Tipps gegen Vandalismus


Diese Praxissseite stellt einige Methoden gegen Vandalismus vor, die sich in den genannten Gartenprojekten bewährt haben. Sicherlich sind diese Erfahrungen nicht auf alle Projekte übertragbar. Ausgangsbedingungen, Lage, Einbettung, Nachbarschaft und auch die rechtlichen Möglichkeiten, z. B. einen Zaun errichten zu dürfen, sind zu unterschiedlich. Doch können die hier beschriebenen Erfahrungen und Ansätze ggf. Planungs- und Handlungsideen geben, die angepasst an Lage, Vorgeschichte und die lokalen Gegebenheiten auch an anderen Orten hilfreich sein könnten.

Sehr gerne nehmen wir weitere Tipps und Erfahrungen mit auf. Bitte schickt uns dazu einfach eine E-Mail, gerne auch Bilder: gudrun.walesch@anstiftung.de

Vandalismuserfahrungen machen hauptsächlich Gartenprojekte, die auf Brachen und als Teil öffentlicher Parks entstehen. Fast alle Flächen, auch die Brachen, wurden bereits vorher genutzt. So sind Brachen z.B. beliebt als Hundeauslaufflächen, als Schleichwege und Abkürzungen. Jugendliche feiern hier ihre Partys und ab und zu ist hier der Zugang zu Häuserwänden möglich, die Jugendliche gern mit Graffiti versehen wollen. Die Flächen in Parks waren bisher eher Liege-, Spiel- und Picknickflächen.


Information und Einbezug der VornutzerInnen
Wenn man eine Fläche gefunden hat, ist es ratsam, vor dem Start mit den NachbarInnen/AnwohnerInnen – inklusive der Stadtteilkinder und -jugendlichen – über das Vorhaben ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, was bisher auf der Fläche läuft. Miteinander sollte überlegt werden, ob und ggfs. wie diese Nutzungen sich integrieren lassen oder welche Ausweichmöglichkeiten es gibt.
Möglichst früh sollte ein aufgestelltes Schild über das Vorhaben informieren (z.B. Interkultureller Nachbarschaftsgarten) und zum Mitmachen einladen (Name des Projekts und Kontaktdaten wie Telefonnummer und/oder E-Mail-Adresse).
Zeitnah mit der Öffentlichkeitsarbeit beginnen, z.B. Informationsveranstaltungen und Feste auf der Fläche durchführen, NachbarInnen direkt dazu und natürlich zum Mitgärtnern einladen, auch die Presse - möglichst viele Leute und Einrichtungen mit ins Boot holen.

Beispiel Rosa Rose: Die Fläche des Gemeinschaftsgartens war früher Tummelplatz und Auslauffläche für Hunde. Für sie gab es im Kiez kaum andere Orte. Die Gartengruppe und die „Herrchen/Frauchen“-Gruppe taten sich zusammen und fanden eine Lösung! Die Fläche wird von allen gleichberechtigt genutzt. Auf der einen Seite entstand der Nachbarschaftsgarten, auf der anderen Seite – getrennt durch einen Zaun – ein Hundeplatz.

Gartengestaltung

Vandalismus 1aSkizze Bürgergarten LaskerwieseBewusste Wegeführung verhindert beim Bürgergarten Laskerwiese in Berlin Friedrichshain, dass der Garten weiterhin als Schleichweg benutzt wird. Der Garten entstand auf einer Brache, die vorher u.a. als Abkürzung zwischen zwei Straßen diente. Er liegt zudem auf einem „Party-Durchgang“ zu bestimmten Clubs. Um in Zukunft Abkürzungen über die Fläche zu vermeiden, legten die GärtnerInnen eine Art bepflanzte Hügellandschaft. Und die Garteneingänge wurden so gelegt, dass sie nicht gleich sichtbar sind und sich somit gar nicht mehr für Wegeabkürzungen anbieten.

Eine andere Lösung für das „Abkürzungsproblem“ hat der Internationale Garten in Göttingen Geißmar gefunden. Der Garten entstand auf einer Brache und die Fläche liegt von der Straße aus gesehen zurückgesetzt. Zur Straße hin befinden sich noch eine Baumreihe und ein Stück öffentliches Grün. Der Garten liegt zwischen einer Bushaltestelle und benachbarten Wohnhäusern. Die BewohnerInnen gingen bis zur Einrichtung des 4.500 m² großen Gartens über die Fläche zur Bushaltestelle. Die Gartengruppe hat auf der einen Seite des Gartens einen ca. sechs Meter breiten Durchgang frei gelassen, und es gibt keinen Zaun zwischen dem „Durchgangsstreifen“ und den restlichen Flächen des Gartens. D. h. die AnwohnerInnen laufen an dem offenen Garten vorbei zur
Bushaltestelle. Shimeles Tassew, einer der Ansprechpartner für das Gartenprojekt, sagt, dass das sogar ein guter Schutz für den Garten sei, wenn NachbarInnen öfter am Tag direkt am Garten entlanglaufen und ihn im Blick haben. Wenn die Fläche groß genug ist, kann es helfen, vorhandene Abkürzungs- und Durchgangswege zu erhalten.
Wenn Häuserwände an den Garten grenzen, ist es am besten, die Beete nicht bis an die Wände zu bauen. So kann verhindert werden, dass Jugendliche, die die Wände für Graffiti nutzen, die Beete beschädigen.

Zäune
Querbeet Altenkirchen; Skizze: Conny ObenauerQuerbeet Altenkirchen; Skizze: Conny Obenauer Die meisten Gärten haben einen Zaun. Höhe, Materialien und Durchlässigkeit sind dabei unterschiedlich. Es gibt einige wenige Gärten, die gar keine Zäune haben, neben dem Interkulturellen Garten in Göttingen Geißmar u.a. auch der Interkulturelle Garten in Marburg/Stadtwald (der am Stadtrand liegt), Querbeet in Altenkirchen, der rundherum begrünt und eingegrenzt ist von Privatflächen (Kindergarten, Altenheim, Gewerbebetrieb). Das Grundstück liegt nicht im Zentrum der Stadt. AnwohnerInnen des Stadtteils nutzen den Pfad durch den Garten für ihre Spaziergänge.

Auch der Interkulturelle Mehrgenerationengarten in Lippstadt hat keine Zäune. Das Gartenprojekt befindet sich auf dem Gelände des Stadtteilzentrums „TAP – Treff am Park“ und schafft mit einigen grünen Gestaltungselementen wie begrüntem und terrassiertem Hügel Sichtschutz und Abstand zwischen Beeten und Straße.
Eine Karte des Gartens findet sich hier: http://www.tap-skm.de/mehrgenerationengarten.html

Schilder, Foto: Frauke HehlSchilder, Foto: Frauke HehlEinige Gartenprojekte wollen oder dürfen keine Zäune errichten. Im Wriezener Freiraumlabor (Berlin Friedrichshain) werden gute Erfahrungen damit gemacht, statt eines Zaunes bunte Wäscheleinen mit schönen Gartenfotos und Informationen zur Markierung der Fläche zwischen Pfosten zu hängen:

Der Friedengarten in Göttingen Grone markierte eine Fläche ebenfalls mit Pfosten, zwischen denen jeweils zwei Latten angebracht wurden. Da, wo andere Tore haben, befindet sich hier ein offener Durchgang.
Einige Gärten haben zwar Zäune und Tore, doch stehen letztere immer offen.

Weidenzaun, Interkultureller Garten Hamburg Wilhelmsburg; Foto: Shimeles			Weidenzaun, Interkultureller Garten Hamburg Wilhelmsburg; Foto: Shimeles  Oder Drahtzaun, Bewohnergarten München Berg am Laim; Foto: MAGsDrahtzaun, Bewohnergarten München Berg am Laim; Foto: MAGs die Zäune sind so niedrig, dass sie schnell zu überwinden sind, wie in den Bewohnergärten in München Berg am Laim oder im Interkulturellen Garten in Hamburg Wilhelmsburg. Das Gartenprojekt hatte lange Zeit keine Zäune, doch dann kamen häufiger Gegenstände abhanden und immer mehr Hunde zu Besuch. Jetzt gibt es an einer Seite einen Maschendrahtzaun und auf einer anderen einen niedrigen, aus Weiden geflochtenen, Zaun.

Der Interkulturelle Garten in München Schwanthaler Höhe und der Interkulturelle Garten der Künste in Berlin Schöneberg konnten erst richtig loslegen, nachdem die GärtnerInnen die Fläche umzäunt hatten. Erst mit dem Zaun wurde das Gartenprojekt als eigenständiger Raum mit einer definierten Nutzung sichtbar und akzeptiert. In München/Schwanthaler Höhe grenzt der Garten direkt an eine Sportfläche für Kinder und Jugendliche. Ohne den Zaun verlagerten sich die sportlichen Aktivitäten immer wieder in den Garten. Natürlich kann jeder Zaun auch überwunden werden, doch auch niedrige Zäune, die eher symbolischen Charakter haben, helfen offensichtlich dabei, das Gartenprojekt als Gartenprojekt wahrnehmbar zu machen.
Der Garten muss nicht nur aus Beeten bestehen, sondern er kann auch zum Verweilen einladen, z.B. durch Bänke und Flächen, auf denen Decken ausgebreitet werden können. Der Interkulturelle Gemeinschaftsgarten des Berliner Allmende-Kontors bietet neben den vielen Beeten auch eine Fülle von Sitz- und Verweilmöglichkeiten.

Präsenz zeigen
Gärten, in denen sich oft Menschen aufhalten, die offen und einladend wirken, haben seltener Probleme mit Vandalismus.

Weitere Tipps:
Vanadalismus 6nFoto: Gudrun Walesch Vanadalismus 7nFoto: Kerstin StelmacherJeden Tag einmal das Gelände inspizieren und bekannt machen, dass in direkter Nachbarschaft GärtnerInnen mit Blick auf den Garten wohnen, also immer jemand ein Auge drauf hat.
Schilder aufstellen, die z.B. kurz erläutern, dass es ein Garten von NachbarInnenn für NachbarInnen ist und auf denen eine E-Mail und/oder eine Telefonnummer steht. Damit kann man den Charakter als Ort für die Nachbarschaft/den Stadtteil deutlich machen. Beispiel: Ton, Steine, Gärten, der Interkulturelle Nachbarschaftsgarten am Mariannenplatz in Berlin Kreuzberg oder der Kiezgarten in Berlin Prenzlauer Berg.

Eingebunden sein
Der Interkulturelle Mehrgenerationengarten Lippstadt ist auf einer öffentlichen Fläche entstanden und Teil des Angebots vom Stadtteilzentrum TAP. Er bietet neben den Beeten eine große Wiese für alle, ein Schachfeld und eine Boulebahn, einen Grillplatz für die Nachbarschaft und sogar eine Bühne. Die GärtnerInnen wohnen in unmittelbarer Nähe, manche haben aus ihrem Wohnzimmer einen direkten Blick auf den Garten oder bauen einen Besuch des Gartens in die Runden ein, die sie mit ihren Hunden drehen.
Die InitiatorInnen des Interkulturellen Mehrgenerationengartens München Milbertshofen sind vor dem Aufbau des Gartens von Haustür zu Haustür gegangen und haben die AnwohnerInnen mit der Projektidee vertraut gemacht und sie einbezogen. Auf der Fläche steht ein Pavillion, der fast rund um die Uhr für Kurse, Veranstaltungen und Feiern – auch von der Nachbarschaft - genutzt wird.

Gemüse wird geklaut
Gemüsediebstahl kommt immer mal wieder vor. Eventuell helfen bestimmte Maßnahmen, sie einzudämmen. Neben gut sichtbaren Infoschildern könnte z.B. – wie im Interkulturellen Garten in Marburg Stadtwald geschehen – ein „Garatisbeet“ angelegt werden. Hier sammeln sich alle überzähligen Setzlinge und Pflänzchen, und jede/jeder, der möchte, kann kommen und ernten. Neben dem Beet steht ein großes Schild mit diesem Text:

Liebe BesucherInnen
Dies ist unser „Gratis“-Garten.

Hier wachsen die Samen und Pflanzen, die die GärtnerInnen des Interkulturellen Gartens übrig haben. Unser Geschenk an alle, die gern Gemüse und Kräuter essen. Aus diesem Beet (bitte nur aus diesem!) könnt Ihr ernten, was Ihr wollt.

Natürlich könnt Ihr auch bringen, was Ihr zu viel habt. Damit kann der Garten noch weiter wachsen.

Die Gärtnerfamilien aus den Interkulturellen Gärten

Vandalismus 11Schild im Rosenduftgarten; Foto: Gudrun Walesch Im Bürgergarten Laskerwiese in Berlin hatten die GärtnerInnen nach wiederholtem Ernteklau die Idee, den betroffenen Beeten eine persönliche Note zu geben, und zwar durch einen bemalten Stein, ein Namensschild oder ein Schild mit einer kleinen Ansprache (ähnlich dem Schild im Interkulturellen Garten in Marburg/Stadtwald).
Auch im Rosenduftgarten in Berlin macht ein Schild auf unerwünschtes Ernten aufmerksam.

Verunreinigungen
Je nachdem wo ein Gartenprojekt liegt und wie zugänglich es ist, kann es passieren, dass die Fläche abends und nachts für Alkohol- und anderen Drogenkonsum genutzt wird. Bei Rosa Rose hat die Gartengruppe eine Spritzenbox von der Drogenberatung besorgt, um gebrauchte Spritzen fachgerecht und unschädlich entsorgen zu können.
Foto: Frauke HehlFoto: Frauke Hehl Beim Bürgergarten Laskerwiese hat es sich bewährt, dass auf dem Gesamtgelände auch Sportflächen eingeplant wurden. „Wo aktive Sportler das Gelände (möglichst lange in den Abend hinein, am besten beleuchtet) nutzen, lassen sich weder Alkis noch Junkies noch Dealer gern sehen“ sagt eine der Verantwortlichen des Gartenprojekts. Außerdem halfen neben Müllbehältern befestigte kleine Mülltüten (Rolle) mit dem Hinweis an die HundebesitzerInnen, diese doch bitte zu nutzen.
„Pinkelecken“ sollte man schon planerisch vermeiden. Das ist dann einfach, wenn die Fläche insgesamt neu gestaltet wird. Ansonsten kann man versuchen, mit Schildern darauf hinzuweisen.
Einige Gärten bitten auf freundlichen Schildern darum, dass Hunde die Fläche nicht verunreinigen. Bewährt auch es sich jedoch auch, die HundehalterInnen direkt und freundlich anzusprechen, wie im Wriezener Freiraumlabor in Berlin Friedrichshain:

Schlösser besser vermeiden
Mit Schlössern verschlossene Gartentore können einen Anreiz zum Aufbrechen liefern. Das ist zumindest die Erfahrung in einigen Gartenprojekten.
Natürlich kann man überlegen, ob anstelle eines Schlosses mit Schlüssel oder Zahlencode mit Alternativen, z.B. mit Vierkant oder Kontermuttern, gearbeitet werden kann. Natürlich ist auch das nicht immer wirksam.
Vielleicht ist eine unverschlossene Tür die beste Alternative, weil sie so unattraktiv ist.

Diese Praxisseite entstand auf Initiative und unter Mitwirkung von Frauke Hehl.

Kontakt: info@workstation-berlin.org