R.I.P., Elisabeth!

Elisabeth Meyer Renschhausen

Am letzten August-Wochenende starb Elisabeth Meyer-Renschhausen 73-jährig in Berlin. Am selben Wochenende fand das Urban-Gardening-Sommercamp statt. Wir hatten insgeheim gehofft, dass Elisabeth vorbeischauen würde, aber so war es leider nicht.

Einige von uns in der anstiftung kannten sie schon seit den 1980er Jahren, sie gehörte zu denen, die sich – wie wir – für die Möglichkeiten einer geldunabhängigen Subsistenz interessierten, sie schaute über den deutschen Tellerrand, nach Osteuropa und in den globalen Süden.

Elisabeth war Mitbegründerin der Arbeitsgruppe Kleinstlandwirtschaft und Mitveranstalterin der internationalen Tagung „Perspektiven der Kleinstlandwirtschaft und Gärten in Stadt und Land“ im Sommer 2000. Die Konferenz war Inspiration für alle, die damals teilnahmen, und eine der Initialzündungen der neuen urbanen Gartenbewegung.

Die wichtigen Bücher „Die Wiederkehr der Gärten – Kleinstlandwirtschaft im Zeitalter der Globalisierung“ und „Die Gärten der Frauen. Zur sozialen Bedeutung von Kleinstlandwirtschaft in Stadt und Land weltweit“ erschienen 2000 und 2001.

Elisabeth war also früh dran am Thema. Sie gehörte zum Kreis um Ivan Illich und Barbara Duden, und sie war bis zum Schluss mit Maria Mies befreundet. Die New Yorker Gemeinschaftsgärten besuchte sie Anfang der nuller Jahre, das zugehörige Buch „Unter dem Müll der Acker“ erschien 2004. Da war sie längst auch in die Kämpfe um das Berliner Gleisdreieck involviert.

Elisabeth war Feministin, Öko-Feministin, sie hatte eine Vorstellung von weiblicher Ökonomie und keine Probleme damit zu benennen, dass es mehrheitlich Frauen sind, die sich um Ernährung und sonstige lebenswichtige Belange kümmern. Dass sie es tun, und dass sie es als Frauen tun, stand für sie außer Frage, nicht von Natur aus, aber in der sozialen Realität.

Elisabeth band Praxis und Theorie auch in ihrer Person zusammen, sie war gleichermaßen Wissenschaftlerin wie Aktivistin, immer mit von der Partie, wenn es Gärten und Grün zu verteidigen und zu gestalten galt. Dass es den interkulturellen Rosenduftgarten auf dem Parkgelände Gleisdreieck gibt, ist auch ihr Verdienst.

Elisabeth Meyer-Renschhausen war klug, belesen, hatte viel Humor und hätte als Historikerin durchgehen können, tatsächlich war sie eine historisch interessierte und versierte Soziologin. Gespräche mit ihr waren gerade auch deswegen immer spannend. Sie verfügte über ein enorm breites Wissen, praktisch wie theoretisch. Davon zeugen nicht zuletzt ihre vielen Auftritte, Vorträge und auch die Nachrufe auf sie, die allesamt auf der Website ihres „Heimatgartens“ Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld versammelt sind.

https://www.allmende-kontor.de/2022/09/06/nachruf-auf-elisabeth-meyer-renschhausen/

Elisabeth, auch wir werden dich vermissen!

Andrea Baier, Christa Müller und Gudrun Walesch

Foto: Wilm Weppelmann

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Global Citizen Prize 2022

Anuscheh Amir-Khalili, seit Anfang des Jahres unsere neue Kollegin in der anstiftung, wurde Ende Mai in New York mit dem Global Citizen Prize ausgezeichnet.

anuscheh amir khalili global citizen prize

Sehr verdient, wie wir finden, und freuen uns mit ihr über die Auszeichnung und selbstredend auch über die Würdigung der Bedeutung von Gemeinschaftsgärten gerade auch für geflüchtete Frauen und Kinder, für die Anuscheh sich seit 2010 engagiert. Sowohl im Rahmen der Organisationen Band of Sisters und Flamingo e.V., wie nun eben auch in der anstiftung, wo sie ihr Wissen und ihre Netzwerke im Bereich von inter- und transkulturellen Aktivitäten in Gemeinschaftsgärten und anderen DIY-Projekten fruchtbar macht.

Hier geht’s zu zwei kurzen Hintergrundporträts über Anuschehs Engagement:

> bei Global Citizen
> Vorstellung bei Youtube

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Das Kompost-Festival

Kompostfestival

Was passiert, wenn wir Stadtplanung von der Verrottung her denken? Was darf auf den Kompost unserer Träume? Was produziert unsere Gesellschaft, das nicht oder nur mühsam modert? Sind wir bereit uns langsam zu zersetzen? All diese Fragen vom Werden und Vergehen thematisiert das Kompost-Festival, das das StadtLabor der Universität Münster gemeinsam mit uns von der anstiftung im Juni veranstaltet. Kompost-Festival - Die lebendige Kunst der Transformation vom 16. – 25. Juni 2022, Münster.

Hier geht’s zu Website und Social-Media-Updates:

http://kompost.zone/

https://www.instagram.com/kompost.zone/

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Frei, fair und lebendig. Ein Nachruf

SilkeHelfrich Silke Helfrich ©Gerardo Milsztein, SeeMoreFilm

Frei, fair und lebendig: So lautet der Titel ihres letzten Buches. Und so hat Silke Helfrich gelebt. Vermutlich deshalb war auch mein erster Gedanke, als ich von ihrem tödlichen Bergunfall am 10. November 2021 erfuhr: Die unermüdliche Silke? Das kann nicht sein. Immer sprühend vor Ideen, immer neugierig, der Welt so zugewandt wie kaum eine andere. Der Tod, der sie zwischen zwei Terminen in den Liechtensteiner Alpen buchstäblich ereilte, riss sie aus einem energiegeladenen Leben, das seinen Anfang 1967 in einem thüringischen Dorf nahm. An der Karl-Marx-Universität Leipzig studierte sie romanische Sprachen und Sozialwissenschaften.

Nach der „Wende“ baute Silke Helfrich zunächst die Landesstiftung Thüringen der Heinrich-Böll-Stiftung auf. 1999 ging sie – erneut in Leitungsposition – für die Grünen-nahe Parteistiftung nach El Salvador. Nach fünf weiteren Jahren, in denen sie sich mit zahlreichen mittelamerikanischen sozialen und ökologischen Bewegungen vernetzte und verbündete, zog sie als Gründungsdirektorin ins „Regionalbüro Mexiko und Karibik“ nach Mexiko-Stadt.

Die Konfrontation mit der Privatisierung und Einhegung von Gemeingütern im Globalen Süden wurde für Silkes Engagement in der weltweiten Commons-Bewegung und -Forschung richtungsweisend: der alltägliche Kampf der Menschen um Zugang zu sauberem Wasser, Land und patentfreiem Saatgut sowie die Wertschätzung indigenen Subsistenzwissens – aber auch der Erhalt eines freien Internets als Wissensallmende bzw. der wenigen kommerzfreien Räume im Netz.

Silke Helfrich stand mit ihrem Denken und Tun ganz in der Tradition der Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom, die für ihre wegweisenden Arbeiten über Gemeingüter und deren Erhalt als erste Frau mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde. Unter dem Titel „Was mehr wird, wenn wir teilen“ hat Silke zentrale Texte von Elinor Ostrom erstmals einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht (erschienen 2011 im oekom verlag).

Commons entstehen durch Commoning

Silke Helfrich und ihr Co-Autor David Bollier sehen in Commons weniger so etwas wie Allmendeweiden als primär „lebendige soziale Strukturen, in denen Menschen ihre gemeinsamen Probleme in selbstorganisierter Art und Weise angehen.“ (Silke Helfrich & David Bollier: Frei, fair und lebendig. Die Macht der Commons. Bielefeld 2019, S. 20)

Die Suche nach Alternativen zu Markt und Staat prägte das Schaffen von Silke Helfrich. Das Buch „Commons. Jenseits von Markt und Staat“ erschien 2012 als Sammelband mit Beiträgen aus aller Welt im transcript Verlag. Für Silke Helfrich war es selbstverständlich, dass das Buch ebenso wie der 2015 erschienene Nachfolgeband „Commons. Muster gemeinsamen Handelns“ als freier Download mit CreativeCommons-Lizenz versehen ist. Da aber auch Verlage Kosten haben, entstanden auch hier wieder neue editorische Kooperationsformen, die den Gedanken des Commoning weiter in die Welt tragen.

Als Mitgründerin der Commons Strategic Group und des Commons Institut e.V. umspannte ihr Aktionsradius transnationale Vernetzungen, das Anregen von Commons-Public-Partnerships sowie teilnehmende Beobachtung von kollektiven Praxen des solidarischen Wirtschaftens vor Ort, für deren Funktionsweisen und Empirien sie sich als Aktionsforscherin zunehmend interessierte. Silke war überzeugt davon, dass „der Kapitalismus verlernbar ist“.

Dass nun die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen großen und auf lange Linien angelegten Sonderforschungsbereich zum Thema „Strukturwandel des Eigentums“ an der Universität Jena unter Leitung von Hartmut Rosa fördert, hat Silke Helfrich sehr gefreut.

Sie wäre sicherlich als Commons-Expertin, internationale Vernetzerin und Beraterin gefragt gewesen.

Sie fehlt.

Dieser Nachruf von Christa Müller erscheint in Kürze als Print-Version in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift politische ökologie.

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Skills Factory auf Samos

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In einer leerstehenden Gerberei restaurieren zwei kamerunische Geflüchtete das traditionelle Mauerwerk. Sie tun dies mit so viel Geschick, Motivation und Finesse, so einer der Initiator*innen von Selfm.aid, wie er es in seinen 20 Handwerkerjahren auf Schweizer Baustellen noch nie gesehen hat. Die alte Gerberei auf der griechischen Insel Samos ist Ausgangspunkt und Experimentierort für selbstorganisierte und nachhaltige Formen des Umgangs mit globalen Problemen und Verwerfungen.

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Corona und urbane Gemeinschaftsgärten

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Wie reagieren eigentlich Gemeinschaftsgärten auf die Einschränkungen gemeinschaftlichen Handelns in Corona-Zeiten?

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Digitalisierung für alle, keine Zeit für niemand?

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Wie verändert sich Subsistenz- und Sorgearbeit im Prozess der Digitalisierung von Gesellschaft?

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Urbane Waldgärten

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Der Begriff "urbane Waldgärten" ruft als erste Assoziation ein Paradox auf: Ist es denn im Wald nicht zu schattig für einen Garten? Gemeint ist jedoch der mehrschichtige Pflanzenaufbau nach dem Prinzip eines Waldes. Die Deutsche Presseagentur (dpa) findet diese neue Form des Gemeinschaftsgärtnerns jedenfalls so interessant, dass sie einen ausführlichen Bericht veröffentlichte.

http://urbane-waldgaerten.de/

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Charta für das Berliner Stadtgrün

news_charta Aktuell bedroht: das himmelbeet im Berliner Wedding

Trotz jahrelanger beeindruckender Bemühungen der Berliner Gartenbewegung um die selbstorganisierte Schaffung und Erhaltung von grünen Begegnungsorten für alle werden urbane Gärten vom Berliner rot-rot-grünen Senat augenscheinlich nur als (verzichtbare) Zwischennutzung gesehen. Zwar will der Berliner Senat in einem Impulspapier für eine Charta für das Berliner Stadtgrün die grüne Infrastruktur der Hauptstadt langfristig stärken – dabei scheinen aber ausgerechnet die Gemeinschaftsgärten keine bedeutsame Rolle zu spielen. Hier ist die Antwort des Netzwerks Urbane Gärten Berlin auf das Impulspapier.

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Was heißt hier gerecht?

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Unter dieser Fragestellung tagte die anstiftung im November am Starnberger See. Ein Bericht über unsere Kooperationstagung erschien nun auf dem Blog interdisziplinäre Geschlechterforschung. Hier geht's zum Tagungsbericht.

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