süden, phantasievoll und erfolgreich zur Wehr setzen. Sie zeigen, dass eine bessere Welt nicht nur notwendig ist, sondern längst begonnen hat sich zu formieren. Das Buch kann sowohl wachstumskritische wie auch postkoloniale Überlegungen und Bewegungen inspirieren und erscheint deshalb auch passend zum „Material Turn“ im Feminismus. >> mehr zum Buch
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Postindustrielle Akteure

Postindustrielle Akteure
Menschen tun sich zusammen, um Bauanleitungen für mobile Solarkraftwerke zu entwickeln oder komplexe Landwirtschaftsmaschinen, die dann umsonst und für alle ins Netz gestellt werden. Und das sind nur zwei Beispiele von sehr vielen. Warum sie dies tun und was das über unsere Gesellschaft aussagt, bespricht Christa Müller im Interview mit dem Deutschlandfunk.
Foto: Falk Messerschmidt
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Alles andere als unpolitisch

Alles andere als unpolitisch
Eine international vernetzte, technophile Szene entwickelt nicht nur freie Software, sondern auch offene Hardware, die für alle zugänglich ist und ökologisch Sinn macht. Genossenschaften neuen Typs erproben postkapitalistische Wirtschaftsformen und entkommerzialisieren Wissen. Politik manifestiert sich hier im Handeln selbst… Hier geht`s zum kompletten Artikel von Christa Müller in der Frankfurter Rundschau.
Foto: Falk Messerschmidt
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