Umgang mit studentischen Arbeiten

Ausgangssituation – Forschungsinteresse an urbanen Gärten

Viele Gartenprojekte erhalten eine seit Jahren wachsende Anzahl von Anfragen zu Studienarbeiten. Auf der einen Seite freut uns das akademische Interesse. Andererseits machen Gärten die Erfahrung, dass die Zusammenarbeit viel Zeit und Ressourcen in Anspruch nimmt, umgekehrt der aus den Arbeiten hervorgehende Erkenntnisgewinn oft begrenzt ist. Dabei ist zu beachten, dass die für Betreuung, Interviews, Koordinierung und Bereitstellung von Informationen durch die Gärten aufgewandte Zeit im Unterschied zur Betreuung an Universitäten meist ehrenamtlich ist.

Weil wir das akademische Interesse einerseits gerne unterstützen und fördern möchten, aber andererseits unsere Zeit-Ressourcen auch nicht überstrapazieren können, dokumentieren wir weiter unten einige Tipps, Literaturhinweise bzw. Auflistungen bereits existierender studentischer Arbeiten, um Doppelungen und Wiederholungen zu vermeiden.

Literaturhinweise, Internetquellen und Forschungsarbeiten

Oftmals werden Forschungsanfragen gestellt ohne vorherige Sichtung der Literatur und bereits vorhandener Forschungsarbeiten. Die anstiftung sowie das Allmende-Kontor und Stadtacker haben ausführliche Linkssammlungen, Literaturhinweise und Auflistungen bzw. hochgeladene Forschungsarbeiten auf ihren Internetseiten, die gesichtet werden sollten, bevor Gärten für Interviews angefragt werden.

Ein Praxisbeispiel – Prinzessinnengarten

Ein Garten, der sehr viele studentische Anfragen erhält, ist der Prinzessinnengarten. Da der Prinzessinnengarten Forschungsarbeiten als wichtige Ressource ansieht, wurde ein partizipativer und praxisorientierter Forschungsansatz entwickelt, der gleichermaßen für den Garten wie die Studierenden interessant sein kann. Dieser Ansatz basiert auf folgenden Voraussetzungen:

Gemeinsame Erarbeitung des Forschungsdesigns

Fragestellung und Methoden sollten im Vorfeld mit den Gärten zusammen erarbeitet werden. So können Gärten auch Themen einbringen, die von spezifischem Interesse sind und so dem Garten von direktem Nutzen sein können.

Neuartigkeit der Ergebnisse

Im Vorfeld sollte es eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Literatur und Forschungsarbeiten zu urbanen Gärten geben. So kann eine Wiederholung bereits erarbeiteter Ergebnisse vermieden werden. Stattdessen kann auf vorhandenen Forschungsergebnissen aufgebaut und diese weiterentwickelt werden. Wünschenswert ist dabei auch die Berücksichtigung internationaler Beiträge.

Einbettung der Arbeit in die konkrete Praxis

Insbesondere die Arbeiten, die sich mit den sozialen Interaktionen, Kommunikations- und Organisationsstrukturen auseinandersetzen, sollten auf der Grundlage einer genauen Kenntnis der komplexen, oft informellen Zusammenhänge in urbanen Gärten erarbeitet werden. Hierzu empfiehlt sich ein direktes Mitwirken in den Gärten über einen längeren Zeitraum. Konkret wird eine kontinuierliche Zusammenarbeit von mindestens drei Monaten empfohlen. Das kann auch – ganz im Sinne der Handlungsforschung - eine zusätzliche Arbeitskraft für den Garten bedeuten.

Vermittlungstätigkeit

Da unsere Gärten oft Wissensvermittlung als hohe Priorität haben, sollten die Forschungsergebnisse auch in einer Form erarbeitet werden, die nicht allein den akademischen Ansprüchen genügt, sondern auch den niedrigschwelligen Charakter der Gärten widerspiegeln. Teil jeder Forschungsarbeit kann die Frage sein, wie sich die Ergebnisse gegenüber anderen Zielgruppen kommunizieren lassen (NutzerInnen, Freiwillige, Verwaltung, allgemeine Öffentlichkeit) und welche Kommunikationsformen hierfür angemessen sind, z.B. Ausstellungen, Kartierung, Performance, didaktische Lernmaterialien…

Zugänglichkeit der Ergebnisse

Die Studienarbeiten sollten nicht nur den beforschten Orten zugänglich gemacht werden. Sie sollten darüber hinaus auch von der breiteren Öffentlichkeit einsehbar sein und darauffolgenden Forschungsarbeiten als Orientierung dienen. Hierzu bieten sich beispielsweise die Seite der anstiftung oder stadtacker.net an.

Mitwirken an interdisziplinärem Austausch 

Forschungsanfragen kommen aus unterschiedlichsten Fachgebieten (Soziologie, Anthropologie, Politikwissenschaft, Agrarwissenschaften, Ernährungswissenschaft, Design, Kunst, Architektur, Stadtplanung etc.). Eine längere Einbindung in das Projekt sollte dazu genutzt werden, sich mit anderen Forschenden auszutauschen und sich über die verschiedenen Perspektiven und Methoden zu informieren.

Weitere Tipps

Eine andere Art, den Umgang mit „studentischen Arbeiten“ zu entlasten, kann die standardisierte Audio-Aufnahme der meist genannten Fragen sein.

  • Der Gemeinschaftsgarten Neuland in Köln hat zum Beispiel ein Interview aufgenommen und schickt jetzt die Tonaufnahme bei kleineren Interviewanfragen.
  • Andere Gärten haben die meist gefragten Fragen und Antworten auf ihren Internetseiten veröffentlicht und verweisen darauf als erste Instanz bei Anfragen. Oft reichen die dokumentierten Antworten schon aus.