Wasser

Nicht alle Gemeinschaftsgärten verfügen über einen Wasseranschluss. Einen solchen zu legen macht allerdings nur Sinn, wenn es sich bei dem Gelände nicht um eine Zwischennutzung handelt. Außerdem ist das in der Regel eine recht teure, zeitintensive Angelegenheit. Informationen zum Wasseranschluss sind bei den lokalen Wasserversorgungsbetrieben erhältlich. Aber es gibt auch andere, oft kombinierbare Wege. Diese Praxisseite stellt eine Auswahl vor.

Hydranten

Viele Gartenprojekte entnehmen mit einem Standrohr Wasser aus öffentlichen Hydranten (Trinkwassernetz). Beim lokalen Wasserbetrieb erfährt man, wo der nächste Hydrant ist. Zusammen mit dem ausleihbaren Standrohr bekommt man dort auch einen Schlüssel, um den Hydranten aufzuschließen. Man setzt das Standrohr auf, und schließt einen Schlauch an. Die Standrohre sind mit Wasserzählern ausgestattet. An Kosten fallen die Leihgebühr für das Standrohr pro Tag und für den Wasserverbrauch an. Üblich ist eine Kaution.

Regenwasser

Spart Trinkwasser, ist kalkfrei und fällt kostenlos vom Himmel.

Regentonnen: Es gibt sie in verschiedenen Größen und aus unterschiedlichen Materialien. Sie können an ein Regenfallrohr angeschlossen werden. Spezielle Apparaturen sorgen dafür, dass die Tonne nicht überläuft. Praktisch ist ein Auslaufhahn (kann ein ganz normaler Zapfhahn sein). Dafür muss die Tonne etwas erhöht stehen, so dass eine Gießkanne unter den Hahn passt. Es gibt auch Foto: Tassew ShimelesFoto: Tassew ShimelesRegentonnen mit Handschwengelpumpen oder elektrischen Pumpen. Im Sommer sollte die Tonne abgedeckt werden, denn Licht begünstigt die Algenbildung. Deshalb ist es auch sinnvoll, eine möglichst dunkle, lichtdichte Farbe zu wählen. Oder man besorgt sich eine feste schwarze Folie und wickelt diese um die Tonnen herum. Im Winter sollte die Tonne geleert werden. Nach längerer Trockenheit sollte der erste Regen nicht in die Tonne fließen, da sich auf Dachflächen Schadstoffe und Schmutz sammeln. Regenwasser kann man auch in Wassertanks und/oder –kanistern sammeln. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen, z.B. für 500 und 1000 Liter, Ausführungen und Preislagen. Selbstverständlich können Tonnen und Tanks auch mit Trinkwasser befüllt werden. Wird das Wasser von benachbarten Stellen zur Verfügung gestellt, empfiehlt sich der Einbau einer Wasseruhr.

Foto: Gudrun WaleschFoto: Gudrun Walesch
Beispiel: Die Interkulturellen Gärten in Hamburg Wilhelmsburg haben einen Wassertank gespendet bekommen, die Kosten für das Wasser trägt eine Wohnungsbaugesellschaft. Der Tank steht leicht erhöht auf Paletten, so dass die Gießkanne unter den Hahn passt. Sehr praktisch: Eine sogenannte Maurerbütt (großer Maurereimer) unter dem Hahn fängt das Wasser auf, das beim Zapfen vorbeiläuft.

Brunnen

Rammbrunnen und Schlagbrunnenbau:
Ramm- oder Schlagbrunnen sind relativ leicht zu errichten. Wichtig ist die Bodenbeschaffenheit und dass der Grundwasserspiegel nicht zu tief liegt. Wichtig ist eine gute Pumpe!
Für den Bau wird ein Rohr mit einer Spitze durch Rammen (Schlagen) bis in das Grundwasser getrieben. Zuerst ein Loch in den Oberboden graben, und zwar so tief, bis reiner Sandboden erreicht ist. Foto: Frauke HehlFoto: Frauke HehlDas Foto links zeigt das vordere Ende des Filterrohrs (mit Rammspitze), das mit einem Bohrhammer in den Boden getrieben wird. Bevor das Rohr (= Rammfilter) im Boden verschwindet, wird ein Verlängerungsrohr aufgeschraubt und dieses wieder mit dem Hammer in den Boden getrieben. Dieser Schritt wird so lange wiederholt, bis das Grundwasser erreicht ist. Am oberen Ende (über der Erde) setzt man dann ein Rohr mit Anschlussstutzen für eine Pumpe an.
Aus dem Erfahrungsbericht der Rosa Rose-Gärtnerin Frauke Hehl: „Mehr als acht Meter Grundwassertiefe sind mit dieser Technik allerdings nicht zu erfassen, da sonsten der Pumpdruck und der Rohrdurchmesser nicht mehr ausreichen würden.“
Die in den Boden getriebenen Rohre (Filterrohre) haben Schlitze und Löcher, in die sich mit der Zeit Sedimente setzten, so dass sie nach einiger Zeit ausgewechselt bzw. gereinigt werden müssen. Rammbrunnen sind genehmigungspflichtig. Es dürfen z.B. keine Brunnen in Wasseranreicherungs- oder Wassereinzugsgebieten geschlagen werden. Am besten bei den zuständigen Behörden nachfragen.


Beispiel:
Im Zukunftsgarten Hannover Hainholz hat eine Firma den Brunnenbau gebohrt. Kinder und Jugendliche halfen beim Bau mit. Die Kosten beliefen sich auf rund 1000 Euro (für Bohrung, Benzin-, Handpumpe und Gartenschlauch). Wasser 04n
Fotos: Tassew ShimelesFotos: Tassew Shimeles









Tiefbrunnen
Der Berliner Interkulturelle Garten Marzahn/Hellersdorf liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Kindertagesstätte. Aus dem Programm „Stadtumbau Ost“, das den Rückbau von Infrastruktur mit einer Aufwertung der entstanden Fläche verbindet, konnte zwar der Start des Gartenprojekts finanziert werden, die Folgekosten müssen jedoch von der Gartengemeinschaft getragen werden. Um Kosten für Wasser zu sparen (Grundwasser ist kostenlos), haben sich die InitiatorenInnen für einen Tiefbrunnen entschieden, denn die Bohrung kann tiefer sein als beim Rammbrunnen, er ist wartungsärmer und langlebiger. Der Brunnen wurde von einer Firma gebohrt und kostete inklusive der Errichtung von zwei Entnahmestellen, die mit Hähnen und Schöpfbecken ausgestattet sind, 12.000 Euro.

Weitere Erfahrungen:

Kooperation mit Nachbarn

Auf dem Gelände des Kulturgartens München-Hadern (5000 m²) gibt es fünf Wasserzapfstellen (Hähne mit je einer Tonne), über die normalerweise jederzeit Wasser zur Verfügung steht. Der Anschluss ist über ein Rohrsystem mit der Wasserversorgung eines Nachbarn verbunden. Dort ist ein Zähler installiert, um die Kosten später aufteilen zu können.

Die Internationale Gärten Göttingen-Geismar und Hetjershausen beziehen ihr Wasser über direkt benachbarte Gemeindehäuser. Der Wasseranschluss ist fachgerecht an Außenwänden verlegt und derVerbrauch über Wasseruhren abgerechnet. In Geismar kann ein Schlauch angeschlossen werden. In Hetjershausen arbeiteten drei Männer des Interkulturellen Gartens mehrere Wochen daran, ein dort angeschlossenes Kunststoffrohr auf einer 30 Meter lange Stecke einen Meter tief (wegen Frostgefahr) zu vergraben. Der Garten hat nun in seiner Mitte fließendes Wasser.

Eigenbau eines Gießwasserteichs
Die Gartengemeinschaft der Bewohnergärten München-Neuperlach hat gemeinsam einen Gießwasserteich geplant und komplett in Eigenarbeit gebaut. Die Kosten für die Teichfolie brachte eine Gärtnerin über eine Tombola auf. Das Wasser wird aus dem nahen Kiesteich entnommen oder auch von Dächern der Gartenhütten gesammelt. Es dauert einen Tag, bis das Becken voll ist. Bei der Arbeit wechseln sich die GärtnerInnen ab, was jedoch nicht immer konfliktfrei läuft. An den Energiekosten für die Pumpe beteiligen sich alle.

Wasserentnahme aus dem durchfließenden Bach
Die GärtnerInnen des Internationalen Gartens Duderstadt leihen sich bei Bedarf eine Pumpe bei der Caritas (Träger des Gartenprojekts), schließen einen Schlauch an und füllen dann alle Wasserbehälter. Für die Wasserentnahme aus dem Bach wurde ein Antrag beim Bauamt gestellt.

Befreiung von Abwassergebühr
Bei der Nutzung von Trinkwasser fallen normalerweise Abwassergebühren an. In Göttingen sind die Gartenprojekte davon befreit. Sie haben beim Stadtentwässerungsamt/Fachdienst Grundbesitzabgaben einen Antrag auf Abwassergebührenbefreiung gestellt und bewilligt bekommen.